BGE
Beim flüchtigen Scannen der Pressestimmen heute abend, fiel mir was ins Auge, was mich schon länger nervt. Den Piraten wird "Links Sein" unterstellt, weil sie sich für das BGE ausgesprochen haben.
Ich bin mir ehrlich nicht im Klaren, was es mit "links" zu tun hat, wenn man sich Gedanken darüber macht, wie Menschen in einer Gesellschaft leben werden, in der Arbeit, vor allem manuelle und niedrig-qualifizierte Arbeit ein Auslaufmodell ist.
Das hat nichts mit 'links' zu tun. Es hat aber viel damit zu tun, nicht die Hände über die Ohren zu klappen und laut zu summen. Phantasien von Vollbeschäftigung in einer Zeit in der die Robotik mit zunehmender Schnelligkeit verbessert wird und die Zahl der Menschen, die Morgens zum Schichtbeginn durch die Tore der Opelwerke strömen rapide abnimmt, zeugen von Wirklichkeitsverleugnung. Politik nach Vierteljahresplan. Wen interessiert schon, was übermorgen ist, wenn man heute Zweifler noch mit Versprechen aus der Frühzeit der Industrialisierung einlullen kann.
Es ist auch nicht 'Rechts' zu glauben sich um das Problem nicht kümmern zu müssen. Zu glauben oder zu hoffen, dass man immer weiter behaupten kann, die Betroffenen seien doch nur arbeitsscheu und selbst schuld. Zu glauben, man dürfte jene, die keine "Leistungsträger" sind, einfach auf der Straße verhungern lassen oder wenigstens via Hartz IV in die Halbsklaverei drängen. Das ist nicht rechts, das ist einfach kurzsichtig und bescheuert.
Ich habe die Antworten auf die Veränderungen nicht. Ich weiss nicht ob das BGE die Antwort ist, aber es ist eine mögliche Antwort. Und sie muß gedacht werden, weil die Zeit nicht stehen bleibt. Weil die tausenden Menschen, die heute vom Fließband befreit werden, morgen nicht alle Floristen und Bankkaufleute sind. Sie sind nur eines: Arbeitslos.
Es gibt vieles, dass es am BGE zu kritisieren wäre und davon hat wenig mit "die werden dann alle nicht mehr Arbeiten und nur noch in der Eckkneipe saufen" zu tun. Vielmehr mit der höheren Abhängigkeit von Staat.
Aber 'links' ist das nicht. Es ist Zukunftsfähig.
Ich bin mir ehrlich nicht im Klaren, was es mit "links" zu tun hat, wenn man sich Gedanken darüber macht, wie Menschen in einer Gesellschaft leben werden, in der Arbeit, vor allem manuelle und niedrig-qualifizierte Arbeit ein Auslaufmodell ist.
Das hat nichts mit 'links' zu tun. Es hat aber viel damit zu tun, nicht die Hände über die Ohren zu klappen und laut zu summen. Phantasien von Vollbeschäftigung in einer Zeit in der die Robotik mit zunehmender Schnelligkeit verbessert wird und die Zahl der Menschen, die Morgens zum Schichtbeginn durch die Tore der Opelwerke strömen rapide abnimmt, zeugen von Wirklichkeitsverleugnung. Politik nach Vierteljahresplan. Wen interessiert schon, was übermorgen ist, wenn man heute Zweifler noch mit Versprechen aus der Frühzeit der Industrialisierung einlullen kann.
Es ist auch nicht 'Rechts' zu glauben sich um das Problem nicht kümmern zu müssen. Zu glauben oder zu hoffen, dass man immer weiter behaupten kann, die Betroffenen seien doch nur arbeitsscheu und selbst schuld. Zu glauben, man dürfte jene, die keine "Leistungsträger" sind, einfach auf der Straße verhungern lassen oder wenigstens via Hartz IV in die Halbsklaverei drängen. Das ist nicht rechts, das ist einfach kurzsichtig und bescheuert.
Ich habe die Antworten auf die Veränderungen nicht. Ich weiss nicht ob das BGE die Antwort ist, aber es ist eine mögliche Antwort. Und sie muß gedacht werden, weil die Zeit nicht stehen bleibt. Weil die tausenden Menschen, die heute vom Fließband befreit werden, morgen nicht alle Floristen und Bankkaufleute sind. Sie sind nur eines: Arbeitslos.
Es gibt vieles, dass es am BGE zu kritisieren wäre und davon hat wenig mit "die werden dann alle nicht mehr Arbeiten und nur noch in der Eckkneipe saufen" zu tun. Vielmehr mit der höheren Abhängigkeit von Staat.
Aber 'links' ist das nicht. Es ist Zukunftsfähig.
2 Trackbacks to BGE
14 Comments to BGE
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Goldene, deutliche Worte.
