Perspektivenwechsel
Der Leser erlebt die Szene somit in einem Moment durch die Augen des Hauptprotagonisten, aber schon zwei Sätze später stopft der Autor ihn ihn die Haut der Nebenfigur.
Als Autor steckt man, schon während des Schreibens, nicht nur in der Hauptfigur sondern auch in den Nebenfiguren - sonst könnte man diese nicht lebendig beschreiben. Daedurch fällt ihm dieses Hin- und Herflippen nicht direkt auf. Ein Leser ist es aber gewohnt mit der Hauptfigur mitzufühlen. Alleine dadurch finden die meisten Leser tief ins Buch hinein. Ein ständiger Perspektivewechsel verhindert die Identifikation mit der Hauptfigur. Kurz: dauernder Perspektivenwechsel hilft ganz prächtig potenzielle Leser schnellstmöglich zu vergraulen.
Will man eine Erzählperspektive wählen die den Leser den Charakteren näher bringt als ein allwissender Erzähler, tut man als Autor gut daran sich auf einen Hauptcharakter zu konzentrieren. Nicht immer reicht das.
Muß man die Geschichte also tatsächlich aus verschienen Perspektiven erzählen, ist es besser nur nach abgeschlossenen Szenen zu wechseln. Noch besser es aber mindestens ein Kapitel lang bei einem Protagonisten zu bleiben oder ein Buchteil lang.
Dave Luckett erzählt den ersten Buchteil von Dunkle Burg. Tenabra-Trilogie 03.
Im Buch Diner des Grauens: Wir servieren Armageddon mit Pommes Frites!
Im Buch Hasturs Erbe
Wieviel Personen, aus deren Sichtweise erzählt wird, eine Geschichte allerdings verträgt, ist eine ganz andere Frage. Auch muss man sich bewusst sein, dass nicht jeder Leser - der sich über das erste oder die ersten Kapitel mit einer Figur angefreundet hat - überhaupt über einen Perspektivenwechsel freuen wird.
Man kann ihn einsetzen, aber wenn er für die Geschichte nicht zwingend notwendig ist, sollte man Perspektivenwechsel lieber ganz unterlassen.
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5 Comments to Perspektivenwechsel
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Ich habe vor einigen Jahren ein Buch gelesen namens "Luzifers Hammer" von Larry Niven und Jerry Pournelle. Es handelt sich um ein an die 800 Seiten starkes Taschenbuch, das den Untergang der Zivilisation zum Thema hat. Es beginnt damit, dass zwei Hobbyastronomen einen neuen Kometen entdecken, beshreibt die Zeit vor, waehrend und nach des Einschlags des Kometen auf der Erde.
Was ich damals handwerklich an diesem Buch interessant fand ist, dass die Autoren recht häufig springen. Es gibt sicher an die 50 Protagonisten, von denen ein paar von Anfang bis Ende dabei sind, ein paar aber zuch z.B. nur bis zum Einschlag oder ab dem Einschlag. Irgendwann in der Handlung ist aber das Leben der verschiedenen Personen zu einem Zeitpunkt miteinander verknüpft und führt zusammen.
Das macht das ganze sehr vielschichtig und bietet viele Betrachtungswinkel (wie etwa einen religiösen Fanatiker, der die Existenz des Kometen leugnet, eine Anhängerschar um sich aufbaut, die dann alle zugrunde gehen, als der Komet ins Meer einschlägt und die Tsunami-Welle die am Strand wartenden überrollt).
Da aber der eigentlich Handlungsfaden und die klare Zeitlinie nie verloren gehen, ist das auch nicht verirrend.
Ansonsten Full ACK, ein schöner Artikel! -
Interessant ist dabei auch die Frage, wie sich der Perspektivenwechsel auf die Zeit auswirkt. Bleibt die Geschichte trotz Erzählersprung zeitlich linear? Oder wird nicht nur zwischen Personen, sondern auch in der Zeit hin- und hergesprungen?
George R.R. Martin zum Beispiel wechselt die Protagonisten in "A song of Ice and Fire" in jedem Kapitel (was ich als Leserin sehr spannend und angenehm finde), und nach einer Weile kommen dann wieder Protagonisten aus früheren Kapiteln zu Wort. Resultat: Keine Hauptfigur, sondern eine Menge sehr lebendiger und ambivalenter Charaktere (sie selbst finden ihre eigenen Taten gut, aus der Sicht des darauffolgenden Erzälhers wirkt das dann aber ganz anders...).
Ich glaube mich zu erinnern, dass einige Geschehnisse jeweils aus verschiedenen Perspektiven (zur gleichen Zeit) erzählt werden - auch ein schönes Stilmittel. -
Was Lore schon andeutet: meiner Meinung nach funktionierenPerspektivenwechsel dann sehr gut wenn damit auch Zeitsprünge verbunden sind. Wie z.B. einen Meteoriteneinschlag aus verschiedenen Perspektiven zu erzählen (oder ein anderes, entscheidendes Ereignis) und dabei immerwieder in die Zeit vor dem Einschlag zurückzuspringen, etc.
Schwierig wirds meiner Meinung nach dann, wenn die Handlung linear läuft und man anfängt zu springen. Das kann schnell ins Auge gehen wenn (wie Mela ja auch erwähnt) sich der Leser an eine Figur gewöhnt hat. -
Sehr gut umgesetzt finde ich persönlich den Perspektivenwechsel, wie in George R. R. Martin in seiner Saga: "Song of Ice and Fire" (im Deutschen oft als Winterfell-Sage bekannt) umsetzt. Die Perspektive springt zwar meist nach jedem Kapitel, heftet sich an die (Haupt-)Figur, aus deren Sicht die Ereignisse geschildert werden und lässt den Leser so die Beweggründe dieser Figur erfahren. So kommen im Lauf der Geschichte mehrere Perspektiven zusammen, die aber imho dem Leser ein umfassendes Bild liefern. Vor allem werden so klassische Muster wie Gut/Böse etc. aufgebrochen. Jede Handlung hat eine Motivation, jede wichtige Motivation wird aus subjektiver Figurensicht erklärt und somit nachvollziehbar.
Ein spannendes Verfahren, zumindest meiner Meinung nach - auch wenn (oder gerade weil) es dem Leser Aufmerksamkeit abverlangt. -
Klingt tatsächlich spannend. Ich glaub das Buch sollte ich mir mal vornehmen.









identi.ca
31 Oct 09 at 04:50