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April '14



Das Geschenk der Piratenpartei an die Verwerter

with 100 Comments

Dieser Artikel war längst fällig. Er war schon kurz nach dem Bundesparteitag in Chemnitz 2010 fällig. Er wurde aus einem einfachen Grund nicht geschrieben:

Kurz nach Chemnitz war ich nicht in der Lage unflätige Beschimpfungen zu vermeiden. Auch jetzt, Monate später, bin ich das nicht. Und ich möchte am liebsten fragen, welche ************ *********** in Chemnitz ihre Karten für das Positionspapier zum Urheberrecht gehoben haben.

Wie andere auch habe ich nach Chemnitz erst mal mit dem Gedanken an einen sofortigen Austritt gespielt. Auch und obwohl ich andere Austritte übertrieben und Drama-Queen-verdächtig empfand. Kurz vor dem BPT durfte ich einer Sitzung 'meiner' Gewerkschaft beiwohnen, die mir und meinen Interessen in den Rücken fällt und den Verwertern das Leistungsschutzrecht schenken möchte.

Kurz drauf fällt meine Partei mir zusätzlich in den Rücken und möchte meine Leistung nach 10 Jahren gleich ganz den Verwertern schenken.

Ja, danke auch!

Mit dem Bücherschreiben verdient man nichts. Jedenfalls nicht genug, dass es zum Leben reicht. Meine Bücher sind vor nun fünf und sechs Jahren erschienen. An jedem habe ich ziemlich genau ein Jahr gearbeitet. Nicht eingerechnet, die Zeit, die ich hinterher mit Marketing verbracht habe.

Wenn ich das mal so überschlage und meine Ausgaben abziehe, dann habe ich in den Jahren, die ich an meinen Büchern gearbeitet habe, ein Monatseinkommen von rund 70€ erwirtschaftet. Ihr seht also: Bücherschreiben ist schon eine Tätigkeit, die mit viel Idealismus und persönlicher Liebhaberei zu tun hat. Mit etwas Glück, bin ich nach dem Ablauf der Zehnjahresfrist bei 100€ pro Buch und Arbeitsmonat. Wunderbar.

Daraus nun abzuleiten, es wäre voll toll und innovativ den Produzenten die Werke nach 10 Jahren gleich ganz aus den Händen zu nehmen ... weil wegen ... wieso überhaupt?

Kurzsichtig, nixblickend, dämlich, hirnverbrannt, respektlos ... die Liste passender Adjektive für diese strunzdoofe Idee ist lang.


Und da ich es nun mal kann, erkläre ich auch gerne, wie die Auswirkungen des Positionspapiers im Buch-Bereich aussähen:

Hans Müller hat eine super Idee. Der neue Thriller. Innovativ. So gerissen wurde noch nie erzählt. So viele spannende Wendungen hatte kaum ein Buch. Damit wendet er sich an einen Verlag denn:

Verlage haben eine Menge Angestellte, die das Buch lektorieren, korrigieren, setzen und in den Buchhandlungen landauf landab anpreisen wie sauer Bier. Das kostet, ist aber ziemlich effektiv. Ein allein kämpfender Autor im Selbstverlag kann nicht auf diese gewachsenen Strukturen im Marketing zurückgreifen. Und glaubt es mir oder glaubt es mir nicht: Das macht beim Buchabsatz einen riesigen Unterschied.

Wenn das Buch dann endlich verkauft werden kann - und schon viel Geld investiert wurde - dann will der Autor auch noch Geld. Hier bekleckert sich nicht gerade jeder Verlag mit Ruhm. Manche versuchen die Ausgaben für Marketing komplett auf die Autoren umzulegen und so die Tantiemenzahlungen (über den Vorschuss, so es einen gab, zu vermeiden). Autoren sind oft eben doch nur die lästigen Content-Produzenten. Machen Arbeit, Stress, verpassen Abgabetermine und wollen auch noch ein Stück vom Kuchen ab. Ein System ohne Autoren ... für den einen oder anderen Verlag sicher eine reizvolle Vorstellung.

Und dann kommt da die Piratenpartei und bietet an, den Produzenten nach 10 Jahren alle Rechte wegzunehmen.

Die erste Reaktion dürfte blankes Entsetzen sein. Nach zehn Jahren kann ihnen jemand ihre mühsam verlegten Werke wegnehmen! Schlimm schlimm. Aber dann dürfte diese Reaktion nach Außen beibehalten werden, während man sich innerlich schon auf ein anderes System umstellt. Das bewährte "Andere arbeiten lassen."

Dann kündigt man erst mal dem Großteil der Lektoren und stellt dafür ein paar Leute ein, die den Markt selbstverlegter Bücher beobachten.

Was passiert mit Hans Müllers Manuskript?

Lieber Autor, leider passt dein Buch nicht ins Programm, dein Thema verkauft sich nicht gut oder unserer Verlagssekretärin gefiel dein Font nicht. Aber da gibt es doch die tollen neuen Selbstverlags-Möglichkeiten. Wäre das nichts für dich?

Da Autoren dummerweise einfach nicht anders können als zu schreiben und auch gelesen werden zu wollen, arbeitete sich der Autor eben neben dem Brotjob durch 300 Seiten Story (okay, das ist auch heute schon/noch Autorenrealität), sucht sich danach einen Lektor, den er aus eigener Tasche bezahlt (vierstellig), sucht sich einen Korrektor (Geld ist bereits alle, also macht's der Hund oder die Nachbarin), trägt das Manuskript zu einem Books on Demand-Anbieter und lässt es drucken und bietet es zusätzlich per E-Book an.

Dann kommt die lange, mühsame Phase des Marketings. Twitter, Facebook, Buchforen, persönlich Buchhandlungen der Gegend abgrasen und nach einer Lesung betteln (unbezahlt klar - Bittsteller bekommen nicht auch noch Geld) und auf eigene Kosten werden allen möglichen Medien Belegexemplare geschickt. Neben dem Brotjob und den Stunden Marketing will man ja auch noch das nächste Buch schreiben. Wer braucht schon Schlaf?

Dann ... kommt der Erfolg. Das Buch wird in ein paar Blogs super besprochen, es verkauft sich gar ein paar Mal. Der Adelsschlag, dass ein Youtube-Fan-Filmchen gedreht wird ... Aber das ist schnell vorbei. Die Verkäufe bleiben stabil auf vielleicht ein paar 100 Stück pro Jahr. Aber immerhin, es kommt etwas Geld herein und Hans Müller hatte Freude an der Arbeit.

Dann kommt Jahr Zehn. Das Urheberrecht verfällt.

Eine Verlagsheuschrecke, die das Buch schon lange im Auge behalten hatte, nimmt es lässt noch mal den letzten fest angestellten Lektor drübergehen, schreibt "John Grisham" darüber - denn es sind ja alle Rechte weggefallen - und rührt die Marketingtrommel. Das Buch wird millionenfach verkauft. Die etablierte Presse (wie sie in 10 Jahren auch aussehen mag) berichtet darüber, es gibt Kino- und TV-Spots und Großplakate. Die Menschen stehen Schlange an den Buchläden und der E-Book-Server bricht durch die massenhaften Downloads zusammen. Das Buch schießt auf die obersten Plätze der Verkaufszahlen. Und ein paar kleinere Blogs erwähnen, dass man doch bitte bei Hans Müller, dem Originalautor kaufen soll, statt die Ausgabe von 'John Grisham'. Dadurch steigen Hans Müllers Verkaufszahlen auf mehrere Tausend im Jahr, aber die Verlagsheuschrecke hat Gewinne in Millionenhöhe.

Es wird natürlich auch Verlage geben, die nicht dabei mitmachen. Die ihre Autoren weiterhin schätzen und sie respektieren. Aber sie werden sich noch mehr als bislang auf schnelllebige Bücher konzentrieren, wie Sachbücher, die schon nach wenigen Jahren veraltet sind. Jede Investition darüber hinaus wäre einfach sinnlos.

Das Positionspapier von Chemnitz hat nichts mehr mit Augenhöhe zwischen Konsument und Produzent zu tun. Er ist einfach eine Unverschämtheit, die eine große Respektlosigkeit der Konsumenten gegenüber den Produzenten ausdrücken. Und es ist ein Geschenk einiger Nixblicker an eine Industrie, die es nicht kratzt, wenn sie ein bisschen warten muss, bis die Inhalte für sie auch kostenlos sind.

Ob ein Produzent aus seiner Produktion Geld machen will, oder daraus ein kostenloses Angebot aufbaut muss immer die Entscheidung des Produzenten bleiben. Manche umfangreichen Projekte sind einfach nur dann zu realisieren, wenn es auch eine Vermarktungsmöglichkeit gibt. Wird selbst die potenzielle Vermarktungsmöglichkeit von vorneherein durch einen Umbau des Urheberrechts ausgeschlossen - der sich rühmen darf noch kurzsichtiger zu sein, als die der Verwertungsindustrie - nimmt man dem Produzenten nicht nur das schwammige 'geistige Eigentum' weg, sondern ein Werk, in das er jahrlang Arbeitszeit und Herzblut investiert hat. Man nimmt ihm keine Idee weg, sondern sein Werkzeug, mit dem er sich Lebensunterhalt erwirtschaftet und neue Werke schafft.

Ich würde es mir jedenfalls schwer überlegen, ob ich mir den Stress eines Jahres Testkochen, Schreiben, Selbstzweifel und Abgabepanik nochmal antun wollen würde, wissend dass nach 10 Jahren dann ein anderer ein Geschäft mit meiner Leistung macht.

Bei diesem Thema haben auch die Mitglieder der Piratenpartei bewiesen, dass auch sie wenigstens eine Meinung haben können, wenn sie schon keine Ahnung haben. Dann ist der Weg zur politischen Elite ja nicht mehr weit.


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Last modified on 2011-02-12 11:05


10 Trackbacks to Das Geschenk der Piratenpartei an die Verwerter

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  1. Nebenan hat Mela mal ordentlich vom Leder gezogen, was die aktuelle Positon der Piratenpartei in puncto Urheberreccht betrifft. In den Kommentaren gabs (etwa von NineBerry und korbinian) schon gute Gegenargumente und ich mach mich mal fix an dies

    tarzun

    06 Feb 11 at 23:01

  2. rz.koepke.net

    08 Feb 11 at 09:34

  3. rz.koepke.net

    08 Feb 11 at 13:59

  4. dobschat.de

    09 Feb 11 at 04:49

  5. dobschat.de

    09 Feb 11 at 11:03

  6. Piratige Kulturförderung? Okay, vielleicht nicht der beste Musiker, aber zumindest einer der Besten. Und es sagen ja auch nicht alle Piraten und so ganz direkt will es wahrscheinlich auch keiner sagen, aber wenn man die Argumentation einiger Piraten in...

    Dobschat

    09 Feb 11 at 17:23

  7. ... nur wer den Kulturmarkt kennt, kann auch darüber diskutieren. Die ganze Urheberrechtsdebatte krankt daran, dass sie maßgeblich von zwei Seiten befeuert wird: Die Seite der Content-Großindustrie, die sowohl die Bodenhaftung als auch den Kundenkont

    Feder & Herd

    11 Feb 11 at 01:37

  8. Wie bereits mehrmals erwähnt, sind Kulturschaffende in der überwiegenden Mehrheit freiberufliche Unternehmer. Als solche unterliegen sie den Gesetzen des Marktes und der ist im Kulturbereich weniger vorhersagbar als beispielsweise im Bereich der IT-Beratu

    Feder & Herd

    11 Feb 11 at 19:00

  9. Die Süddeutsche hat einen määndernden Artikel, der auf Seite 2 dann doch noch irgendwie zum Punkt kommt und Rick Falkvinge verlinkt und daraus ableitet: Jetzt, da sie erstmals in einem deutschen Parlament sitzen, scheinen sie genau das vergessen zu hab
  10. www.spreeblick.com

    17 Nov 11 at 11:14

100 Comments to Das Geschenk der Piratenpartei an die Verwerter

  1. Exactly.
    Ich schreibe nicht, sondern mache Trickfilme, und da ist das Verhältnis von investierter Zeit zu erwirtschaftetem Geld noch schlechter. Und ich kann es echt nicht mehr hören, dieses ewige "Ja dann stells doch ins Netz" - denn dann kriege ich gar nichts mehr für meine Arbeit.

    slowtiger

    06 Feb 11 at 18:09

    Reply

  2. Ich habe meine Karte mit Ja gehoben. Und stehe immer noch dazu. Die Frage ist doch, ob in zehn Jahren überhaupt noch Bücher in großem Maßstab "gedruckt" werden.

    Die Realität wird der digitale Vertrieb sein. 10 Jahre (ab Erstveröffentlichung!) sollen ja wohl ausreichen, um alle Chancen zu nutzen, das eigene Werk zu kapitalisieren. Für den Fall, dass der große Erfolg dann wirklich erst nach 10 Jahren kommt, bleibt ja immer noch die Möglichkeit, weitere Werke zu verkaufen. Denn der Autor hat ja natürlich weiterhin das Recht an allen Werken, die in den zehn Jahren seither entstanden sind und in Zukunft noch entstehen.

    NineBerry

    06 Feb 11 at 18:19

    Reply

  3. Ich denke dazu muß ich nichts sagen. Das steht alles im Artikel drin. Ich bleibe dabei, dass ich diese Einstellung kurzsichtig und den Produzenten gegenüber unverschämt finde.

    Es ist nicht mehr und nicht weniger als eine Zwangsenteignung. Das ist nicht liberal sondern kommunistisch.

    Mela Eckenfels

    06 Feb 11 at 18:24

    Reply

  4. enteignung wäre es nur wenn man an geistiges eigentum glaubt. daran glaube ich nunmal nicht. ich wüsste gar nicht ob ich free culture in die kapitalistische oder in die kommunistische ecke stecken würde. hängt wohl davon ab was die verwerter machen dürfen und was nicht. auf jeden fall sollten die rechte der öffentlichkeit auf veröffentlichte werke gestärkt werden.

    korbinian

    06 Feb 11 at 18:42

    Reply

  5. Über dieses "Gnädigerweise darfst du ja was neues produzieren und verwerten." könnte ich mich jetzt wirklich aufregen.

    Wie kommt man auf sowas?

    Mela Eckenfels

    06 Feb 11 at 18:38

    Reply

  6. hi mela

    aus deiner sicht als autorin kann ich deine kritik an dem positionspapier erstmal voll und ganz nachvollziehen. wenn verwerter in der gegenwärtigen situation einfach alle fremden inhalte ohne nachfragen nutzen dürften wäre das definitiv ein problem für praktisch alle autoren. meine kritik an dem positionspapier bezieht sich v.a. auf den ersten teil: "Die Piratenpartei Deutschland spricht sich für eine gesetzliche Regelung aus, nach der es jedem möglich ist, 10 Jahre nach Erstveröffentlichung, Werke lizenzkostenfrei und ohne Genehmigung zu verwenden, zu kopieren, zu ändern, zu fusionieren, zu verlegen, zu verbreiten oder zu verkaufen."
    den 2. teil "Nichtkommerzielle Nutzung soll bereits zum Zeitpunkt der Veröffentlichung erlaubt sein." unterstütze ich allerdings voll und ganz. grundsätzlich kann man sich die frage stellen inwiefern man als partei und potenzieller gesetzgeber so massiv in bestehende geschäftsmodelle eingreifen will. ich bin auch als "kreativer" tätig, in meinem bereich (webdesign/programmierung) spielt aber das urheberrecht zum glück praktisch keine rolle, durch share und remix passiert weiterentwicklung. trotzdem kann ich davon einigermaßen gut leben, da ich ein maßgeschneidertes produkt anbiete was nicht kopierbar ist. deine kundschaft ist aber die öffentlichkeit, und eben nicht ein unternehmen dass dich einmalig bezahlt, oder regelmäßig, weil du konstant leistung lieferst. geschäftsmodelle wie die des klassischen buchmarkts werden in zeiten der einfachen kopierbarkeit für die massen (leider) nicht neu entstehen. die frage die sich stellt ist wie man mit diesen old-school modellen umgeht. ich habe dazu keine echten antworten. eine kulturflatrate, verwertungsgesellschaften oder ein grundeinkommen für alle könnten aber ein weg sein um zumindest härten abzufedern. denkbar wäre auch die gelder der öffentlich-rechtlichen medien nicht nur an die offiziellen anstalten zu verteilen sondern an alle unabhängigen kulturschaffenden.

    welche ideen schweben dir denn so vor?

    grüße, korbinian

    korbinian

    06 Feb 11 at 18:36

    Reply

  7. Grundeinkommen als 'Entgelt' für Kreative zu fordern, ist meiner Ansicht nach ein weitere Indikator dafür wie hoch unsere Gesellschaft kreative Leistungen einschätzt. Etwa auf der Ebene von klebrigem Glibber.

    Jeder Müllmann darf sich zu seiner Grundsicherung noch ein Gehalt verdienen, aber ein Kreativer muß sich mit der Grundsicherung schon bezahlt fühlen?

    Ich habe keine Lösung für das Urheberrecht. Weil es keine schnelle Lösung gibt. Wir können uns sofort über Fair Use einig werden. Aber die Haltung Kreativen gegenüber "Zwingt dich ja keiner was zu erschaffen, aber wenn du es tust wollen wir es dann auch ganz für uns .. " .. die ist einfach erbärmlich.