Links, rechts sind heutzutage eigentlich bedeutungslos geworden.
Richtig, falsch (gemäß Spezifikation, GG usw.) gelten immer noch. -
Und selbst wenn sie's versaufen: Das Geld fliesst wieder in den Wirtschaftskreislauf und zahlt Steuern. Es geht nicht steuerfrei nach China, um als Investment weitere hiesige Arbeitsplätze zu vernichten.
Wenn es so schrecklich böse "links" ist, sich mal ein paar Gedanken über das System selbst zu machen, dann müsst ihr Piraten das halt sein.
Lesenswert dazu auch: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/politik-und-finanz-was-sind-schulden-11548820.html -
Das BGE ist ein sozialistisches Modell. Entsprechend sind die Piraten ab sofort eine sozialistische Partei.
Und nein, mit links hat das wenig zu tun... -
Nein, es ist eben nicht sozialistisch. Bitte informieren.
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Ich denke nicht, das das BGE eine Abhängigkeit vom Staat schafft, außer, das man sich darauf verlassen muß, dass das BGE gezahlt wird. Die Betonung hier liegt auf dem "B", was den Menschen Freiheiten bringt, da der Empfang des Geldes nicht an Gegenleistungen wie Annahme aller Jobangebote, schreiben von n Bewerbungen im Monat, gebunden ist.
Ich freue mich, dass die/wir Piraten das BGE ins Programm aufgenommen haben. -
Das BGE ist exemplarisch für linke Politik. Ich frage mich ernsthaft, wie man das überhaupt leugnen kann. Die Idee, der Staat sorgt für die Bürger, ist doch das Kernelement linker Politik.
Und Vollbeschäftigung hat mit Robotern oder leichter Arbeit nichts zu tun, sonder eine Frage, wie weit der Staat in Angebot und Nachfrage eingreift und damit Vollbeschäftigung verhindert. Vollbeschäftigung ist auch keine Phantasie. Wie man bei Arbeitslosenquoten und 4% in Bayern und Baden-Württemberg sehen kann, haben wir bereits derzeit in zwei Bundesländern schon Vollbeschäftigung -
Lieber Klaus,
um mich kurz zu fassen, möchte ich dich mit unvollständigen Thesen einfach mal zum Denken bezüglich deiner Aussagen anregen:
0. Klassische "Linke" lehnen ein BGE entweder als Stilllegungsprämie oder als Manifestierung des Kapitalismus ab.
1. Der Staat sorgt für die Bürger, das ist in nahezu allen (demokratischen) Ländern so. Sonst bräuchte man ja auch keinen Staat.
2. Ein Hauptfaktor für den Wohlstand der Menschen ist nicht die Arbeitslosenquote, sondern die Produktivität.
3. Angebot und Nachfrage - ein Markt - ist an Voraussetzungen geknüpft, damit er funktioniert.
4. Das aktuelle System ("Hartz IV") greift sehr stark und verzerrend in den Arbeitsmarkt ein.
5. In Bayern und Baden-Württemberg wird nicht weniger in den (Arbeits-)Markt eingegriffen, als in anderen Bundesländern.
6. In der DDR gab es offiziell Vollbeschäftigung.
Und jetzt: Denk selbst!
Gruß,
Stephan -
»… niemand ist so blind, wie der, der nicht sehen will!«
Zitat G.H. aus „Schmetterlinge sind frei“ (1972)
? ansonsten schließe ich mich Sabine Engelhardts und Florian Blaschkes Kommentaren an. -
Ach, für die einen sind die Piraten links, für die anderen rechts und wirtschaftlich orientiert...
http://www.tagesschau.de/inland/piratenpartei178.html -
Ich muss euch (die Piraten) loben oder auch eher einen großen Dank aussprechen: in einer Zeit, in der ich mich von einer Rechenschwäche geplagt sehe(1), finde ich dieses Gang zurück schalten sehr besonnen, es ist nicht wie oft behauptet wird, eine Unentschlossenheit, sondern schlicht die kluge Vernunft. Anders als oft behauptet, wurde ja gestern nicht das BGE beschlossen, sondern "nur" eine Komission einzurichten, die Modelle diskutiert, die dann vom Bürger gewählt werden können.
(1) So sehr ich versuche, den Euro, die Banken oder das schöne Wort "Krise" zu begreifen, scheitere ich doch stets. Mir wird schwindelig und ich fühle mich beschlichen von einer Angst, die ich gerne abwehren würde mit der Embryohaltung der Stammtischgestalten, die sich immer einig darüber sind, dass die da oben ohnehin nichts wüssten. -
Sehr wahr. Nur ein Begriff stört mich, auch wenn er allgemein gebräuchlich ist: "arbeitslos". Die Leute sind nicht arbeitslos, sondern sie haben kein Einkommen. Oder anders: Beschäftigen kann sich theoretisch jeder, aber noch längst nicht jeder bekommt Geld dafür.