    Mela Eckenfels

    06 Feb 11 at 18:47

    Reply

  8. verstehe mich nicht falsch: grundeinkommen ist niemals ein ersatz für eine einkommen aus arbeit - das is doch vollkommen klar. es dient nur dazu auch kreativ sein zu KÖNNEN ohne auf eine finanzielle gegenleistung angewiesen sein zu MÜSSEN. die frage ist was deine arbeit in einer kapitalistischen gesellschaft wert ist. wenn sie zu 100% kopierbar ist muss man wohl leider sagen: in geld ausgedrückt praktisch nichts. wir alle stehen vor einem großen fragezeichen wie dieses problem gelöst werden soll. aber dass es so nicht weitergeht ist doch auch klar, oder?

    korbinian

    06 Feb 11 at 18:53

    Reply

  9. Liebe Mela,
    wenn du der Meinung bist, dass du es besser weist dann schreib doch das nächste mal selber ein Positionspapier. Das ist nun mal das Prinzip der piratenpartei. Jeder kann mitmachen und muss dies auch tun, damit was sinnvolles dabei rauskommt. Das gilt umso mehr, wenn einen das Thema selber betrifft und einem so am Herzen liegt, wie dir das Urheberrecht. Allerdings habe ich den Eindruck, dass du wie so viele eher zu den Wünschies als zu den Machies in der partei gehörst. Nörgeln ist eben leichter als selber was auf die beine zu stellen. Und so hast du hiermit malwieder einen nörgelbeitrag geleistet, anstatt einen besseren vorschlag zu machen. Diesmal wenigstens zu einem Thema bei dem du dich auskennst. Kann man natürlich auch als Fortschritt sehen.

    Tom

    06 Feb 11 at 18:45

    Reply

  10. Ach, entschuldige Tom. Ich war so damit beschäftigt keine Pressearbeit zu machen, dass ich mich einfach nicht entscheiden konnte wieviele LQFB-Initiativen ich in der Zeit ins System blasen wollte. Nur 10.. oder doch eher 20?

    Aber danke. Leute wie du motivieren mich tatsächlich gar nichts mehr zu machen. Super Arbeit.

    Machis machen eben immer was und wenn sie nichts mehr finden machen sie kaputt.

    Mela Eckenfels

    06 Feb 11 at 19:12

    Reply

  11. Uhoh

    "Leute, die keine Ahnung haben", "Zwangsenteignung", "Kommunismus". Mehr Polemik geht wohl nicht.

    Ab ins Gulag!

    Nee, jetzt also mal echt.

    "es ist ein Geschenk einiger Nixblicker an eine Industrie, die es nicht kratzt, wenn sie ein bisschen warten muss, bis die Inhalte für sie auch kostenlos sind"

    10 Jahre sind in unserer Gesellschaft sehr viel mehr als "ein bisschen". Im übrigen wird ja in dem Positionspapier nicht mehr nur Verfall des exklusiven Kommerzialisierungsrechts nach 10 Jahren propagiert, sondern auch das allgemeine Vertriebsrecht ohne kommerzielle Interessen. In dem Moment, in dem Bücher hauptsächlich digital vertrieben werden, wird die Vergütung durch den Endnutzer damit automatisch eine freiwillige Leistung.

    Das, was Verlage sind, wird sich grundlegend ändern. Autoren werden nicht mehr für Verlage arbeiten, sondern Verlage für Autoren. Dabei ist es wahrscheinlich, dass die beiden Funktionen "Unterstützung des Autors während der Arbeit" (Recherche, Lektorat, ...) und "Vertrieb" getrennt sein werden.

    Bestimmte Plattformen werden sich auf den Vertrieb spezialisieren und weiterhin Geld direkt vom Endverbraucher bekommen. Andere werden sich auf die Dienstleistung am Autor spezialisieren und direkt vom Autor bezahlt werden.

    "Wird selbst die potenzielle Vermarktungsmöglichkeit von vorneherein durch einen Umbau des Urheberrechts ausgeschlossen"

    Es wird keine Vermarktungsmöglichkeit ausgeschlossen. Es bleiben zehn Jahr Zeit. Das muss reichen. Wieso sollte dieser Zeitrahmen nicht ausreichen? Verleger werden nicht zehn Jahre warten wollen. Es gibt da ja auch einen Marktdruck. Die Leser wollen ja jetzt das neueste lesen. Wer das als erstes liefert, kann auch damit verdienen. Sonst könnte man das auch jetzt schon anwenden. "Die Verlage müssen ja nur bis 70 Jahre nach dem Tod des Autors warten".

    Wo soll denn die Grenze stattdessen gezogen werden? Wieviele Jahre nach Erstveröffentlichung fändest du denn okay?

    "schreibt 'John Grisham' darüber - denn es sind ja alle Rechte weggefallen"

    Nein, das stimmt nicht. In dem Positionspapier geht es nur um das Nutzungsrecht. Die Urheberpersönlichkeitsrechte (wie das Recht auf Nennung des Urhebers) sind davon nicht betroffen. Das wird in der Begründung des Antrags so auch explizit gesagt. Es geht hier nur um Nutzungsrechte, nicht um die Urheberpersönlichkeitsrechte.

    NineBerry

    06 Feb 11 at 18:49

    Reply

  12. angenommen, es gäbe ein bedingungsloses verwertungsrecht für alle ohne nachfrage beim urheber nach 10 jahren nach der publikation, würden sich doch sofort neue geschäftsmodelle etablieren, da ja eine nachfrage nach zb neuen büchern nunmal herrscht. zb könnte man sich vorstellen dass autoren einmalig viel geld bekommen damit ein verlag diese verlegen darf. aktuell werden die autoren halt mit minibeträgen abgespeist von denen sie dann jahrelang leben sollen - so geil finde ich dieses geschäftsmodell für kreative nicht...

    korbinian

    06 Feb 11 at 19:00

    Reply

  13. Entschuldige, aber das ist Blödsinn. Woher kommen deine intimen Kenntnisse der Verlagsbranche, wenn ich dich fragen darf?

    Mela Eckenfels

    06 Feb 11 at 19:00

    Reply

  14. Ich war mit dem Positionspapier auch nicht einverstanden.

    Ich verstehe unser Positionspapier allerdings auch ehr als Arbeitsauftrag an die Partei etwas besseres zu erarbeiten, nicht als in Stein gemeißelte Aussage, die ungeändert für immer bestehen muß.

    Das Positionspapier polarisiert, und das ist gut so. Hätten wir nicht ein kontroverses Papier beschlossen, so würden wir uns vermutlich nicht um das Thema kümmern.

    Gruß,
    Nils

    nils

    06 Feb 11 at 19:03

    Reply

  15. Wir sollten unsere Positionspapiere eher Polarisationspapiere nennen. ;-) Dann finde ich das auch mit der einfachen Mehrheit (statt 2/3-Mehrheit) ok.

    Stephan Beyer

    06 Feb 11 at 19:11

    Reply

  16. Danke Mela für diesen Artikel. Für mich, der sich mit dem Thema nicht auskennt ist es auf jeden Fall hilfreich solche Einblicke zu bekommen. Ich war übrigens nicht in Chemnitz, hab somit das ganze auch nicht verbrochen.

    Viele Piraten haben oftmals einfach keine Ahnung, meinen diese aber zu haben und stimmen entsprechend ab (oder noch besser bringen Positionspapiere ein). Es gibt viele Beispiele dafür, auch im BW Wahlprogramm. Das was wir den anderen Parteien vorwerfen, keine Ahnung von Internetpolitik zu haben, aber trotzdem Politik darin zu machen, machen wir in gleicher Form bei vielen anderen Themen. Keine Ahnung aber fordern und abstimmen! Dies nervt mich immer mehr und ist bei der letzten BW Limesurvey mal wieder überdeutlich geworden.

    ConZee

    06 Feb 11 at 21:11

    Reply

  17. Hi Mela,
    danke für den Beitrag. Ich habe mein bestes gegeben um in Chemnitz die Annahme des Positionspapiers zu verhindern, leider hat es nicht zum kompletten Kippen des Schwachsinns gereicht.
    Ich bin aber zuversichtlich dass wir es schaffen, beim nächsten BPT mit einem Gegenantrag das Positionspapier dorthin zu befördern, wo es auch hingehört (in die Tonne^^).

    Grüße,
    Boris (Gründer AG Urheberrecht)

    Boris Turovskiy

    06 Feb 11 at 23:19

    Reply

  18. Nach aktuellem Recht sind deine Bücher rund 100-150 geschützt. Die Piraten fordern nun 10 Jahre. Wenn sich die Politik irgendwann so in der Mitte treffen würde, dann wäre für dich doch alle okay, oder?

    Knoxx

    06 Feb 11 at 23:40

    Reply

  19. 70, würde ich morgen tot umfallen. Ich finde diese Zeitspanne auch Blödsinn. Eher fast schon Wahnsinn, denn sie steht dem Wissenserhalt entgegen.

    Wenn wir ein gescheites Konzept zu 'Fair Use' hätten, dann wären solche dämlichen Pauschalaussagen wie "Ab 10 Jahren ist Schluß" auch gar nicht nötig.

    Jeder der publiziert muß sich auch mit Kontrollverlust auseinandersetzen. Ist ein Buch erst in der Öffentlichkeit, kann man Kopien nicht verhindern und für den Privatgebrauch ist es auch akzeptabel. Ebenso für den Bildungsbereich.

    Das Bewusstsein, dass da jemand ebensoviel Leistung investiert hat, wie ein Mann eigenhändig ein Haus gebaut hat, sollte aber existieren. Der Entwurf von Chemnitz beweist, dass das Bewusstsein nicht existiert. Auch Tarzuns Artikel beweist das.

    "Uns ist eure Arbeit nichts wert." steht dick darüber.

    Niemand muß die Werke von Künstlern kaufen, wenn sie ihm nicht gefallen. Dann aber zu fordern, stattdessen mit ihnen Geschäfte machen zu dürfen.. das ist zutiefst unmoralisch.

    Mela Eckenfels

    06 Feb 11 at 23:51

    Reply

  20. Leute, seht's doch einfach ein:
    Bis auf die Begrifflichkeiten - Mela, Pirat und dennoch unkritisch von sogenanntem "Geistigem Eigentum" sprechen, das es per se nicht geben kann ? -, hat Mela Recht.
    Und bevor ihr jetzt eurem Dagegenhalt-Reflex nachgebt, hört mir noch weiter zu:
    Stellt euch die Frage, warum es bei der Lockerung des Urheberrechts ausgerechnet eine Schutzfristverkürzung sein muss.
    Ich stelle eine scharfe These auf:
    Weil ihr euch mangels Sachkenntnis über das Urheberrecht nicht anders zu helfen wisst, um die Forderungen der Piratenpartei nach einem freizügigem Urheberrecht in konkrete Formen zu gießen.

    In der AG Urheberrecht hat sich unlängst eine ganz andere Tendenz herauskristallisiert: Dort ist nicht mehr die Rede von Schutzfristverkürzungen, sondern von Ausweitung der Schranken des Urheberrechts, um die Rechte der Allgemeinheit an Werken zu stärken.

    Leute, ganz im Ernst:
    Wen interessiert's, ob ein Werk lebenslang, 100 Jahre oder 200 Jahre urheberrechtlich geschützt ist, wenn dieser Schutz die Nutzung des Werkes überhaupt nicht nennenswert einschränkt ? Wen interessiert's, wenn ihr trotz des Schutzes es filesharen, remixen, auf öffentlichen Veranstaltungen gebührenfrei abspielen dürft, usw. ?

    Hört endlich auf, einen verfrüht eingenommenen Standpunkt auf Teufel komm' raus zu verteidigen, als wenn euch ein Arm abfällt, wenn ihr sagt "Okay, Schutzfristverkürzung ist nicht zielführend zu einer ausgewogenen, zeitgemäßen Reformierung des Urheberrechts.". Das Positionspapier zum Urheberrecht in Chemnitz war ein Fehler und Fehler sind da, um an ihnen zu wachsen und es zukünftig besser zu machen.


    Viele Grüße,
    / aka Oliver

    Slash

    06 Feb 11 at 23:49

    Reply

  21. Abgesehen von der Behauptung, ich würde den Begriff "geistiges Eigentum" unkritisch verwenden, kann ich zum Inhalt dieses Kommentars nur nicken.

    Wir müssen an Fair Use arbeiten.

    Nicht den Produzenten in den Hintern treten und ihnen erklären ob sie mit ihrer Arbeit Geld verdienen dürfen und wenn ja wieviel.

    Mela Eckenfels

    06 Feb 11 at 23:55

    Reply

  22. Hallo Mela,

    ein sehr guter Artikel, der die Problematik der "alles-kostenlos" Mentalität für die schöpferisch Tätigen zeigt.

    Gruß, Andena

    Andena

    07 Feb 11 at 04:33

    Reply

  23. Liebe Mela,

    auch wenn sich folgendes nach Genörgel anhört - versuche es als konstruktive Kritik zu werten:

    Wenn dir dieses Thema so lange quer im Magen liegt, warum hast Du dann nicht angefangen ein paar Leute um dir zu sammeln, mit denen man ein besseres Konzept aufbaut.

    Ich weiss wie viel Du für die Piraten getan hast und tust. Wenn aber ein für dich so wichtiges Thema für dich so massiv an die Wand gefahren wird, ist es da nicht angezeigt "politisch" aktiv zu werden?

    Auch muss sich die Frage stellen: Wohin des Weges? Nach 10 Jahren die kommerzielle Verwertung weiterhin ausschliesslich beim Schöpfer lassen? Damit könnte nach 10 Jahren jeder deine Bücher kopieren, sollte aber ein Film gedreht werden: Partner!

    Ich verstehe deinen Groll, zumal Du ja direkt von dieser "Position" betroffen bist. Aber so bitter es klingt: Entweder die Entscheidung als demokratischen Wahnsinn akzeptieren, oder etwas (was auch immer!) dagegen tun.

    Gruss
    Holger

    reizzentrum

    07 Feb 11 at 08:48

    Reply

  24. Ich reih mich mal hier an. Wir sagen jetzt (ich habs mir jetzt erstmal richtig durchgelesen), das das, was bisher 70 Jahre nach Tod passiert nun halt schon 10 Jahre nach Entstehung möglich ist.

    Wie bei mir geschrieben, sicher nicht sofort der Weisheit letzter Schluß, aber vermutlich besser als die jetzige Regelung, wo doch gerade die Verwerter und nicht die Autoren den Hals nicht vollkriegen, Youtubevideos in "Deinem Land nicht verfügbar" machen und Leute abmahnen, die Gedichte von seit 65 Jahren toten Leuten ins private Blog stellen. Also, warum krallen denn sich jetzt ausgerechnet die Autoren, die (so hört/liest man jedenfalls) doch in der gesamten Verwertungskette eher am unteren Ende stehen an diesem "ollen" Verlagsmodell fest?

    Ich versteh das halt einfach nicht.

    Was ist denn der Alternativvorschlag? Ein bißchen am "Fair use" drehen? Privatkopien (wieder) erlauben? Hier und da an nem Rädchen drehen? Wie will man dann seitens der "Autorenfraktion" denn den neuen Technologien begegnen? Für mich klingt das hier so, als möchte man alte "Pfründe" verteidigen. Ein Herr Pritlove kann offenbar ganz OK vom Podcasting leben und ich als Konsument krieg den Scheiß kostenlos (OK, genaugenommen per "pay-as-you-want"). Warum soll es unmöglich sein, das eben neue Geschäftsmodelle die alten ablösen? AppStore anyone, InApp-Purchases, anyone?

    Ach, übrigens hat das BVerfG (oder der BGH?) im Rahmen der Bewertung des 2. Korbs der Urherberrechtsnovellendings und dieser "Bagatellgrenz"-Problematik (wo man als Urheberrechtsverletzer nur nen 100er abdrückt und aus der Nummer raus is) festgelegt, das das auch für Filesharing gilt und insbesondere wenn der gesharedte Kram, Achtung, älter als sechs Monate ist.

    Ketzerisch interpretiert hat also das BVerfG (oder der BGH?) gesagt, dass es bereits eine Bagatelle ist, wenn ich bei Dingen die zwei Jahre alt sind, das Urheberrecht nicht soo genau nehme. Ich weiß, das das "nur" für Filesharing gilt und das ich das Urteil genau lesen sollte, aber: Da sind die Piraten mit "10 Jahre volle Power für den Urheber" doch nicht sooo schlecht, wa? :-)

    tarzun

    07 Feb 11 at 11:17

    Reply

  25. Du haust immer noch am Thema vorbei.

    Es geht hier nicht um Filesharing, Zitatrecht und es geht auch nicht darum gewachsene Strukturen zu bewahren.

    Die weiterhin sinnvoll sind, denn neue Vertriebsmöglichkeiten bedeuten nicht, dass die Leser nun unbedingt verschrobene Formulierungen oder seitenlange, langweilige Selbstexegese lesen wollen. Oder 'kreative' Rechtschreibung. Die Produktionsschritte für Bücher wfallen nicht weg, nur weill es auf einmal E-Books und Apps gibt. Im Gegenteil. Der Trend geht zum Mehrwert und das bedeutet auch mehr Arbeit. Siehe beispielweise die "Alice im Wunderland"-iPad-Version. Grandios. Und das sage ich, obwohl ich Bücher weiterhin lieber pur mag.

    Die, an einer Buchproduktion beteiligten Personen werden eher mehr werden, nicht weniger.

    Tim Pritlove kann übrigens deswegen von seinen Podcasts leben, weil er bezahlte Auftrags-Podcasts produziert - und dafür ziemlich ordentliche Preise nimmt. Warum auch nicht? Er muß davon leben.

    Bücher sind aber nun mal nur selten Auftragsarbeiten und ich kenne auch keine festangestellten Autoren mit monatlichem Gehalt - ausgenommen vielleicht Wissenschaftler die im Auftrag ihrer Dienstherren Ergebnisse auch publizieren. (Aber das ist eine andere Baustelle -> OpenAccess)

    Als freiberufliche Autoren, tragen wir das volle wirtschaftliche Risiko. Was das bedeuten kann, weiss ich sehr gut als ein Buchdeal platze nachdem es fertig geschrieben war und ich mehrere Monate Arbeit für den lauen Vorschuß verbuchen musste.

    Dieses Risiko trage ich, wie es jeder Freiberufler trägt, dessen Aufträge platzen können oder dessen Auftraggeber plötzlich im Konurs steckt. Shit happens.

    Nicht mehr tragbar ist aber, dass ich nach zehn Jahren zugestehen muss, dass andere Geschäfte mit meiner Arbeit machen. Das ist nicht nur ein Stinkefinger der fordernden Piraten, an die Produzenten - es beschneidet mich auch in meiner Freizügigkeit als Unternehmerin.

    An einem neuen Buch recherchiere ich nun seit einem runden Jahr. Ich rechne inzwischen mit ca. 3 Jahren Recherche. Dann kämen noch etwa zwei Jahre Produktionszeit dazu. Minimum. Bei diesen Zeiträumen, die ein Werk braucht um überhaupt zu entstehen ... ist es so schwer zu verstehen, wie zynisch Sätze wie "Zehn Jahre um ein Werk zu monetarisieren müssen reichen" klingen?

    Mela Eckenfels

    07 Feb 11 at 12:18

    Reply

  26. Was mich mal interessant fände, wie hoch denn das "durchschnittliche" Risiko ist, das ein "Böser" jetzt tatsächlich 10 Jahre wartet um dann plötzlich den großen Reibach zu machen, während der Autor in den 10a vorher keinen müden Heller abbekommen hat. Das bringt mich zu ner anderen Noob-Frage: Wie lange verdient man denn an einem Buch? Und wer verdient an einem Buch? Und wer am meisten?

    tarzun

    07 Feb 11 at 12:48

    Reply

  27. seufz Ich hatte eigentlich nicht vor hier die gesamten Zusammenhänge des Buchmarktes erklären zu müssen. Andere Leute studieren das und auch ich habe Jahre gebraucht um es mir anzueeignen.

    Aber es bleibt mir wohl nichts anderes übrig.

    1. Die Gefahr besteht immer. Schon heute versuchen Leute ja damit durchzukommen. Im kreativen Bereich wird geklaut das es kracht - wenn auch wieder nicht so oft, wie hoffnungslose Jungautoren meinen, die fürchten ihnen würde auch noch die krudeste Plotidee unter den Fingern weggestohlen.

    Dann gibt es ja schon heute Verleger, die sich darauf spezialisiert haben Bücher bei denen das Urheberrecht verfallen ist billig neu aufzulegen. Die Autoren sind lange tot und das ist toll. Denn es bewahrt das Wissen und man kann Bücher alter Autoren preiswert bekommen.

    Als real-lebender Autor, dem gerade die Monatsmiete vom Konto abgezogen wurde, fände ich das nur mässig witzig.

    2. Wie lange man an einem Buch verdient ist eine unbeantwortbare Frage. Es gibt sogenannte Longseller (geringe Verkaufszahlen über mehrere Jahre hinweg. Daraus können durchaus Jahrzehnte werden) und es gibt Shortseller. (Das sind die Bücher, die vielleicht drei Jahre in den Programmen bleiben, was sich bis dahin nicht verkauft hat wird makuliert oder auf deutsch 'verrammscht'. Das heisst die Bücher landen auf dem Krabbeltisch im Modernen Antiquariat.)

    Longseller sind häufig Sachbücher von allgemeinem Interesse über Themen die nicht zu schnell durch die Entwicklung überholt werden. Das "Bat Book" ist durchaus eine Art Longseller, aber auch nur weil es ständige Neuauflagen gibt. Ein klassischer Longseller wäre dieses Kräuterheilkundebuch von Maria Sowieso, das schon meine Oma besaß und das ich immer wieder in Buchhandlungen auf bevorzugten Displays präsentiert sehe.

    Shortseller sind Sachbücher zu flüchtigen Themen und fast der komplette durchschnittliche Bereich der literarischen Fiktion. Die meisten Autoren schreiben, werden ganz gerne gelesen, sind aber keine Stars. Ihre Bücher verschwinden nach 3 Jahren aus den Katalogen, Reste tauchen im Antiquariat auf oder werden von den Autoren zurückgekauft (Rechte dazu sind meist im Vertrag festgehalten). Einige Autoren gehen dazu über ihre Bücher dann nochmal im Selbstverlag aufzulegen und machen sie dazu zu Longsellern mit niedrigem Absatz.

    Mein erstes Buch ist ein klassischer Longseller. Vermutlich liegen die Einnahmen durch Buchverkäufe auch in Jahr 15 noch über den Kosten, die ich für die Datenvorhaltung bei BoD ausgeben muß. Bei Buch 2 wird man sehen müssen. Nach 5 Jahren ist es definitiv auch ein Longseller, aber für Verlage lohnt es sich oft nicht ein Buch weiterhin anzubieten, wenn gewisse Verkaufszahlen unterschritten werden. (Wenn auch ein Spartenverlag unter ganz anderen Gesetzmässigkeiten operiert als ein großer Publikumsverlag.)

    Bestseller können zu Longsellern werden - müssen sie aber nicht. Ob man Stephenie Meyer auch noch in 50 Jahren so im Munde führen wird wie man das heute tut ... warten wirs ab.

    Autoren literarischer Fiktion beginnen übrigens dann tatsächlich Geld mit ihren Büchern zu verdienen, wenn sie es schaffen Film- oder TV-Rechte zu verkaufen. Das rentiert sich schon bei einem Tatort der lose auf einem Buch basiert, dass vielleicht nicht gerade der Renner im Verkauf war.

    Auch hier werden Autoren - wenn möglich - gerne übergangen. So dem Autoren von "The last Unicorn" Peter Beagle geschehen. Das der Film kein kommerzieller Erfolg gewesen wäre, und man es sich nicht hätte leisten können dem Autoren etwas vom Kuchen abzugeben, behauptet hier sicher niemand.

    Verfilmungen und TV-Adaptionen entstehen oft erst nach der magischen 10 Jahres-Grenze. Zwischen Philip Pullmans "Golden Compass" und der gleichnamigen Verfilmung liegen glaube ich 12 oder 13 Jahre.

    Der Beschluß von Chemnitz tritt eine wichtige Einnahmequelle von einigen Autoren einfach so in die Tonne. Und mit aufwendig produzierten Filmen wird auch in 10 Jahren noch ein heiden Geld gescheffelt werden.

    Die Verlierer des Beschlusses von Chemnitz sind in erster Linie die Produzenten, nicht die Verwerter. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das die Intention gewesen sein kann.

    Mela Eckenfels

    07 Feb 11 at 13:22

    Reply

  28. Ohohoh, derjenige, welcher in dieser Parteien nur noch ab und zu nach den Blumen und den Goldfischen gucken wollte, hat mal wieder den Blick aufs große Ganze.

    Und leider wie so oft, seine Meinung mit falschen Tatsachen garniert.
    Es gibt kein Urteil oder einen Beschluss, des Bundesverfassungsgerichts oder des BGH, welches die Bagatellgrenze auf 100 Euro festsetzt.
    Es gibt eine Entscheidung des BGH zur Störerhaftung. Einfach mal "Sommer unseres Lebens" googeln. Wahrscheinlich wurde an diese gedacht, aber gemeint war OLG Köln, Beschluss vom 27.12.2010, Az. 6 W 155/10.
    Dieser Auffassung nach soll kein gewerbliches Handeln im Sinne von § 101 Abs. 9 UrhG vorliegen, wenn das betreffende Werk schon länger als sechs Monate vermarktet wird.

    § 101 Abs. 9 UrhG gibt den Rechteinhabern einen Auskunftsanspruch gegenüber den Providern hinsichtlich des Verletzers. Ob sich andere Gerichte dieser Auffassung anschließen, ist noch nicht klar.
    Die vom Blumengiesser angeführten 100 Euro sind der Anspruch aus 97 a UhrG. Jeder mit etwas juristischem Grundverständnis, nachvollziehen können, dass ein Schadensersatzanspruch und ein Auskunftsanspruch zwei völlig verschiedene Dinge sind. Auch wenn sie zum Teil die gleichen Tatbestandsvoraussetzung haben.

    Das Schlimme an Chemnitz war, dass sämtliche Argumente welche gegen die Verkürzung des Urheberrechts auf zehn Jahre sprechen ausführlich genannt wurden. Aber leider gibt es in dieser Partei so viele Leute, welche zwar eine Meinung haben, aber leider von den wirtschaftlichen Zusammenhängen überhaupt keine. Und wie es scheint auch nicht von den juristischen. Denn auch wenn es viele nicht schmecken wird, das geistige Eigentum wird auch durch Art. 14 Grundgesetz geschützt.

    Mark

    Mark

    07 Feb 11 at 12:47

    Reply

  29. "persönlicher Liebhaberei zu tun hat." Das ist doch der Punkt. Du betreibst Bücherschreiben quasi als Hobby. Autoren, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen, sollten in den 10 Jahren ihr Geld verdient haben. Da gilt Top oder Flop. Klar gibt es immer die Hoffnung auf "Spätstarter", übersehene Diamentenm die erst 10 Jahre oder mehr nach Erstveröffentlichung ein Riesenerfolg sind. Aber sowas ist wahrscheinlich wie ein 6er im Lotto.

    Tim

    07 Feb 11 at 09:15

    Reply

  30. Zu deiner Information: Ich schreibe hauptberuflich und Vollzeit. Es sind nur nicht immer Bücher und das vor allem auch aus pragmatischen Gründen. -> Bücher benötigen eine lange Produktionszeit == Finanzielle Durststrecke, mit unsicherem Ausgang.

    Darüber hinaus empfinde ich deine Antwort als Unverschämtheit, aber sie illustriert sehr gut den Geist, in dem die Entscheidung von Chemnitz getroffen worden sein muß.

    Warum verdient jemand, der als Hobby schreibt nicht den gleichen Respekt (und Schutz) wie jemand der davon leben muß? Warum glauben Menschen, die sich im Alltag kreativer Arbeit nicht auskennen, sie könnten fordern Kreative müssten andere mit ihrer Arbeit Geschäfte machen lassen?

    Wieso glauben sie, entscheiden zu können wann die Erschaffer eines Werks gefälligst genug Zeit hatten es zu Geld zu machen?

    Mela Eckenfels

    07 Feb 11 at 12:44

    Reply

  31. Ich finde den Artikel toll. Dieses Positionspapier war einer der Gründe, meine Mitgliedschaft nach Chemnitz hinzuschmeissen.

    Auch in der Diskussion hier wird deutlich, das sich viele nicht der Tragweite ihres Handelns bewusst sind. Auch ich bin der Meinung, das geistige Eigentum ist irgendwie was nicht greifbares. Aber trotzdem bleibt ein Buchautor Urheber des Werkes. Und schon muß man anfangen zwischen dem geisterhaften geistigen Eigentum und den Urheberrecht zu differenzieren. Urheber bleibt Urheber. Niemand käme heute auf die Idee, Goethe die Urheberschaft an z. B. Faust abzuerkennen. Trotzdem fordert die Piratenpartei dieses in ihrem Positionspapier. Und das schon nach 10 Jahren. Das geht einfach so nicht!
    Und das Argument, das in 10 Jahren eh alles nur noch als e-book existiren würde, möchte ich mal als realitätsfemd bezeichnen. Sicher hat der Markt ein rasantes Wachstum. Aber was ist denn nun der Unterschied, ob ich ein Buch elektronisch oder gedruckt veröffentliche? Bin ich denn als Autor und Urheber weniger wert, wenn ich es elektronisch veröffentliche? Ganz gewiss nicht!
    Es täte den Piraten gut, wenn sie lernen würden, fehler auch als soclhe zu erkennen und einzugestehen. Nur so kann eine ehrliche Politik funktionieren.

    Steffen

    07 Feb 11 at 09:54

    Reply

  32. In der ganzen großen Diskussion ums Thema (nicht nur hier) wird leider deutlich, daß eine Menge Menschen überhaupt nicht wissen, um was es geht, keinerlei Erfahrungen aus dem Inneren der Produktion "geistigen Eigentums" haben, und stattdessen gern wolkige Voraussagen machen à la "alles wird umsonst sein" und "Buchdruck ist tot" und dergleichen Spökenkiekerei mehr.

    Kinners, das ist unseriös. Das ist so unseriös wie ein "Physiker", der sich hinstellt und sagt "aber mein Modell wird funktionieren, wenn man nur die restlichen Naturgesetze alle ändert!"

    "Aber dem Urheber bleibt doch das Urheberrecht" zu sagen, um ihm dann die Nutzungsrechte zu nehmen - solche Leute möchte ich (mit Sascha) künftig nur noch in Büromaterial bezahlen. Glaubt ihr ernsthaft, ein Künstler lebt von der Namensnennung? Kriegt er die Brötchen umsonst, weil er grad irgendwo undotierter Preisträger ist? Läßt ihn der Vermieter umsonst wohnen, wg der Ehre, den berühmten Namen auf dem Klingelbrett zu sehen?

    Eine dringend nötige Überarbeitung des ganzen Komplexes hat vor allem 3 Bereiche zu berücksichtigen:

    1. Das eigentliche Urheberpersönlichkeitsrecht. Hier sind die wenigsten Änderungen nötig, es geht hier vor allem um das Recht auf Namensnennung, Schutz vor Plagiat, Schutz vor Entstellung, etc. Ich könnte mich damit anfreunden, dies von 70 auf 20 Jahre nach dem Tod zu beschränken - danach sollte keine Familie mehr Aufführungen oder Veröffentlichungen verhindern können.

    2. Das Zitat- und Bearbeitungsrecht. Momentan existiert nirgends eine rechtliche Regelung für "Fair Use". Die brauchen wir aber, damit zB Dokumentation und Wissenschaft nicht abgewürgt werden durch fleißige Anwälte (denk an Scientology u.a.) oder deutsche Verleger (Suchmaschinenzitate). Ebenso betrifft dies den Einsatz von Samples in Musik und Text, ein Bild an der Wand im Hintergrund eines Filmes, Parodien und Bearbeitungen (kann man alles sortieren), Fan-Art, usw. Hier wäre ich für eine Betonung des "was veröffentlicht ist, ist bereits Teil der Öffentlichkeit".

    3. Das Nutzungsrecht. Als Künstler möchte ich bezahlt werden für meine Arbeit. Ich habe auch nichts dagegen, daß diejenigen, die mir dabei helfen, also Verlage, Verleihe, Produzenten etc, ihren angemessenen Anteil vom Kuchen bekommen. Ich habe aber was gegen Auswüchse wie zB den amerikanischen Weg, der den Verwertern alles, den Künstlern teilweise garnichts zuspricht, oder Seltsamkeiten wie die deutschen Gepflogenheiten bei der Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten, "Druckkostenzuschüsse" und andere Mehrfachsubventionen. Ich habe auch was gegen GEZ-finanziertes, das nach dem Senden dem Zugriff der zahlenden Zuschauer entzogen wird.

    Außerdem möchte ich prüfen, wo wir momentan unbrauchbare Gleichsetzung von künstlerischen und technischen Urhebern haben - das, was uns zB die Probleme mit Bildrechten für die Wikipedia beschert, aber auch das Patent- und das Markenrecht sind betroffen.

    Da ist eine Menge Spielraum zum Diskutieren, mit Ideen wie Verwertungsfristen (wenn sie nicht genutzt werden, darf jeder andere das Werk verwerten, solange er dem Künstler dessen Anteil auszahlt); grundsätzlichem Recht auf nichtkommerzielle Nutzung (Kita, Museum, Bücherei, aber auch Fan-Art) verbunden mit Pflicht zur Namensnennung; Freigabe von Back-Katalogen; zeitlich befristete Nutzungsrechteübertragung an Verwerter (wenn nicht genutzt, automatischer Rückfall an Urheber); Bagatellgrenzen in Streitfragen, usw. Ich werde mich aber nicht hinstellen und jene unterstützen, die unter dem Geschrei von "Freiheit" nur verstehen, den aktuellsten Film möglichst schnell zu kopieren und per Internet weiterzuverbreiten.

    slowtiger

    07 Feb 11 at 12:40

    Reply

  33. das hört sich doch schon alles sehr gut an! arbeitest du denn an entsprechenden prorammkonzepten mit?

    korbinian

    07 Feb 11 at 15:17

    Reply

  34. Anderen Leuten Unwissen vorzuwerfen ist kein Argument. Punkt.

    Außerdem laufen viele Argumente hier an dem Positionspapier vorbei.

    Die 10 Jahre laufen erst ab dem Zeitpunkt der Erstveröffentlichung. Da ist also die Zeit vorher, die zur Erstellung benötigt wird, nicht mitgerechnet.

    Und nochmal: Die Urheberpersönlichkeitsrechte werden nicht angetastet. Natürlich muss man sagen, dass das Buch von Goethe auch von Goethe stammt und kann nicht einfach den Autor ändern.

    Man kann aber heute die Werke von Goethe kommerziell verwerten, ohne ihm oder seinen Nachkommen dafür Tantiemen zahlen zu müssen. Hat jemand etwas dagegen? Wahrscheinlich nicht. Also ist es doch okay, dass das exklusive Verwertungsrecht irgendwann ausläuft. Das Positionspapier sagt "10 Jahre". Wenn euch das zu kurz ist: Welcher Zeitraum wäre denn angemessen? Antwort bitte.