Gruß, Frosch -
Ich beschäftige mich schon lange mit dem BGE und finde es sehr gut.Mit dem BGE würden die Menschen meiner Ansicht wieder freier in ihren Entscheidungen. Es würde meiner Ansicht nach vieles an Kreativität frei setzen. Für mich ist eine Partei die dieses BGE anstrebt wählbar. Ich bin 58 Jahre alt und für mich ist die Piratenpartei wählbar geworden.
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Auf Grund dessen, dass die Piratenpartei das Grundeinkommen in ihr Programm aufgenommen hat, werde ich sie wählen. Wer sich einmal damit beschäftigt, vor allem mit den Büchern und Vorträgen von Götz Werner, dem muss es wie Schuppen von den Augen fallen. Es ist in einer arbeitsteiligen Welt mit einer durch hochproduktiven massenhaften Überproduktion von Gütern das einzige Lebensmodell in der Zukunft! Wenn ich das von der Vollbeschäftigung höre rollen sich mir die Fußnägel auf. Stellt euch doch mal vor es gäbe diese. Was sollten denn die Vollbeschäftigten alles herstellen. Es gibt doch alles.
. Es wird allerdings nicht mehr lange dauern bis andere Parteien auf diesen Zug mit aufspringen. Aber ihr - die Parteien seid die Ersten und ich glaube ihr wollt es aus eurem Inneren. -
Wann ist "links" eigentlich ein Schimpfwort geworden? Oder auch "sozialistisch". "Links" zu sein heißt, sich für soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Minderheiten einzusetzen. "Rechts" heißt letztlich Sozialdarwinismus, Sexismus und Rassismus: Macht hat recht und Arme/Schwache sind faul, selbst schuld und sollen doch verrecken. Laßt uns das nicht beschönigen. "Links" zu sein, ist die einzig vernünftige Haltung. "Rechts" ist nur eine "Anti"-Haltung, eine Gegenbewegung zur linken, reformerischen Politik (historisch ist das wirklich so, die konservative Bewegung war ja die Gegenbewegung der etablierten Eliten wie Adel und Militär gegen die Reformvorstöße der Intelligenzija), und wer gegen soziale Gerechtigkeit ist, für Umweltzerstörung, Drogen- und andere Kriege, Ausbeutung, verbreitete Armut etc., den muß ich nicht ernst nehmen. Schämt euch, Rechte! (Ach ja: www.welt.de/politik/deutschland/article13754021/Rechtsextreme-Waehler-sind-maennlich-arm-arbeitslos.html?wtmc=plista – das sagt schon alles. Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber, sagte Brecht in "Schweyk im Zweiten Weltkrieg".)
Übrigens hat sich ein Hybride aus marktwirtschaftlichen und sozialistischen Elementen – das nordeuropäische System – global als am förderlichsten für allgemeinen Wohlstand erwiesen. Zumindest für Amerikaner ist das "links" und "sozialistisch". Das BGE ist nicht sozialistischer als es das System der Bundesrepublik de facto bereits ist. Und es ist ja keine Planwirtschaft – also das, was vulgo mit "Sozialismus" assoziiert wird (wobei auch Planwirtschaft nicht unter allen Umständen schlecht sein muß; womöglich wird eine kapitalistische Marktwirtschaft in einer After-Peak-X-Welt, wo beschränkte Ressourcen geschont werden müssen, gar nicht mehr funktionieren).
Die vielen Fehlannahmen über das BGE wären amüsant, wenn das Thema nicht so wichtig wäre. Das BGE bedeutet alles andere als Reichtum zum Nulltarif. Wenn man sparsam lebt, ungefähr wie ein Student, ohne teure Hobbys (Geeks machen sich zwar wenig aus konventionellen Statussymbolen, aber das kann dann doch ein wunder Punkt sein, wenn man nicht konsequent DIY lebt), kann man damit wohl auskommen, aber den meisten Leuten wird es sicher nicht genug sein. Daher sind Schlaraffenland-Faulenzer-Szenarien abwegig. Witzig natürlich auch die Annahme, nur die bösen anderen wären faul und würden nicht mehr arbeiten wollen, wenn es nicht mehr nötig wäre, während man selbst selbstverständlich nie so reagieren würde! Genau das gleiche Denkschema wie bei der Drogenentkriminalisierung, wo die willensschwachen anderen, die vor sich selbst geschützt werden müssen, damit sie nicht den ganzen Tag kiffen und nutzlos rumhängen, immer nur die anderen sind ... ich könnte mich stundenlang darüber aufregen.




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