    Natürlich muss es darüber hinaus auch weitere Veränderungen im Urheberrecht geben, die Fair Use, Zitatrechte, usw regeln. Das steht auch in der Begründungs des Positionspapiers. Das muss aber zusätzlich passieren, nicht stattdessen.

    NineBerry

    07 Feb 11 at 13:03

    Reply

  35. "Anderen Leuten Unwissen vorzuwerfen ist kein Argument. Punkt."

    Doch ist es. Machen wir ständig, wenn es beispielsweise um Netzsperren und die Nullpeilung unserer Regierenden geht.

    Wer sich anmaßt ein Urteil zu fällen und darauf basierend eine politische Entscheidung trifft, muß sich seine einseitige oder fehlende Auseinandersetzung mit dem Thema durchaus vorwerfen lassen.


    "Außerdem laufen viele Argumente hier an dem Positionspapier vorbei.

    Die 10 Jahre laufen erst ab dem Zeitpunkt der Erstveröffentlichung. Da ist also die Zeit vorher, die zur Erstellung benötigt wird, nicht mitgerechnet."

    Nein. Entweder willst du nicht verstehen was ich zu sagen versuche oder du drehst es absichtlich wie du brauchst.

    Wenn ich nicht unwesentlich Lebenszeit in die Entstehung eines Werkes investiert habe und gerade mal das Doppelte dieser Zeit dann die exklusiven Verwertungsrechten zugestanden bekomme, dann ist es schlicht unverschämt. Beleidigend. Respektlos.

    Und ich kann mich Petra (Foodfreak) nur anschließen. Sie hat es besser auf den Punkt gebracht als ich es konnte.

    Der Knackpunkt ist, der Beschluß von Chemnitz ist ein Entwurf von Konsumenten über den Kopf der Produzenten hinweg. Und Kraft ihrer Arroganz erklären sie, welche Zeitspanne für Produzenten genug zu sein hat.

    DAS ist es was mich daran ankotzt. Das ist es, weswegen ich mich von meiner Partei verraten fühle.

    Und das ist, warum uns Produzenten zu recht nicht mehr ernst nehmen werden.

    Wenn hier Wege gefunden werden sollen, die Produzenten gegenüber den Verwertern besser zu stellen, ist das der komplett falsche Ansatz.

    Mela Eckenfels

    07 Feb 11 at 13:38

    Reply

  36. Ich kann bei der ganzen Sache nur noch den Kopf schütteln. Ganz ehrlich, wenn so etwas Realität würde, wäre es wirklich an der Zeit jegliche kreative Arbeit einzustellen. 10 Jahre? Hallo? Da erscheint also das Buch, in das man deutlich mehr Zeit als 'nur' die Schreibarbeit steckt, und in dem Moment wo es vielleicht mal nach der ganzen Marketingarbeit Gewinne abwürfe, soll ich meine Arbeit und eine spätere Entlohnung dafür (um nichts anderes handelt es sich) in den Wind schiessen? Wie schön dass sich mit so einem Papier auch die letzte auch nur ansatzweise wählbare Partei von der Lebensrealität potenzieller Wähler wegentfernt.

    Das was Slowtiger anführt ist (erwartungsgemäss) schon sehr vernünftig; insbesondere auch der Abgleich zu technischen Patenten usw. Über so etwas, auch zeitlich begrenzte Nutzungsrechte - und vor allem: mit dem Urheber abzusprechende Nutzungsvarianten statt über dessen Kopf realisierte! - kann man diskutieren, aber sicher nicht über Pauschallösungen die effektiv auf Enteignung und massive Ausbeutung über die bereits bestehende Selbstausbeutung der meisten künstlerisch Schaffenden hinaus gehen.

    NineBerry: wie wäre es mit Lebenszeit des Autors? Oder Erscheinungsdatum plus 60 Jahre, sofern die Autorin frühzeitig ins Gras beisst? Denn rein zufällig gibt es auch Autoren die Familien mit ihrer Arbeit ernähren...

    Foodfreak

    07 Feb 11 at 13:17

    Reply

  37. Anderen Leuten Unwissen vorzuwerfen ist kein Argument. Punkt. Das bleibt bestehen. Nur weil viele Leute es verwenden, wird es noch nicht dazu.
    Ich versuche, eine solche Argumentation zu vermeiden.

    "Unverschämt, beleidigend, respektlos" ist auch kein wirkliches Argument. Man muss das doch ganz sachlich sehen. Welche Möglichkeiten bestehen, nach 10 Jahren noch relevant Kapital aus einem Werk zu schlagen, wenn das in den 10 Jahren vorher noch nicht ausreichend passiert ist. Werke, die auch nach 10 Jahren noch Kapital abwerfen sind ja tendenziell die, die das auch vorher schon getan (und sich damit eigentlich schon finanziert) haben.

    10 Jahre sind eine gigantisch lange Zeitspanne, vor allem im Medienbetrieb. Niemand kann mir erzählen, dass man 10 Jahre braucht, um ein Werk so zu vermarkten, dass es Gewinne abwirft.

    Schutzfristen an der Lebenszeit des Autors festzumachen ist Unsinn. Es führt zu Ungerechtigkeiten zwischen den Autoren, da diese ja unterschiedlich lang leben. Außerdem würde es die Familie des Autors benachteiligen, wenn der Autor stirbt. Davon abgesehen ist es schwierig, wenn Werke kollaborativ oder anonym erstellt werden.

    Bei Büchern spielt das vielleicht weniger eine Rolle, aber bei Musik, Filmen, Computerspielen, ... sind ja immer eine ganze Menge unterschiedlicher Leute beteiligt, sprich der Autor ist ja nicht immer eine natürliche Person, sondern könnte dann ja auch ein Unternehmen sein.

    Das Kriterium "Erstveröffentlichung" ist ein gerechtes, einfaches und eindeutiges Kriterium.

    60 Jahre sind viel zu lange. Kultur ist schnelllebig und die Schutzfristen müssen das berücksichtigen. Man muss mal überlegen: Mit einer Dauer von 60 Jahren wäre fast die gesamte Menge aller Farbfilme immer noch geschützt. Ich würde 20 Jahre als den maximal tolerierbaren Wert ansehen, eher deutlich weniger.

    Auch bei technischen Patenten müssen die Schutzfristen verkürzt werden, dort noch sehr viel stärker. Je nach Bereich wären dort zwischen 5 und 10 Jahren angemessen.

    NineBerry

    07 Feb 11 at 14:03

    Reply

  38. Und wieder. Da entscheiden also die Konsumenten wieviel 'genug verdient' ist. Und hängen noch ein nettes 'wenn eben nicht dann Pech gehabt' hinten ran.

    Wer bist du, zu entscheiden, dass ich von meinen Tantiemen nicht auch noch meine Rente bestreiten darf? Das ich tolerieren muß das andere ein Geschäftsmodell auf meiner Arbeit aufbauen, ohne das ich gefragt und/oder beteiligt werde?

    Warum darf jeder Freischaffende die Regeln unter denen er arbeitet selbst bestimmen, aber als Kulturschaffender soll man durch ein Recht eingeschränkt werden, dass einem die geschaffene Arbeit nach 10 Jahren aus den Händen nimmt?

    Das Papier von Chemnitz ist autoritär und von oben herab über die Kreativen gestülpt.

    Das es respektlos und beleidigend ist, mag kein Argument sein. Es ist aber ein Fakt.

    Mela Eckenfels

    07 Feb 11 at 14:20

    Reply

  39. Aber wo wir grade bei Argumenten sind:

    Neben "die Zeit muß reichen" und "Kultur ist schnelllebig" hast du noch kein einziges Argument gebracht, warum die Schutzfrist nur 10 Jahre betragen darf.

    Mela Eckenfels

    07 Feb 11 at 14:33

    Reply

  40. "10 Jahre sind eine gigantisch lange Zeitspanne, vor allem im Medienbetrieb. Niemand kann mir erzählen, dass man 10 Jahre braucht, um ein Werk so zu vermarkten, dass es Gewinne abwirft."

    Wie steht es mit dem Zeitgeist? (Der wäre nämlich Vorraussetung für die Ablehnung bzw. Akzeptanz bzw. den Erfolg eines Werks.) Ich gehe nicht davon aus, dass jeder Zeitgeist innerhalb von 10 Jahren einmal dran kommt, sodass jeder Produzent genug Möglichkeiten zur Verwertung seines Werks hätte.

    Ich behaupte vielmehr, dass die Wahrnehmung der "gigantisch langen[n] Zeitspanne" nichts weiter als Zeitgeist ist. Somit wird diese früher oder später hinfällig.

    Nichts desto trotz entspricht die radikale (räusper) Kürzung auf zehn Jahre der Durchsetzung einer konkreten Vorstellung wie-das-auszusehen-hat per Zwang. Es fällt mir schwer hier eine autoritäre Tendenz zu ignorieren. Daher kann fair use hier nicht als Vater des Gedanken gelten, weil Zwang dem freiheitlichen Ansatz nunmal fundamental widerspricht. Wie piratig ist das?

    Der Konflikt findet seine Spitze darin, dass Produzenten Enteignung befürchten, während Konsumenten Übervorteilung wittern. Leider kann diese Situation nur überwunden werden, wenn man den Dritten - ich meine die Industrie - einbezieht und zu einer Abkehr von der Gewinnmaxime überzeugt. Das wäre die Stellschraube, nicht die Frist!

    Die Tatsache, dass nicht Produzenten befragt wurden, gab von mir die rote Karte in Chemnitz.

    Gonzoo

    07 Feb 11 at 16:45

    Reply

  41. NineBerry: Warum sind 60 Jahre zu lang? Mit welcher Begründung, bitte?

    Mit der gleichen Argumentation könntest Du antreten und sagen, jemand der ein Haus gekauft hat muss das nach 20 Jahren an die Allgemeinheit abgeben, hatte ja lange genug das Recht dran. Grundbesitz wird sowieso überbewertet. Nur weil ich meine Werke nicht gekauft sondern selbst erzeugt habe soll ich daran weniger Rechte haben als ein Käufer von etwas, egal ob materiell oder immateriell?

    Und: Wird etwas 'wertlos' nur weil es alt ist? Dann regelt sich das über den Marktpreis von alleine. Wenn es eh nach der Zeit niemanden mehr interessiert, sollte es keine Rolle spielen wer die Rechte dran hat. Und letzten Endes kann ein Rechteinhaber ja imme roch - siehe zB Cory Doctorow - selbst entscheiden ob und wie er seine Werke freigeben will. Dieses Recht wegzunehmen weil irgendwer glaubt 'content ist für alle da' und die Arbeitsleistung anderer ist unwichtig, ist wohl kaum gerecht.

    Ich möchte jedenfalls nicht 2011 einen Roman veröffentlichen und 2031 feststellen, dass 27th Century Wolf den verfilmt, ohne dass ich einen Cent sehe, während ich die letzten 20 Jahre mein Buch zu einem Erfolg gemacht habe und sie den Rahm abschöpfen... und ausserdem werden Autoren (Grafiker, Zeichner, Videoschaffende, insert artist here) bereits heute so schlecht entlohnt und leben oft in solch prekären Verhältnissen, dass ein späteres wenn auch winziges Einkommen aus vorher geschaffenem zB als Altersabsicherung dient. Mag ja sein dass dir sowas egal sein kann. Mir ist es das nicht, und ich spreche Dir schlicht und ergreifend das Recht ab, an dieser Stelle für mich zu bestimmen, wann ich meine Rechte abzugeben habe.

    Foodfreak

    07 Feb 11 at 14:20

    Reply

  42. Warum trennt man nicht die "gewerblichen Nutzungsrechte" von den "generellen Nutzungsrechten"?

    Dann würde der Schöpfende an jeder Form von gewerblicher Nutzung beteiligt. Das Hauptproblem scheint doch die gewerbliche Nutzung zu sein - das Thema "dann wird kostenfrei kopiert" scheint ja nicht essentiell zu sein.

    Versucht doch mal produktiv aufeinander zuzugehen, anstelle euch stur Standpunkte über den Schädel zu schlagen? :-)

    reizzentrum

    07 Feb 11 at 14:36

    Reply

  43. Mehr als immer wieder zu betonen, dass es um die gewerblichen Nutzungsrechte geht, kann ich auch nicht. Und auch das könnte man besser machen, als es heute ist. Ich bin mit der Ist-Situation, die jedes Blog mit einem Werbebanner gleich zu einem kommerziellen Angebot macht, auch nicht glücklich.

    Es gäbe sehr viele Möglichkeiten die Situation für alle angenehmer zu gestalten. Mashups, Zitate, etc möglich zu machen, ohne Schmerzen oder juristische Risiken für nicht-kommerzielle und halb-kommerzielle Weiterverwerter nutzbar zu machen.

    Ohne hier kategorisch-diktatorisch den Produzenten in den Hintern zu treten und ihre Werke mit rotem Schleifchen den großen Verwertern zu übertragen.

    Mela Eckenfels

    07 Feb 11 at 14:42

    Reply

  44. Auch Regeln wie "Wenn Produzent X, 2 Jahre nachdem Werk Y aus dem Verkauf/Verleih etc. verschwunden ist, kann er erklären ob er das Werk noch weiter nutzen möchte. Wenn nicht fällt es an die Allgemeinheit." .. könnte ich mir vorstellen.
    Als Produzent von Kultur hat man schlicht auch eine gewisse Verantwortung der Gesellschaft gegenüber, das würde ich nie abstreiten. Nicht umsonst gibt es für Bücher Zwangsexemplare für die Landesbibliotheken.

    Oder die Möglichkeit bestimmte Rechte schon früher aufzugeben. (Nichts anderes macht ja CC-BY).

    Das Papier von Chemnitz beweist aber ein extremes Mißtrauen den Produzenten gegenüber, die als auf ihren Werken sitzend dargestellt werden und denen man deswegen zwangsweise aufoktroyieren muß, die Rechte so früh wie möglich abzugeben.

    Mela Eckenfels

    07 Feb 11 at 14:57

    Reply

  45. Demokratie bedeutet IMMER dass sich eine Minderheit anpassen muss. Die hohe Kunst der Politik ist, darauf zu achten dass alle Menschen irgendwie gleich Glücklich(absolut überwiegend) und Unglücklich(ganz wenig) mit der Arbeit der Politiker sind und die Entscheidungen eben auch verstehen ....

    Setzt euch an einen Tisch und arbeitet (nicht heute oder morgen, die absolute Mehrheit ist fern) ein alternatives Positionspapier aus. Das scheint mir der sinnvollste Weg zu sein aus dieser Situation heraus zu kommen.

    (Verdammt, ich bin der Nörgler und jetzt vermittel ich auf einmal .... Ist ein Arzt anwesend?)

    reizzentrum

    07 Feb 11 at 14:56

    Reply

  46. Da braucht es erst mal den Willen zu verstehen, warum Chemnitz möglicherweise eine Scheißidee war.

    Mela Eckenfels

    07 Feb 11 at 15:02

    Reply

  47. Man kann geistige Werke nicht mit materiellen Werken vergleichen. Wenn man ein Haus baut ist das eben etwas anderes als wenn man ein Buch schreibt. Das Haus kann nur exklusiv genutzt werden. Das Buch kann man beliebig vervielfältigen. Deshalb sollte man die Konzepte der materiellen Welt nicht auf die Kulturwelt übertragen.

    Und selbst in der materiellen Welt ist es so, dass die Gemeinschaft ein Interesse daran hat, dass Eigentum zum Vorteil aller eingesetzt wird. Wenn Gebäude lange leer stehen und nicht produktiv genutzt werden, bin ich auf der Seite der Hausbesetzer, die daraus einen Nutzen ziehen.

    Die Verantwortung eines Schöpfers von kulturellen Werken gegenüber der Gesellschaft besteht darin, dass er dieses Werk eben nach einer bestimmten Zeit frei gibt, weil dieses Werk eben irgendwann Teil der öffentlichen Kultur wird und damit auch öffentlich frei nutzbar sein muss.

    Der Schöpfer greift ja auch selbst auf diesen gemeinsamen Fundus zurück. Sehr schön illustriert durch diese Serie:

    http://vimeo.com/14912890
    http://vimeo.com/kirbyferguson/everything-is-a-remix-part-2

    Wer etwas aus dem gemeinsamen Topf der gemeinsamen öffentlichen Kultur nimmt, muss auch wieder etwas zurückgeben.

    "Ich möchte jedenfalls nicht 2011 einen Roman veröffentlichen und 2031 feststellen, dass 27th Century Wolf den verfilmt, ohne dass ich einen Cent sehe, während ich die letzten 20 Jahre mein Buch zu einem Erfolg gemacht habe und sie den Rahm abschöpfen..."

    Wenn das Buch zu einem Erfolg geworden ist, hast du doch schon ausreichend viel daran verdient, oder nicht? Und hast du denn nicht auch in deinem Buch sehr wahrscheinlich Dinge verwendet, die von anderen vor dir stammen?

    Zahlen alle Autoren von Fantasy-Büchern, in denen Orks und Elfen und epische Schlachten vorkommen, Tantiemen an die Familie von J. R. R. Tolkien? Sollten sie?

    "Warum trennt man nicht die gewerblichen Nutzungsrechte von den generellen Nutzungsrechten?"

    Genau das macht das Positionspapier doch. Für nicht-kommerzielle Nutzung gilt gar keine Schutzfrist. Für kommerzielle Nutzung eine Frist von 10 Jahren.

    So, und jetzt werde ich mich richtig unbeliebt machen:

    Ich kann natürlich nachvollziehen, dass ein Schöpfer sein Werk als besonders toll und besonders wichtig und wertvoll erachtet. Gerade aber in Anbetracht der Tatsache, dass sehr viele Menschen schöpferisch aktiv sind, kann eben nicht jeder Schöpfer einen großen Kundenkreis ansprechen. Und was der einzelne Konsument auszugeben bereit ist, ist in der Regel auch nicht so viel. Das liegt eben daran, dass das Werk für den Konsumenten eine andere Bedeutung hat als für den Schöpfer. Das ist so. Und das kann man auch nicht ändern.

    Es hilft also nichts, wenn Schöpfer jammern, dass man ihnen nicht genug Aufmerksamkeit, Bewunderung (und Geld!) schenkt.

    Die neuen technischen Möglichkeiten bieten eine Chance, ein größeres Zielpublikum zu erreichen und so mehr Nachfrage und damit Einnahmen zu erreichen. Die Kreativen sollten darauf hinarbeiten, dass diese Chance sinnvoll genutzt wird, statt weiterhin zu jammern, wie schlecht es ihnen geht.

    Dass ein großer Teil der Kreativen von ihrer kreativen Arbeit allein nicht leben kann, liegt nicht daran, dass sie ausgebeutet oder enteignet werden oder sowas, es liegt einfach daran, dass eben nur ein kleiner Teil der Werke so erfolgreich wird, dass damit ausreichend viele Einnahmen erzielt werden können.

    NineBerry

    07 Feb 11 at 15:08

    Reply

  48. Nineberry: Gebe mir genügend Kapital für Marketing und ich mache auch diesen, deinen Kommentar zu einem wirtschaftlichen Erfolg.

    Es ist nicht nur die Schöpfungshöhe des Künstler. Wäre dem so, fordere ich einen Literaturpreis für den Sarazin.

    reizzentrum

    07 Feb 11 at 15:14

    Reply

  49. Okay, Punkt immer noch nicht verstanden.

    Wieviel Geld ein Künstler mit seinem Werk erarbeitet, regelt der Markt. Punkt. Wenn nix bei rüberkommt ist das einfach mal so. Wenn ein Multimilionenfilm basierend auf einem Buch gedreht wird, hat der Künstler immer noch verdammt viel Anteil daran und es ist nur gerecht, dass er auch finanziell beteiligt wird. "Du hast schon genug bekommen." widerspricht jeder unternehmerischen Freizügigkeit.

    Intertextualität alleine macht noch kein rezipierbares Werk.

    Künstler generell als Überschussgut und austauschbar zu sehen, zeigt wohl sehr gut was ich mit Respektlosigkeit meine. Aber das ist wohl heute einfach so.

    Zwischen "Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan." und "Auch du hast eine Verpflichtung dich an der kulturellen Fortentwicklung unserer Gesellschaft zu beteiligen und deine Werke irgendwann in den Pool zurückzuführen." liegt ein kleiner, aber feiner Unterschied. Nämlich der, dass noch ein gewisses Maß an Freiwilligkeit möglich ist.

    Chemnitz -> Weg mit dir Mohr.

    Aber für mich ist hier OED.

    Mela Eckenfels

    07 Feb 11 at 15:23

    Reply

  50. NineBerry, du drehst dich im kreis.

    "Und was der einzelne Konsument auszugeben bereit ist, ist in der Regel auch nicht so viel. Das liegt eben daran, dass das Werk für den Konsumenten eine andere Bedeutung hat als für den Schöpfer. Das ist so. Und das kann man auch nicht ändern."

    Gut. Dann überlass es bitte auch weiterhin dem Kunden ob er bereit ist was zu bezahlen. Wenn nicht, mein Pech. Aber wenigstens muss ich nicht im Hinblick darauf arbeiten, dass meine Arbeit in 10 Jahren zwangsenteignet wird. (Wär ich nur Handwerker geworden statt mit dem Kopf zu arbeiten, dann würde ich offensichtlichw as von bleibendem Wert schaffen).

    Foodfreak

    07 Feb 11 at 15:26

    Reply

  51. Die Kommentar-Funktion hier ist ziemlich unübersichtlich. Man sieht leider nicht, welche Kommentare neu sind und so.

    Mela: "Dann gibt es ja schon heute Verleger, die sich darauf spezialisiert haben Bücher bei denen das Urheberrecht verfallen ist billig neu aufzulegen. Die Autoren sind lange tot und das ist toll. Denn es bewahrt das Wissen und man kann Bücher alter Autoren preiswert bekommen.

    Als real-lebender Autor, dem gerade die Monatsmiete vom Konto abgezogen wurde, fände ich das nur mässig witzig."

    Sorry. Aber das ist nun mal Realität. Ich habe jetzt 12 Jahre angestellt für einen Software-Hersteller gearbeitet und in dieser Zeit hunderttausende Zeilen Code geschrieben. Jetzt arbeite ich nicht mehr für dieses Unternehmen, mein Code ist aber natürlich immer noch Teil der Firma und wird weiter verkauft. Ich verdiene nichts mehr daran.

    Es ist eben Realität: Man kann nicht erwarten, für eine einmalige Leistung unendlich lange Geld zu verdienen.

    Wenn du auch nach 10 Jahren noch Geld verdienen musst, dann aktualisiere das Werk. Bringe eine neue, aktualisierte Fassung heraus. Oder schreibe ein Sequel.

    mela "Auch hier werden Autoren - wenn möglich - gerne übergangen. So dem Autoren von The last Unicorn Peter Beagle geschehen. Das der Film kein kommerzieller Erfolg gewesen wäre, und man es sich nicht hätte leisten können dem Autoren etwas vom Kuchen abzugeben, behauptet hier sicher niemand."

    Laut Wikipedia gibt es bei dem Streit darum, dass das Geld nicht ausgezahlt wurde, er aber die vertraglichen Rechte gehabt hätte. Übrigens nicht nur als Autor des Romans, sondern als Drehbuchschreiber.

    "Verfilmungen und TV-Adaptionen entstehen oft erst nach der magischen 10 Jahres-Grenze. Zwischen Philip Pullmans Golden Compass und der gleichnamigen Verfilmung liegen glaube ich 12 oder 13 Jahre."

    Bei Verfilmungen wird der Originalautor meistens mit ins Boot geholt, für den Drehbuch, Beratung, usw. Es ist ja auch eine Werbung für den Film, wenn man sagen kann, dass der Originalautor mitgearbeitet hat.

    An einem (großen) Film sind tausende Mitarbeiter beteiligt. Schauspieler, Technik, Ausstattung, Bühnenbau, Trick, Regie, Casting, usw... Letztlich sind diese Leute es, die den Film produzieren.

    reizzentrum "Nineberry: Gebe mir genügend Kapital für Marketing und ich mache auch diesen, deinen Kommentar zu einem wirtschaftlichen Erfolg.

    Es ist nicht nur die Schöpfungshöhe des Künstler. Wäre dem so, fordere ich einen Literaturpreis für den Sarazin."

    Ich habe doch gar nicht von Schöpfungshöhe gesprochen. Aber so funktioniert der Markt eben nun mal. Der richtet sich eben nicht danach, was die Kreativen als qualitativ oder nicht betrachten. Der Markt richtet sich nach Moden, dem Massengeschmack und natürlich auch Marketing-Hype.

    Das KANN MAN aber nicht ändern. Oder willst du die Konsumenten dazu zwingen, nur die (deiner Meinung nach) wertvollen Sachen zu konsumieren?

    NineBerry

    07 Feb 11 at 15:32

    Reply

  52. "Sorry. Aber das ist nun mal Realität. Ich habe jetzt 12 Jahre angestellt für einen Software-Hersteller gearbeitet und in dieser Zeit hunderttausende Zeilen Code geschrieben. Jetzt arbeite ich nicht mehr für dieses Unternehmen, mein Code ist aber natürlich immer noch Teil der Firma und wird weiter verkauft. Ich verdiene nichts mehr daran.

    Es ist eben Realität: Man kann nicht erwarten, für eine einmalige Leistung unendlich lange Geld zu verdienen."


    Der Vergleich hinkt wirklich auf allen Füßen. Du bist angestellter Programmierer gewesen, mit einem regelmässigen Gehalt und sozialer Absicherung. Ich bin Freiberuflerin mit unternehmemrischem Risiko und ohne jede Absicherung. Ein Freiberufler muss IMMER so kalkulieren, dass am Ende Rente bei herausspringt.

    Man kann nicht aus der Sicht eines Angestellten die Regeln für einen Berufsstand mit komplett anderen Naturgesetzen entwerfen.

    Bei AUftragsarbeiten gebe ich einen Teil der/alle Rechte IMMER ab.Dafür erhalte ich aber auch umgehend eine vorher abgesprochene Entlohnung.

    Wenn das Einkommen aber komplett dem Willen des MArktes, der Mode und dem Marketing unterworfen ist, ist jede autoritäre Beschneidung der Vermarktungsmöglichkeiten - und das ist eine Zwangsteilung IMMER - schädlich, unsozial und noch vieles mehr.



    "Bei Verfilmungen wird der Originalautor meistens mit ins Boot geholt, für den Drehbuch, Beratung, usw. Es ist ja auch eine Werbung für den Film, wenn man sagen kann, dass der Originalautor mitgearbeitet hat."

    Hinkt auch. Oft genug möchten die Filmemacher lediglich den Namen des Buchs und des Autors nutzen, aber in ihren Kreisen nicht gestört werden. Für Filme ist jede Presse gute Presse. Es hat auch "Interview with a Vampire" nicht geschadet, dass Ann Rice ihren Segen zurückgezogen hatte.

    Zu Bildungszwecken empfehle ich "Running Man" von Stephen King zu lesen und danach den gleichnamigen Film mit Schwarzenegger zu sehen.

    "An einem (großen) Film sind tausende Mitarbeiter beteiligt. Schauspieler, Technik, Ausstattung, Bühnenbau, Trick, Regie, Casting, usw... Letztlich sind diese Leute es, die den Film produzieren."

    Hat niemand bestritten. Deswegen werden die im Allgemeinen auch bezahlt.

    Jetzt aber EOD

    Mela Eckenfels

    07 Feb 11 at 15:48

    Reply

  53. Ich möchte darum bitten, das Wort "Enteignung" nicht zu verwenden. Es passt nämlich überhaupt nicht.

    Es geht wiederum vom Konzept "Eigentum" aus, das auf immaterielle Werte nicht angewendet werden sollte.

    Wenn man jemanden enteignet, dann nimmt man ihm etwas weg, so dass er danach nicht mehr damit arbeiten kann. Das Positionspapier verbietet dir nicht, nach 10 Jahren weiterhin mit deinem Werk Geld zu verdienen. Es erlaubt nur anderen, das ab diesem Zeitpunkt auch zu tun.

    NineBerry

    07 Feb 11 at 15:41

    Reply

  54. @Nineberry: Dass Du für eine Firma gecodet hast hat NICHTS mit freiberuflichem Coden zu tun. Mit der Auftragsarbeit hast Du alle Rechte abgetreten. Wenn es dir stinkt: Mach dich selbstständig.

    Und man kann den Massengeschmack. Ein ganzer Wirtschaftszweig lebt davon die Bedürfnisse der Menschen zu steuern: Marketing. Was wertvoll ist, wage ich nicht zu definieren. Aber ich weiss (subjektiv) wie viel Scheisse heute konsumiert wird, nur weil die Werbung sagt "Toll".

    Mit dem - auf eigene Standpunkte - fixiertem Ausblenden von Tatsachen (und Beeinflussung ist eine Tatsache) erreichen wir hier nix und kommen nicht weiter.

    Ich habe das gefühl, dass Du eine gemachte Entscheidung mit "Händen und Füssen" versuchst zu verteidigen ohne selbst die Möglichkeit zu haben zu sagen "Hmmm, vielleicht geht das auch noch besser". Warum bist Du so unflexibel (scheint mir zumindest)?

    reizzentrum

    07 Feb 11 at 15:44

    Reply

  55. Mela "Der Vergleich hinkt wirklich auf allen Füßen. Du bist angestellter Programmierer gewesen, mit einem regelmässigen Gehalt und sozialer Absicherung. Ich bin Freiberuflerin mit unternehmemrischem Risiko und ohne jede Absicherung. Ein Freiberufler muss IMMER so kalkulieren, dass am Ende Rente bei herausspringt."

    Ein Freiberufler tut das üblicherweise dadurch, dass er eben möglichst permanent Leistung erbringt. Schon klar, dass das im kreativen Bereich nicht so einfach geht, da es lange Zeit des Schaffens und Vermarktens gibt. Die 10 Jahre sind da aber eigentlich großzügig genug bemessen.

    Zur Not kann man Finanzierungslücken füllen, indem man Auftragsarbeit einflechtet.

    Daneben haben aber zunehmend viele Freiberufler das Problem der sozialen Absicherung, in vielen Branchen. Das Problem muss man generell lösen, nicht nur für einen Stand.

    Mela "Running Man"
    King hat die Geschichte von Sheckleys "The 10th Victim" geklaut ;-) Wer sollte da denn jetzt die Tantiemen bekommen? King? Sheckley? Oder ein bisher unbekannter Autor, von dem Sheckley bestimmt inspiriert war? ;-)

    reizzentrum "Ich habe das gefühl, dass Du eine gemachte Entscheidung mit "Händen und Füssen" versuchst zu verteidigen ohne selbst die Möglichkeit zu haben zu sagen "Hmmm, vielleicht geht das auch noch besser". Warum bist Du so unflexibel (scheint mir zumindest)?"

    Ich bin nicht unflexibel. Ich hab ja schon gesagt, ich könnte mir auch 20 Jahre vorstellen.

    NineBerry

    07 Feb 11 at 16:10

    Reply

  56. Ich hab mir das mal durchgelesen und ich geb gleich zu das ich Laie bin, hab also nur bedingt Ahnung, möchte aber hier vielleicht doch nen paar Vorschläge machen.
    Bitte verzeiht es mir, dass ich evtl. bestimmte Begriffe falsch verwende.

    Man sollte erstmal grundsätzlich zwischen Büchern/Texten, Musik und Film unterscheiden. Da jedes medium unterschiedliche "Lebensdauer" hat.
    Deswegen sollte man da auch unterschiedliche Zeitrahmen festlegen.

    Bei Musik, sind 10 Jahre vollkommen ausreichend, finde ich. Songs sind eben schneller produziert als Bücher oder Filme, dazu ist die Fluktuation sehr groß.

    Bei Filmen sollte das schon etwas länger dauern, da diese meist doch sehr viel mehr aufwand erfordern. Hier würde ich persönlich evtl. so 15 Jahre veranschlagen.

    Bei Büchern würde ich das schon länger ausdehnen bzw. weiter unterscheiden. Da Autoren meist Alleine oder zu zweit schreiben, haben diese auch ein wesentlich höheres finanzielles Risiko, als jetzt Filme, die evtl. eine annähernd vergleichbare Entwicklungszeit benötigen. Dazu kommt das Bücher langlebiger sind als Filme oder Musik.
    Da würde ich dann sagen 20 Jahre, aber ohne einen kompletten Abtritt,dann sollte er es für nicht-kommerzielle Verwendungen freigegeben werden( wenn der verwender selbst keinerlei Geld damit verdient muss er auch kein Geld an Urheber zahlen),nach 30 Jahren verlust des Urheberrechts, aber nur am gedruckten Buch, so dass der Autor bei Buchverfilmungen etc. immer mit dran verdient. Erst nach 60 Jahren nach Erstveröffentlichung erlöschen jegliche Rechte.

    Das zumindest mal ne Idee in Sachen Laufzeit.

    Gruß

    Boku

    07 Feb 11 at 16:41

    Reply

  57. Als (zugegebenermassen eher im Bereich der Liebhaberei taetiger) Fotograf & "Autor" stelle ich mir bei Aussagen wie

    > Das Positionspapier verbietet dir nicht, nach 10
    > Jahren weiterhin mit deinem Werk Geld zu verdienen.
    > Es erlaubt nur anderen, das ab diesem Zeitpunkt
    > auch zu tun

    und

    > Wenn du auch nach 10 Jahren noch Geld verdienen
    > musst, dann aktualisiere das Werk.

    dann doch eine einzige Frage: Wenn ich die Unverschaemtheit besitze, nach 10 Jahren weiterhin exklusiv mit meinem Werk Geld verdienen zu wollen und mein Werk einfach Aktualisiere, um es wieder exklusiv zu halten... Wer haelt denn dann z.B. einen Verlag davon ab, aus meinem Bildband z.B. die Texte zu aendern oder einige der Fotos zu ersetzen? Und was hindert die Jungs dann daran, mir ans Bein zu pissen, wenn ich mein urspruengliches Werk weiterverkaufen moechte? Schliesslich verbreite ich mein nicht mehr geschuetztes Werk und verwende dafuer Material aus deren nun geschuetzten Version?

    Hab ich da was uebersehen?

    Kante

    07 Feb 11 at 17:16

    Reply

  58. Ich find's schade, dass man sich hier offenbar wiederholen muss, um sich Gehör zu verschaffen.

    Schutzfrist so lassen und ALLES was das Gesellschaftsherz begehrt - Legalisierung von Filesharing, Remixen, gebührenfreies Abspielen auf öffentlichen Veranstaltungen, und und und - über eine Ausweitung der Schranken des Urheberrechts ermöglichen.

    Bezahlung, trotz des Umstandes, dass hiernach Urhebergut wie Freigut kostenlos überall und immer unerschöpflich verfügbar ist ? JA, Unbedingt ! Und KEIN PROBLEM !
    - flattr.com
    - sellyourrights.com
    - connect with community + reason to buy // http://www.youtube.com/watch?v=Njuo1puB1lg

    Dieser Gesichtspunkt der Diskussion ist politisch zum Glück schon längst so weit abgeschlossen, dass man weiterziehen kann.

    Und "Geistiges Eigentum" gibt es nicht !
    Wie kann etwas als Eigentum einer Person verbucht werden, dass nur eine Ableitung dessen ist, was uns allen gehört, der kulturellen
    Allmende ?
    In Reflexion zu diesem entscheidenden qualitativen Unterschied zu Sacheigentum haben wir doch erst eine Rechtssprechung in Form unseres Urheberrechts, die der Allgemeinheit Rechte an Urhebergut einräumt. Wer von "Geistigem Eigentum" spricht, stellt der Allgemeinheit diese Rechte in Abrede, die unstreichbar fester Bestandteil unseres Urheberrechts sind, bzw. hat keine Ahnung, wovon er spricht.
    Sinn des Sacheigentums ist es, dem Eigentümer die alleinige Herrschaft über die ihm gehörende Sache zu geben, damit er andere von der Benutzung ausschließen kann. Urhebergut ist dagegen seinem Wesen nach Mitteilungsgut. Ein Geisteswerk soll gerade - jedenfalls von dem Augenblick an, in dem der Urheber es veröffentlicht hat - in seinem Gedanken- oder Gefühlsinhalt möglichst vielen anderen Menschen zugänglich gemacht werden. Im Gegensatz zum Sacheigentum ist das Urheberrecht also letztlich nicht dazu bestimmt, andere von der Benutzung des Werkes auszuschließen. Es soll vielmehr in erster Linie dem Urheber die rechtliche Grundlage dafür geben, Art und Umfang der Benutzung seines Werkes zu überwachen und aus dessen Verwertung Einnahmen zu erzielen. Es soll also nur die MÖGLICHKEIT bieten, mit seinen Geisteswerken Einnahmen zu erzielen.

    Slash

    07 Feb 11 at 17:16

    Reply

  59. Gerade beim "freiberuflichen Coden", wie ich es als Entwickler Freier Software praktiziere, gibt es ja auch die beiden Lager. Die einen sagen, "Freiheit" schließt auch die kommerzielle Verwertung durch Firmen ein. Die verwenden dann die BSD-Lizenz oder eine ihrer Derivate, verzichten mithin praktisch auf jegliche weiteren Ansprüche. Jeder kann ihren Code nehmen, anpassen, und für sich verwenden, ohne daß jemand anderes etwas davon hat.

    Die anderen stellen ihre Arbeit gerne der Allgemeinheit zur Verfügung, und sehen es als Vorteil für alle, wenn der Code zur Verfügung steht und weiterentwickelt werden kann. Jedoch unter der Prämisse, daß eben auch diese Weiterentwicklungen der Allgemeinheit zu gleichen Konditionen zur Verfügung gestellt werden. Solche Entwickler würden es nicht gerne sehen, wenn $FIRMA ihren Code nimmt, an ihre Bedürfnisse anpaßt, und dann kommerziell verwertet, ohne an die Community zurückzugeben. Solche Entwickler verwenden dann die GPL.

    Ich rechne mich da ganz klar dem zweiten Lager zu, weil ich durchaus sehr gerne bereit bin, meine Kreativität und Zeit der Community zur Verfügung zu stellen, wenn ich weiß, daß diese Investition auch in der Community bleibt. Meinen Code unter der BSD-Lizenz zu veröffentlichen, käme nicht in Frage für mich.

    Natürlich kann man nun argumentieren, die GPL sei "unfreier" als BSD, weil sie die Verbreitung des Codes gewissen Regeln unterwirft. Dennoch sind, IMVHO, gerade diese Restriktionen notwendig, um den Nutzen für die Allgemeinheit (und somit auch indirekt für den Autor) zu maximieren.

    Übertragen auf andere Medien könnte ich mich zum Beispiel damit anfreunden, daß ein Filmproduzent durchaus eine Buchvorlage verwenden darf, dann jedoch auch das Ergebnis frei zur Verfügung stellen muss (und selbstverständlich der Autor genannt werden muss). Wenn 30th Century Fox aus Melas Buch einen tollen Film macht, und den dann kostenlos auf ihrer Website zum Download bereitstellt, mit einem Verweis auf das zugrundeliegende Buch, fände ich das glaube ich fair. Alternativ könnten sie Geld an Mela zahlen, daß sie ihnen das Werk unter einer kommerziellen Lizenz überläßt - genau wie das auch bei der GPL gemacht werden kann.

    Im Übrigen sollten sich die Piraten, die so gerne die Abschaffung der Urheberrechts und der Verwertungsrechte fordern, mal Gedanken darüber machen, was das für die Freie Software bedeuten würde. Eventuell kennen sie sich in dem Bereich eher aus als im Verlagswesen (so geht es zumindest mir). Und gerade die Welt der Freien Software benötigt ein starkes Urheberrecht, möchte man sie nicht zerstören. Und die Möglichkeit, eine Verbreitung ohne RoI zu verhindern. Andernfalls werden sich die großen Softwarehäuser freudig die Hände reiben über all den schönen Code, den sie ganz ohne Restriktionen in ihre bunten Boxen packen können, und die Autoren werden sich zweimal überlegen, ob sie dafür ihre Freizeit opfern wollen.

    Noch ein Letztes: Die GPL und die anderen freien Lizenzen regeln nicht die Nutzung des Produktes - jeder darf mit dem Code auf seinem Rechner machen, was er möchte. Sie regeln die Weitergabe veränderter und abgeleiteter Versionen.

    Sputnick

    07 Feb 11 at 17:41

    Reply

  60. Mela schrieb: "Zwischen "Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan." und "Auch du hast eine Verpflichtung dich an der kulturellen Fortentwicklung unserer Gesellschaft zu beteiligen und deine Werke irgendwann in den Pool zurückzuführen." liegt ein kleiner, aber feiner Unterschied. Nämlich der, dass noch ein gewisses Maß an Freiwilligkeit möglich ist.

    Chemnitz -> Weg mit dir Mohr."

    Muss man in dieser ohnehin schon so verfahrenen Diskussion nun auch noch rassistische Rollenbilder bemühen ?

    Slash

    07 Feb 11 at 17:50

    Reply

  61. Wie wäre es, wenn vor dem Zücken der Godwin-Keule erst einmal das Deutschbuch gezückt würde?

    "Der Mohr hat seine Arbeit getan, der Mohr kann gehen" ist ein Zitat aus Schillers "Der Mohr von Tunis".

    Also nix da mit Rassismus. #Fail, setzen sechs.

    Laird_Dave

    09 Feb 11 at 21:16

    Reply

  62. So wie im Artikel beschrieben, wird sich das bestimmt nicht abspielen. Was würde passieren, wenn ein Verlag genau dieses Szenario versuchen würde und Erfolg hätte, kämen andere und würden das Buch einfach nachdrucken. Da alle Rechte abgelaufen sind, wäre der Nachdruck ja legal. Die Nachdrucker brauchen nicht mehr viel Geld in die Werbung zu stecken und können daher den Erstveröffentlicher unterbieten. Ein Verlag, der so vorgeht würde durch die Nachdrucker wahrscheinlich viel mehr Einnahmen verlieren, als er dem Autor hätte zahlen müssen, wenn man nicht bis zum Ablauf der Rechte gewartet hätte. Daher ist das wohl kein lohnendes Geschäftsmodell für Verlage.

    Denkbar wäre etwas anderes: Der Verlag lässt nicht den Originaltext lektorieren und veröffentlichen, sondern er gibt ihm einem anderen Schriftsteller und dieser modernisiert ihn und schreibt ein Plagiat. Das Plagiat wäre nun als eigenständiges Werk 10 Jahre geschützt, man könnte gegen Nachdrucke vorgehen. Aber man kann dann nicht gegen weitere Plagiate vorgehen, da sich nun jeder darauf berufen kann, dass er ein Plagiat auf den ungeschützten Originaltext geschrieben hat. Und dem Autor des ersten Plagiats steht nun auch ein Honorar zu, so dass der Vorteil des wegfallenden Autorenhonorars für den Verlag entfällt. Also auch kein lohnendes Geschäftsmodell.

    Stefan

    07 Feb 11 at 18:27

    Reply

  63. Jain. Das wäre eine Auftragsarbeit und vom Arbeitsumfang natürlich deutlich geringer als ein originäres Werk. Sowas macht ein Ghostwriter und die arbeiten normalerweise auf Honorar- und nicht auf Beteiligungsbasis.

    Hat das Buch wirklich das Potenzial um bei entsprechendem Marketing ein Bestseller zu werden, wäre der Verlagskuchen weitaus größer als wenn immer noch ein Anteil an den Autor abgeführt werden muss.

    Wobei die meisten Bücher im Selbstverlag durch einen guten Lektor alleine schon an Lese-Wert gewinnen. Hier die richtige Streichung, dort ein paar Wirrungen etwas gradegezogen ... einmal die Sprache gut durchgebürstet.

    Aber ich bin weiterhin der Ansicht, dass mein Entwurf so undenkbar nicht ist. Es muß nur ein Verlag der Erste sein und die Regale mit preiswertesten Taschenbüchern fluten.

    Mela Eckenfels

    07 Feb 11 at 18:35

    Reply

  64. Die (falschen) Argumente in dem Artikel sind so alt wie die Piratenpartei.

    Wir haben uns gegründet, um endlich die Chancen der Digitalisierung zu fördern statt zu bekämpfen. Um Kopierbarkeit endlich als positiven Wert zu besetzen und uns nicht länger von der Content-Industrie mit dem irren Gefasel vom "geistigen Eigentum" einlullen zu lassen.

    Das ist nichts Neues und hat nichts mit Chemnitz zu tun. Wir sind Piraten! Arrrrrrrrrrrr!

    Kultur verbreiten!
    Wissen befreien!
    Urheberrecht reformieren!

    Pirat Martin

    08 Feb 11 at 00:36

    Reply

  65. Und noch was so bitter es klingen mag: Wenn wir uns wegen Einzelschicksalen die Chancen der digitalen Revolution zerreden lassen, machen wir etwas verkehrt.

    Ja, es wird bestimmten Gruppen weh tun.
    Ja, es werden bestimmte Geschäftsmodelle wegfallen.

    Ja! Das nehmen wir in Kauf. Es gibt auf dem Weg in die freie, demokratische Wissensgesellschaft einfach höhere Ziele.

    Martin

    08 Feb 11 at 00:43

    Reply

  66. Eine durchaus interessante Diskussion, allerdings würde mich jetzt mal interessieren, wer von den Befürwortern selbst schon einmal ein Buch geschrieben, vermarktet und vertrieben hat? Ich habe nämlich das dumme Gefühl, dass die Befürworter dieser Regelung durch die Bank aus der Reihe der Konsumenten, nicht aber der kreativen Produzenten kommen.
    Viele Autoren sind im Alter auf die Tantiemen für ihre Werke angewiesen, denn gerade die Schriftstellerei ist eine Kunst, die nur wenige wohlhabend oder reich macht. Nehmt ihr den Autoren nach 10 Jahren die Rechte an ihrem Werk, nehmt ihr vielen dieser Menschen die Grundlage der Altersversorgung.
    Für was soll diese Regelung eigentlich einstehen? Für "freies Wissen für alle"? Da werden euch die Unterhaltungsautoren aber schön in die Suppe spucken und das mit Recht, denn Unterhaltung ist kein Wissen und ein Grundrecht auf Unterhaltung existiert auch nicht.
    Entwerft meinetwegen eine Regelung, welche die Rechte nach dem Tod des Autors und seines Lebenspartners freigibt, aber nehmt den Autoren nicht die Altersversorgung. Das ist kurzsichtig ohne Ende, denn zahlreiche Schriftsteller und angehende Autoren würden sich zukünftig dreimal überlegen, ob sie wirklich noch schreiben sollten. Mit der Vielfalt ist dann jedenfalls Schluss.

    Einer der erfolgreichsten deutschen Schriftsteller im Unterhaltungsbereich ist Wolfgang Hohlbein. Seine Bücher wurden 35 Millionen mal verkauft, zum Stückpreis von 9,90€ (Taschenbuch, Drittauflage) bis 39,90€ (Festeinband, Erstauflage). Fragt ihn mal, ob er pro Buch einen Euro bekommen hat und er wird euch mit "Schön wärs" antworten.
    Wir sind nicht in den USA mit den Mega-Auflagen und unsere Unterhaltungs-Autoren sind auch nicht die Musikindustrie mit ihrer riesigen Marketingmaschine. Unsere Berufsschriftsteller leben von der Langfristigkeit ihrer Rechte.

    Ein weiteres Argument dagegen:
    Schaut mal in die Auslagen der Buchläden. Der größte Teil der Bestseller im Unterhaltungsbereich kommt nicht aus Deutschland. Dementsprechend würde sie diese Regelung nicht betreffen und wenn es sie betreffen würde, würden sie nicht mehr in Deutschland veröffentlichen. Das heißt, diese Regelung greift nur bei deutschen Autoren, bzw. bei Autoren, die in Deutschland veröffentlichen. Wollt ihr "ins eigene Nest scheißen" und die deutschen Unterhaltungsliteraten ins Ausland treiben?

    Piraten werden mir echt immer suspekter...

    Farlion

    08 Feb 11 at 00:44

    Reply

  67. Diese Idee kann nur von Menschen kommen, die noch ernsthaft geschrieben, komponiert etc. haben.
    Es geht nichtmal "nur" um die Kommerzialisierung, sondern generell um die Einflussmöglichkeiten auf die Nutzung. Vor 10 Jahren wurde eine Kurzgeschickte von mir veröffentlicht. Nach den Vorstellungen der 10-Jahres-Vefechter ist das Urheberrecht an der Geschichte spätestens jetzt hinfällig. Ich bin wäre zwar noch Urheber, könnte mich aber nicht mehr dagegen wehren, dass die Geschichten von irgendwem in irgendeinem Zusammenhang mit irgendwelchen Verfälschungen publiziert wird.
    Oder was, wenn ich meine Einstellung zu meine älteren Werken geändert habe? Oder ich einen Song geschrieben habe, der nach 10 Jahren von einer Naziband mit leicht verändertem Text als Schlachthymne eingespielt wird?
    Bei EDV-Büchern mag das hinhauen, die sind nach 10 Jahren meistens eh hinfällig. Bei Belletristik, Musik, halt allem Künstlerischen ist das anders.
    Man kann sich drüber unterhalten, ob das Urheberrecht wirklich 70 Jahre nach dem Tode des Urhebers "gelten" soll - das hieße, dass fast drei Generationen nach dem Ableben eines Autors an seinen Büchern verdienen können. Ich halte da auch irgendwas zwischen 10 und 25 Jahren an Nachwirkung für realistisch. Aber das die praktischen Auswirkungen des Urheberrechts zu Lebzeiten des Urhebers enden zu lassen ist Humburg.

    VolkerK

    08 Feb 11 at 08:01

    Reply

  68. Ich habe das Positionspapier nicht gelesen.
    Ich habe keine Ahnung von Verlagen.

    Aber wieso sollte ein Verlag ein Werk, dass sich 10 Jahre lang als Flop herausgestellt hat nehmen und versuchen es durchzupeitschen? Und macht er das mit allen Flops und warum?

    Ich denke dieses Szenario ist ziemlich unrealistisch.

    Maex

    08 Feb 11 at 13:02

    Reply

  69. Ein Verlag hat GANZ andere finanzielle Mittel. Es ist in der Vergangenheit mehr als einmal passiert, dass nur mit der Macht des Marketings aus einem potentiellen Produkt ein erfolgreiches Produkt wurde.

    reizzentrum

    08 Feb 11 at 13:10

    Reply

  70. Mit einer Position wie "geistiges Eigentum gibt es nicht" ist die Piratenpartei für jeden künstlerisch oder auch nur geistig Schaffenden unwählbar. Danke für diese Klarstellung.

    Foodfreak

    08 Feb 11 at 13:18

    Reply

  71. Eine Kreative bei den Kulturkleptomanen. Beißt sich das nicht ein bischen? ;-)

    Im Ernst: der Umgang der Pratenpartei war schon immer eine Unverschämtheit gegenüber den Kreativen. Sowas kann man nicht ernstnehmen. Ein wenig erinnert mich der Verein an die Kiffer, die da "Legalize it" brüllen, weil sie schon immer gekifft haben und dafür nicht kriminalisiert werden wollen. Genau das ist das Denkmuster der Piraten: "wir haben uns schon immer an der Kultur bedient, und nun wollen wir dafür nicht länger kriminalisiert werden".

    Ich denke, das ist die ganz banale Motivation aus niederen Beweggründen hinter dieser Piraten-Denke.
    Zumindest im Musikerbereich kann ich nur einen gravierenden fehlenden Sachverstand feststellen (wenn ich gut gelaunt bin).

    Begrifflichkeiten werden durcheinandergeworfen, die GEMA mit VG Musikedition "verwechselt" (ich unterstelle da Absicht), auf die GEMA wird sich mit Propaganda eingeschossen (ist ja auch einfacher, wenn man nur einen Gegener hat), Kindergartenkinder ins Spiel gebracht, da die sich für blinden Aktionismus prima mißbrauchen lassen, geistiges Eigentum wird für nichtexistent erklärt usw.

    Offenbar hat sich in diesem Verein noch niemand für die Strukturen des Urheberrechts und dem Schaffensprozeß interessiert.

    Mit Bücherschreiben habe ich mich bisher wenig auseinandergesetzt - aber offenbar sieht die Situation genauso aus, wie bei den Musikern.

    Das ein größerer Wandel stattfindet, läßt sich nicht werneinen. Dieser Wandel hat Vor und Nachteile für die Kreativen. Aber ein Punkt sollte sich nicht ändern: die Schöpfer eines Werkes müssen dauerhaft entlohnt werden und nicht nur 10 Jahre.
    Alles andere ist beleidigend.

    Ob das Urheberrecht 70 Jahre über den Tod des Künstlers hinaus gelten muß, darüber kann man diskutieren. Es wäre allerdings auch mal interessant zu wissen, wie manche Leute darauf reagieren, wenn das Erbe nach 70 Jahren Allgemeingut werden würde (ich denke da z.B. an das von den Eltern gebaute Haus ;-) )

    Broken Spirits

    08 Feb 11 at 14:06

    Reply

  72. Die These, dass aus der mit Kosten und Anstrengung und der individuellen Persönlichkeit des Schaffenden verbundene Erstellung eines nicht-physischen Werks eine Schuld gegenüber der Gesellschaft abgeleitet wird, empfinde ich immer wieder als abenteuerlich.

    Die Kreativen stehlen nicht, sondern erweitern das Potential - auch mit bestehendem Urheberrecht (dessen aktuelle Wildwüchse durch Fair Use gebändigt werden können - gerade wenn es um nichtkommerzielle Remixes geht).

    Ich frage mich auch, warum die Allmende-Verweise genau dann so gern herangezogen werden, wenn es um erfolgreich vermarktete Werke geht, während es gleichzeitig selbst die Piraten nicht schaffen, z.B. einen Radiosender ausschließlich mit hochqualitativer, attraktiver freier Musik zu betreiben.

    Statt Kreative zu bevormunden, wäre es wichtiger, ihre Freiheit und Arbeitsmöglichkeiten zu stärken und zu erweitern und dafür zu sorgen, dass attraktive Plattformen, Märkte und Qualitätsfilter jenseits der etablierten Kommerzsysteme ausgebaut werden.

    Es ist auch auffällig, dass bei der Einkommensdiskussion ein Hausverkauf (bitte mal Hauspreise nachschlagen - und nicht in östlichen Dörfern) mit einem E-Book-Verkauf verglichen wird. Schon ein Blick auf die unterschiedliche Auftrags- und Abnehmerkonstellation könnte ein Hinweis sein, dass der Vergleich problematisch ist.

    "Eigentum verpflichtet" - insofern halte ich den Begriff des "geistigen Eigentums" nicht für ein grundsätzliches Problem. Wenn aber Eigentum hier gegen Gesellschaftsinteressen ausgespielt werden soll: Warum sind Autos, Fahrräder, Wohnungen etc. nicht der Allgemeinheit zu überlassen? Warum muss ein Schreiner, der einen Schrank nicht zur Eigennutzung baut, diesen nicht nach spätestens 10 Jahren verschenken?

    Ich habe den Eindruck, dass wir zu diesem Thema noch viele Gespräche brauchen.

    Cae

    08 Feb 11 at 15:21

    Reply

  73. Ich finde es ja ganz schön dreist, wenn man ein Buch schreibt, ja auch wenn man Jahre daran schreibt, und dann will, dass man bis zu seinem Lebensende Geld damit verdienen kann. Sag das mal einem Tischler, der jedes seiner Produkte nur einmal verkaufen kann.

    Robbysae

    08 Feb 11 at 21:02

    Reply

  74. Ja, und in wie vielen Häusern steht der Tisch?

    Der Schriftsteller ist kein Tischler, er ist der Designer - der Tischler baut dann nach dem Muster, dass seine Kunden sich am liebsten ins Zimmer stellen. Der Drucker, der ist der Tischler und druckt tausende von Büchern.

    Reizzentrum

    08 Feb 11 at 21:09

    Reply

  75. @Reizzentrum
    Ach wenn man es entwirft soll man bis zum Lebensende dafür entlohnt werden, aber wenn man es "nur" baut nicht? Welche Arbeit verrichtet ein Designer, die es nötig macht, ihn so lange dafür zu bezahlen? Reichen 10 Jahre nicht? Immerhin macht er nur einmal was, der Tischler muss immer weiterarbeiten. Und jetzt komm nicht damit, dass der Designer auch immer neue Designs entwickelt. Die lässt er sich dann wieder bis an sein Lebensende bezahlen.

    Robbysae

    08 Feb 11 at 21:51

    Reply

  76. Wer zwingt den Tischler eben DIESEN Tisch zu bauen? Wenn der Tischler DIESEN und keine anderen Tisch bauen und vor allem verkaufen will und kann - ja warum denn nicht.

    Wer zwinngt den Tischler denn? Niemand! Und warum baut besteht er denn dann ausgerechnet dieses Muster zu bauen?

    Ich habe nie künstlerisch gearbeitet - zumindest nicht kommerziell - mir geht der diesbezügliche Ertrag am Arsch vorbei. Wenn aber die Rechte von Tätigen gänzlich ignoriert werden sollen und man nichtmal bereit ist über ein FAIRES Modell nachzudenken, dann geht mir dass gehörig auf den Keks.

    Reizzentrum

    08 Feb 11 at 22:09

    Reply

  77. Wer ihn zwingt den Tisch zu bauen? Sein leerer Geldbeutel.

    Wer ihn zwingt genau DIESEN Tisch zu bauen? Niemand, er kann jeden Tisch bauen, den er will, es wird nichts ändern. Oder verstehe ich die Frage falsch?

    Was zwingt einen Künstler etwas genau so zu machen wie er es macht?

    Robbysae

    08 Feb 11 at 22:16

    Reply

  78. Ganz einfach (wieder auf die Musik bezogen) der Preis für eine MP3 (aktuell 99 Cent) deckt nicht mal ansatzweise die Produktionskosten.
    Diese Produktionskosten hören nicht bei der nun fehlenden CD-Pressung auf. Die Produktionskosten fangen weit vorher an - beim Kauf des Equipments, der Instandhaltung des Equipments, der Miete für die Räumlichkeiten, in denen die Songs geschrieben werden, das Tonstudio etc.

    Wie es bei Büchern aussieht, fragst Du am besten die Blogautorin hier - wenn ich im Artikel aber zwischen den Zeilen lese, dann dürften die anfallenden Kosten für die Produktion auch einiges teurer sein (Stichwort Recherche), als die 19,95 Euro, die ein Taschenbuch im Laden kostet (und da muß man wirklich noch die Druckkosten abziehen)

    Die derzeitigen Preise für Kulturgüter können nur über die Masse so niedrig sein - und dazu braucht man eben auch massig Zeit, um die Produktionskosten wieder einzuspielen. Manchmal eben auch ein Leben lang, wenn es Nischenprodukte sind. Der Begriff Longseller wurde ja oben in den Kommentaren erklärt ;-)

    Broken Spirits

    08 Feb 11 at 21:25

    Reply

  79. @Broken: hast du belege für die Aussage? wenn eine Musik-CD 15Eur kostet bei 15 Musikstücken, das entspricht das genau einem Liedpreis von 1Eur. Wenn man davon noch die Materian und Transportkosten abzieht, dann nimmt der Vertreiber an 99ct/Musikstück deutlich mehr ein als für eine CD. Wenn das nicht kostendeckend ist, dann war es eine CD schon lange nicht. Und die 10% Tonträgerlizenz ist dabei noch nicht mal beachtet!

    Gruss
    Bernd

    Bernd

    08 Feb 11 at 22:30

    Reply

  80. @Bernd
    Ich hab nen ganzen Beleg in Form eines Tonstudios hier rumstehen - ich denke das reicht fürs erste, oder? ;-)
    Die Kosten für den Spaß sind mir also durchaus auf den Cent genau bekannt.

    Deine Argumentation in Bezug auf die CD ist soweit richtig (auch wenn ich mit dem CD-Preis nicht ganz einverstanden bin - meistens sind die Dinger doch geringfügig teurer)- auch hier heißt das Zauberwort "Masse". Und eigentlich ist das ja auch alles durch das Urheberrecht ganz gut abgedeckt.

    Die Problematik sehe ich mittlerweile an zwei anderen Stellen (falls Dich das interessiert ;-) ):

    1) Zu analog Zeiten entsprachen die in Umlauf befindlichen Songs in etwa (!) den verkauften Einheiten (ich weiß, auf Kassette kopiert haben damals auch viele).
    Die Argumentation der MI im Digiatlzeitalter ist also nicht grundsätzlich verkehrt, - auch wenn da zugegebenermaßen noch andere Faktoren wie ein guter Schlaf, Ignoranz gegenüber den neuen Medien, Einheitsbrei usw. einen nicht unerheblichen Teil an den Gewinneinbrüchen haben (wenn nicht sogar den größeren Teil) Trotzdem hat diese Mitnahmementalität bzw. der Glaube von einigen Leuten, daß Kultur frei verfügbar sein muß, bereits einigen Schaden angerichtet und in Zukunft dürfte dieser beträchtlich größer werden, denn ->siehe Punkt2

    2) Über das heutige Geschäftsgebahren der MI im Allgemeinen macht sich auch unter Musikern einiger Unmut breit, was dazu führt, daß mittlerweile jeder versucht, früher oder später sein eigenes Label zu gründen (das betrifft jetzt in erster Linie die neue Generation von Musikern). Das bedeutet aber gleichzeitig, daß man als Musiker eben auch alles selber machen muß (oder man zwangsverpflichtet ein paar Freunde, die aber auch von irgendetwas leben wollen und sollen). Wegen des eingeschränkten Marketings heißt das weniger Verkäufe. Trotz Internet, wo man zwar alles bekommen kann aber auch erstmal finden muß.

    Der Schaden einer "Raubkopie" dürfte in diesem Fall für den Musiker auch einiges höher sein, als bei der "klassischen Variante", bei der ja in erster Linie dem Label geschadet wurde (von einer Verkauften CD gehen ein paar Cent an den Musiker bzw. die Band - genaue Höhe müßte ich jetzt selber recherchieren, dürfte aber bei max. 20 Cent liegen). Die Vorschläge der Piratenpartei, daß Kunst frei verfügbar sein soll, sind gerade für diese Vaiante ein Schlag in die Fresse (entschuldige die Wortwahl ;-) )

    So ganz vergleichen wird man also diese beiden Verkaufsformen (CD vs. MP3 bzw. MI vs. Eigenvertrieb) in Zukunft nicht mehr können - gerade weil viele Musiker die MI ebenfalls ank*tzt und es somit wohl vermehrt zu Einzellösungen kommen wird. Es sind eben neue Zeiten ;-)

    Es gibt allerdings auch recht interessante Ansätze, die auf der CC aufbauen. Im Endeffekt läuft das auf eine einmalige Zahlung, die vom jeweiligen Musiker selber festzulegen ist, hinaus. Nachdem die gezahlt ist, ist die MP3 frei verfügbar.
    In Bezug auf Materialkosten, Zeit (=Stundenlohn) kannst Du Dir die Höhe für die "Ur-MP3" sicher vorstellen. Dürfte - wenn ich das mal im Kopf überschlage - im unteren-mittleren 4stelligen Bereich liegen. Und das wäre nach Abzug der Materialkosten, Miete, Strom und was so alles anfällt ein monatliches Gehalt, von dem ich zwar nicht in Saus und Braus leben kann, aber doch ganz ordentlich (will heißen: ein Urlaub im Jahr ist drin, eine Villa im Grünen hingegen nicht).


    PS: alles ein wenig am Thema vorbeigeschrammt, da es wieder ausschließlich um Musik ging... eigentlich gings im Blog ja eher um Bücher bzw. Verlage. Die Problematik ist aber weitgehenst die gleiche. Insofern ist mir hoffentlich verziehen ;-)

    Broken Spirits

    08 Feb 11 at 23:55

    Reply

  81. Das sind schon nicht mehr Äpfel und Birnen, das sind schon Äpfel und Flugzeuge.

    Der Tischler bekommt, wenn er den Tisch verkauft direkt den Wert des Tisches bestehend aus Materialwert und Arbeitszeit-Wert anteilig dessen, was er für seine Maschinen ausgibt, Strom, Werkstattmiete, Altersvorsorge, Krankenversicherung.

    Wenn ich ein Buch verkaufe, bekomme ich hier mal einen Euro, da mal einen Euro. Wenn sich das Buch in einem Monat supergut verkauft am schlägt sich das am Ende des Monats - wobei Tantiemen normalerweise lediglich quartalsweise ausgezahlt werden - mal in einem oder zwei Tausendern nieder.

    Wenn ein Autor ein Jahr Vollzeit an einem Buch arbeitet und ich den Wert der Arbeitsstunde eines Schreinergesellen anlege, hat er eine Arbeitsleistung von 57600 € erbracht. Die bekommt - wenn er Glück hat - über Jahre und Jahrzehnte kleckerchenweise zurück.

    Gegenfrage: Wenn du das Buch lesen willst, warum bist du der Ansicht, du hättest egal wann das Recht es geschenkt zu bekommen? Und warum? Weil Zeit vergangen ist? Weil 'Autor sein'ja gar kein richtiger Beruf ist, wie der des Schreiners (der die einfach den Vogel zeigt wenn du sagst das du den Tisch geschenkt haben willst)?

    Wie wäre es. Ich schreibe ein Buch und du zahlst mir am Tag der Fertigestellung den Gegenwert der investierten Arbeitszeit, meine Sozialleistungen, meine Recherche- und Fahrtkosten, Abschläge für meine technische Ausrüstung, meine Arbeitszimmer, Fernleihkosten und meine Krankenzeiten ... dafür machst du dann damit was du willst == Deal.

    Solange du dazu nicht bereit bist, möchte ich wenigstens über die Dauer des Verkaufs die Chance haben meine Investition an Zeit, Geld und Nerven wieder zu bekommen.

    Aber hatten wir es hier nicht schon mal von der merkwürdigen Einstellung zum Wert einer nicht-materiellen Leistung?

    Mela Eckenfels

    08 Feb 11 at 22:37

    Reply

  82. Was du möchtest ist, dass man dich auch noch bezahlt, wenn deine Kosten schon lange bezahlt sind.

    Wenn du in 10 Jahren das Geld nicht bekommst, dann war es eben ein Flopp, passiert halt mal. Ein Tischler kann auch mal einen Fehler machen und muss das Holz wegwerfen, ohne die Materialkosten jemals wiederzubekommen. Es stimmt schon, dass er dann viel weniger Zeit verloren hat, aber hängt eben damit zusammen, dass Bücher schreiben lange dauert, Tischlern vielleicht ein paar Tage oder Wochen. Dass jeder der will davon leben kann Bücher zu schreiben ist wie zu glauben, dass jeder Superstar werden kann.

    Wenn man mit all seinen Büchern das Geld nicht wieder reinkriegt, sollte man sich vielleicht mal überlegen, ob man wirklich den richtigen Beruf für sich gewählt hat, oder ob man vielleicht nebenher noch einer anderen Tätigkeit nachgehen will.

    Robbysae

    08 Feb 11 at 22:54

    Reply

  83. Nein, das nennt sich nicht Flopp sondern Long Tail und ist ein Internet-ureigenes Vermarktungskonzept.

    Mela Eckenfels

    08 Feb 11 at 23:18

    Reply

  84. "Vermarktungskonzept", du meinst wohl Hack. Das könnte sich sonst auch niemand leisten. Es geht dir also nur darum dieses Verwaltungskonzept beizubehalten? Um auch weniger gute Texte profitabel zu vermarkten? Wenn ich das lese wundert mich die ganzen 0815-Trash-Literatur ja nicht mehr.. aber davon abgesehen:

    Man kann es eben nicht allen recht machen. Der Papiernews-Industrie sagen wir auch, sie soll an dem Konzept nicht mit allen Mitteln festhalten, sondern sich anpassen. Zeiten ändern sich, mit guter Ware kann man in 10 Jahren genug Geld machen, mit schlechter nicht. Wo ist das Problem?

    Robbysae

    08 Feb 11 at 23:41

    Reply

  85. Ahja. Du bist also der Ansicht, dass es eine ziemlich große Zielgruppe für Bücher über das Brunftverhalten der kalifornischen Gelbzahn-Schwippschwalbe in Schaltjahren gibt und es dann nur an der Qualität liegt, wenn es das Buch nicht auf Platz 1 der Spiegel-Sachbuchliste schafft?

    Das Problem ist deine überhebliche Arroganz.

    Und, dass du noch immer noch begriffen hast, dass es hier darum geht das ANDERE nach 10 Jahren GESCHÄFTE mit den Leistungen eines Produzenten machen ohne selbst etwas dazu beigetragen zu haben. Oder ohne etwas an ihn zurückzuführen. Oder zur großmundig beschworenen kulturellen Almende beizutragen. Die wegen ihrer Marktmacht und Marketing in der Lage sind, aus dem Werk anderer richtig viel Kohle zu machen. Die daraus ein GESCHÄFTSMODELL machen. Das die Piraten ihnen frei Haus liefern, die ja eigentlich mal angetreten sind die Position der Konsumenten UND der Produzenten gegenüber den Verwertern zu stärken. Jedenfalls dachte ich das mal.

    Ich weiß nicht, wie oft ich es hier noch wiederholen muß, bis auch DU es begreifst, das ich FÜR Fair Use bin. Solange es Fair für BEIDE Seiten ist.

    Und jetzt wäre es mir lieb, wenn du deine verachtenden Kommentare woanders abkippst. Erzähls deinem Friseur. Danke.

    Mela Eckenfels

    08 Feb 11 at 23:56

    Reply

  86. Ohne auf die Inhaltlichen Themen einzugehen und so halb passend:

    Der Gewinn für Bücher ist natürlich Ertrag - Aufwand.

    Nehmen wir wie in dem Beispiel den Bruttolohn eines Schreiner 1600 Euro in Berlin und seine Stundenwoche 38,5h bei 251 Arbeitstagen um die 20.000 Euro im Jahr bei 1.900 bis 1.950 Arbeitsstunden. Sicherlich möchte man als Schriftsteller mehr als 1600 Brutto verdienen, würde man sich mit einem Schreiner aus einem Bundesland mit mehr Lohn vergleichen käme man auf bis zu 28.000 Euro im Jahr. Daher müsste bei Zielkostenrechnung (target costing) in diesem Betrag sämtlicher Aufwand für Recherche etc. drin sei, damit sich das Buch überhaupt tragen könnte. Womit man abzüglich Recherchestunden festlegen könnte, wie viel Zeit man sich pro Kapitel lassen darf.

    Was mich interessiert und wozu es sicher Quellen gibt, ist wie der Produktlebenszyklus eines Buches aussieht. Es wurde zwar über Long- und Shortseller gesprochen, wie konkret das der Umsatzverlauf (außerhalb von Nischen) aussieht ist noch ungenannt.

    Sollte es so sein, dass der Großteil des Umsatzes (z.B. 2-Sigma also 95% des Umsatzes) innerhalb der Schutzdauer (hier 10 Jahre) erzielt wird, dann wären nach Vorrechnung 19 bis 26,6 Tausend Euro erzielt (hierbei sollte man allerdings noch die Verzinsung des Kapitals über zehn Jahre mitbetrachten, was das Ergebnis eher zu 26 bis 36 Tausend Euro werden lässt). Würde man diesen Betrag als angemessene Summe für seine Leistung betrachten, könnte man die Schranke ignorieren, da nur ein geringer Teil an Umsatz nicht innerhalb der Schutzfrist erzielt wird. Hierbei stellen sich dann drei Fragen:

    1.) Würde die Schutzfrist zu einer Verschiebung der Umsätze hinter die Frist hinaus führen, so dass der erzielbare Umsatz nicht mehr dem Ursprung entspricht? (Könnte durch Konsumverzicht passieren, andererseits könnte es sein, dass die Produktionszeit von Büchern durch Zugreifen auf neuere Quellen verkürzt wird)

    2.) Wenn das Werk nach Ende der Schutzfrist von jemandem anderen verwerten wird, der
    a. das Werk nicht ändert sondern "nur" verkauft (Druck, Ebook etc.)
    b. das Werk ändert (Lektor, Cover, etc.)
    c. das Werk in seinem Wesen ändert (Umschreiben etc.)
    sollte der ursprüngliche Schreiber, obwohl er der Annahme gemäß den erwarteten Umsatz schon fast vollständig erzielt hat, zusätzlich entlohnt werden? (Verfilmungen könnten b oder c sein, ist aber nicht wichtig, da man sich selber Gedanken darüber machen kann)

    3.) Möchte man die Schriftsteller in ihrer jetzigen Form erhalten? Nach Angabe des Finanzministeriums [1] war der Bruttolohn von Schriftstellern im Jahr bei 17 Tausend Euro (freiberufliche Arbeit) das wäre weniger als der Schreiner hat - wobei ich nicht sicher bin, ob Bücherverkauf komplett unter freiberufliche Arbeit fällt.

    Wäre es so, dass der Hauptumsatz innerhalb der Schutzgrenze erzielt wird, ist die Hauptfrage eine ethische und systemische (neben der drei genannten Fragen; und solchen die ich vergessen habe).

    Wäre es so, dass der Hauptumsatz nicht innerhalb der Schutzgrenze erzielt wird, könnte man die Schutzgrenze so anlegen, dass der Hauptumsatz in ihr erzielt wird oder andere fair-use Konzepte einführen oder auch die Schutzgrenze zerlegen und in mehrere Stufen aufteilen.

    Was wir glaube ich alle als Ziel möchten ist, dass Mensch kreativ leben und auch vom kreativ sein leben kann. Die Frage wann wer profitiert stellt sich natürlich ebenso, wie die Frage ob der reine Schriftsteller (vor allem Sachautor) ein gewünschtes Modell ist. Der Schreiber kann durchaus von anderen Schreibern kopieren, so wie Goethe es mit Faust getan hat, und davon profitieren, ebenso die restliche Gesellschaft. Die Umsetzung sollte aber durchaus im Blick haben, wie man den Übergang von den jetzigen Arbeitsbedingungen und der Verlagsdominanz gestaltet. Nicht nur was für Positionen man am Ende möchte, sondern auch wie man sie erreichen kann ist zu klären. Gibt es Überbrückungskonzepte und leben Schriftsteller momentan überhaupt in einer akzeptablen Situation?

    [1] http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_80852/DE/BMF__Startseite/Aktuelles/Monatsbericht__des__BMF/2009/06/analysen-und-berichte/b05-mittelstand-in-deutschland/node.html?__nnn=true

    Dacio

    09 Feb 11 at 02:59

    Reply

  87. Ich sag es jetzt mal überspitzt.
    Wenn die Arbeit am schreiben oder "am Content machen" generell in Deinen Augen unterschätzt wird, dann hör auf damit. Ich kann dieses Gejammer echt nicht mehr hören von wegen, wir sind ja so gebeutelt von allen. buhuu Fang an zu stricken!

    Mal zur Info:
    Vor 100 Jahren konnte kein Musiker von seiner Musik leben. Die hatten alle andere Einnahmequellen oder kratzten am Existenzminimum. Ein Goethe oder Schiller hat niemals von einem Urheberrecht profitiert ... sind deshalb seine Werke unbekannt geblieben oder schlechter? Ist ein Buch oder eine Musik besser, weil sie von einem großem Verwerter unterstützt wird?

    Entweder Du findest ein Geschäftsmodell, mit dem Du von Deinen Büchern leben kannst, Du machst es hauptsächlich, weil Du es machen willst, oder Du solltest es einfach bleiben lassen.

    Joe

    08 Feb 11 at 21:32

    Reply

  88. Bevor du hier Leute wie Goethe und Schiller anführst, solltest du dich erstmal geschichtlich informieren. Beide SIND von erfolgreichen Zeitgenossen protegiert worden, was heute eben die Verlagshäuser machen.
    Also wirf hier bitte nicht mit Halbwissen um dich.

    Übrigens hau ich dir im Umkehrschluss jetzt mal den Sinn deiner eigenen Worte um die Ohren:
    Wenn dir Unterhaltungsliteratur gefällt, dann bezahl dafür oder lass es bleiben. Es gibt weder ein Grundrecht auf Unterhaltung, noch ist Unterhaltung lebensnotwendig. Punkt.

    Farlion

    08 Feb 11 at 22:40

    Reply

  89. Naja, das damalige Mäzenentum würde ich nicht mit heutigen Verlagen vergleichen.

    Wir können gerne auch das Mäzenentum wieder einführen. Regelmässig subventioniert, könnte ich mich auch mit 10 Jahren abfinden.

    Der Inhalt meines Kopfes ist käuflich. Freiwillige vor.

    Mela Eckenfels

    08 Feb 11 at 22:53

    Reply

  90. Eifnach widerliche Kommentare hier. Darin fühlt man sich bestätigt keine Bücher von Deutschen zu kaufen. Gut das ich schon seit Jahren importiere. So eine Selbstgefälligkeit wie manche hier von sich geben ist einfach nicht unterstützenswert.

    Und das mit den Tischler weiter oben fand ich interessant. Deshalb mache ich da mal kurz weiter:
    Wenn der Tischler seine Arbeit schlecht verrichtet und seine Arbeit nicht an seine Kunden anpasst verkauft er auch wenig bis gar nichts...

    KunioHirasaki

    08 Feb 11 at 23:31

    Reply

  91. Liebe Mela, ich stimme dir in allen Punkten zu. Allerdings habe ich nicht so große Geduld wie du, denn in einer Partei, die Kreative quasi zwangsenteignet und ihnen damit ihre finanzielle Grundlage raubt, wollte ich nicht mehr mitmachen. Das hat mit Fair Use und wie es noch in den vielen Kommentaren betitelt wurde bestimmt nichts mehr zu tun.

    PS: Ist zwar eine andere Branche und sicherlich gibt es an der GEMA einiges auszusetzen, trotzdem möchte und kann ich ihre regelmäßigen Überweisungen nicht missen. darüber scheinen viele Piraten leider nicht nachzudenken.

    Frank

    09 Feb 11 at 01:08

    Reply

  92. Dass die Piraten auch mitsprechen, wenn sie gar keine Ahnung zu dem Thema haben, dürfte doch inzwischen jedem aufgefallen sein. Alleine was die AntiAtomPiraten so loslassen ist manchmal ein ganz großer Witz, aber hauptsache es wird schön nachgeplappert. Dann dein genanntes Positionspapier sowie das bzgl. Inzest führen dazu, dass ich bei den nächsten Wahlen ganz sicher nicht die Piraten wählen kann und hier bin ich nicht der einzige.

    Frank Kratzig

    09 Feb 11 at 07:36

    Reply

  93. Hi Mela,
    danke, für den Mut und dein Engagement zu diesem Thema.
    Dein Text und auch viele Kommentare zeigem mir, dass es richtig war die Partei aus diesem Grunde zu verlassen.

    Gottseidank ist die Piratenpartei nicht in der Lage diese "alles-umsonst-Mentalität" auch nur ansatzweise in das politische Realleben einzubringen.

    Ralf

    09 Feb 11 at 08:33

    Reply

  94. Es war sicher nicht richtig die Partei zu verlassen, denn in dieser kannst du die Diskussion wenigstens noch führen. In den anderen bekommst du das Leistungsschutzrecht von der Lobby diktiert.

    Bernd

    12 Feb 11 at 11:04

    Reply

  95. Danke NineBerry, Robbysae und andere. Ich bin erst heute dazu gekommen das hier zu lesen.

    Es ist traurig zu sehen, wie einige den Rechtsstaat dazu missbrauchen wollen, um mit ihrer Arbeit am liebesten schon mit einem Buch für das ganze Leben ausgesorgt zu haben, während sie Softwareentwicklern, Tischlern und anderen nicht in der Kulturbranche tätigen Selbstständigen noch jeden Cent vorrechnen. Und das auch noch für Arbeit die dazu beiträgt, dass man überhaupt ohne Nöte leben kann.

    LordSnow

    24 Feb 11 at 15:56

    Reply

  96. Wenn du mir jetzt noch erklärst wie man "mir einem Buch aussorgt"? Vielleicht ist mir da ja etwas wesentliches entgangen.

    Wenn wir diese Diskussion führen, dann bitte mit sachlichen Argumenten und nicht mit an den Haaren hereigezogenen Mythen.

    Mela Eckenfels

    25 Feb 11 at 02:06

    Reply

  97. Ich habe am 25.02. 13:53 versucht meine Sichtweise von der gestrigen Diskussion im Dicken Engel auf der aktiven ML und der AG Urheberrechts ML zu beschreieben. Denke es wäre das beste dort weiterzudiskutieren und deinem blog mal eine (kurze) Auszeit zu gönnen. ;-)

    LordSnow

    25 Feb 11 at 13:56

    Reply

  98. @Nine: Ich hoffe doch sehr das es in 10 Jahren immer noch gedruckte Bücher gibt. Digital ist nicht immer geil

    Fussfall

    01 Jun 11 at 19:37

    Reply

  99. Die Lösung ist so unglaublich einfach: Wir müssen nur das Positionspapier um einen Passus ergänzen, der in etwa folgendes besagt: "Erzielt ein Verwerter nach Ablauf dieser 10 Jahre Einnahmen mit der Nutzung eines Werkes, so sind XX% dieser Einnahmen an den Urheber weiterzuleiten, sobald diese Einnahmen XX € p.a. überschreiten." Sicherlich ist die Frage, inwiefern das durchgesetzt werden kann, aber vor dieser Frage stehen wir auch schon mit dem alten Urheberrecht. Die beschriebene "Heuschrecke" kann sich das Werk jedenfalls nicht unter den Nagel reißen und einen Millionenseller draus machen. Jede nichtkommerzielle Nutzung (Freund kopiert Buch für Freundin, Lehrer für Schüler) bleibt kostenlos. Wer geringfügige Einnahmen durch die Nutzung erwirtschaftet, z.B. das kleine private Blog, das mit ein wenig Adsense drin mal Erich Kästner zitiert, bleibt ebenfalls ungeschoren. Wir müssen uns nur noch über die beiden Parameter einig werden.

    (Meine ganz persönliche Meinung ist übrigens: Nix 10 Jahre! Schutz genau für die Lebensdauer des Urhebers, aber nicht über dessen Tod hinaus. Jeder mag da ein anderes Empfinden haben und ich bin da kompromissbereit. Mit obiger Regelung wären alle entschädigt, es können sich trotzdem Industrien bilden etc. pp.)

    Enno

    01 Aug 11 at 15:31

    Reply

  100. Hallo Mela,

    da ich ebenfalls Autor bin habe ich hier zwei Fragen und divsere Linktipps für Dich.

    Frage #1: Ein Verlag möchte von Dir ein Buch herausbringen. Welches ist der bessere Deal?

    Deal 1 - 10% des Großhandelspreises pro verkauftem Exemplar.
    Deal 2 - 30.000 Euro fest.

    Also ich würde den zweiten Deal nehmen. Solche Deals finde ich als Autor in der dt. Buchlandschaft aber nicht, Deal 1 ist schon das Beste was rausspringen kann.

    Es gab aber mal eine Zeit in Dt., da haben Autoren nach Deal 2 verdient, also sehr sehr gut.

    Das war die sogenannte "Nachdruckzeit", sprich die Zeit vor dem Urheberrecht. Mit Einsetzen des Urheberrechts sind die Honorare der Autoren massiv in den Keller gegangen (wir sprechen hier um den Faktor 10 und schlimmer) und diese Situation haben wir bis heute.

    Jetzt wirst du wahrscheinlich denken "Das kann doch nicht sein, das funktioniert doch nicht, das Urheberrecht ist doch dafür da um uns Autoren zu schützen."

    Um Dir zu erläutern, warum das Gegenteil der Fall ist, möchte ich an Deinem Beispiel ansetzen:

    Dann kommt Jahr Zehn. Das Urheberrecht verfällt.

    Eine Verlagsheuschrecke, die das Buch schon lange im Auge behalten hatte, nimmt es lässt noch mal den letzten fest angestellten Lektor drübergehen, schreibt "John Grisham" darüber - denn es sind ja alle Rechte weggefallen - und rührt die Marketingtrommel. Das Buch geht in den Verkauf - doch oh weh, es sind schon zahlreiche andere Bücher von anderen Heuschrecken erschienen mit dem gleichen Inhalt. Jede Heuschrecke kann das Buch ein paar hundert- bis tausendmal verkaufen. Die etablierte Presse (wie sie in 10 Jahren auch aussehen mag) legt das Buch als Beigabe zu ihren Zeitschriften. Die Menschen stehen Schlange an den Buchläden und kaufen sich die Ausgaben, die für sie am besten passen, von günstigem Reclam-Heftchen bis zum Prachtband. Das Buch schießt auf die obersten Plätze der Verkaufszahlen. Und ein paar kleinere Blogs erwähnen, dass man doch bitte bei Hans Müller, dem Originalautor kaufen soll, statt die Ausgabe von 'John Grisham'. Dadurch steigen Hans Müllers Verkaufszahlen auf mehrere Tausend im Jahr, die Verlagsheuschrecken haben auch ein wenig davon, aber keiner macht den großen Reibach.

    Ein kluger Verleger entdeckt, dass er mit einem solch gemeinfreien Werk eben keinen Reibach machen kann und dass er einen guten Autoren braucht, der ihm ein neues Werk erschafft. Er will bei dem Autoren anklopfen, der das Wunderwerk verfasst hat, aber als er bei der Türe ankommt sieht er schon eine Schlange von anderen Verlegern, die natürlich auch nicht dumm sind und ebenfalls um den Autoren buhlen.

    Mit den 10% ists also nicht mehr getan, er muss ein besseres Angebot bieten um den Autoren für sich zu gewinnen.

    ----

    Bei einer Schutzfrist von sagen wir mal einem Jahr wäre die Situation natürlich noch viel heftiger und der Druck auf die Verleger, Autoren zu gewinnen noch viel größer.

    Ein gewisser Herr Höffner hat die Situation im dt. Buchmark vor und nach dem Urheberrecht eingehend untersucht und dabei auch die Mechanismen zu Tage gefördert, die das Urheberrecht zu einem wirtschaftlichen Desaster für den durchschnittlichen Autoren machen. Sollten sich eigentlich alle politisch interessierten Autoren mal durchlesen:

    http://news.piratenpartei.de/showthread.php?tid=84469

    Frage #2: Die Forderung nach eine Urheberrecht ging schon immer von Verwertern und wenign sehr erfolgreichen Urhebern aus. Wenn für die Verwerter kurze Schutzfristen so viel besser wären, warum haben sie dann für lange Fristen lobbyiert?

    Gordon

    21 Nov 11 at 17:44

    Reply

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