Feder & Herd

Homepage
» Brenne, unwertes Leben
  Feder & Herd
May '13



Brenne, unwertes Leben

with 5 Comments

Seit in Stuttgart der Bahnhof vergraben werden soll, zweifele ich, dass die Sicherheit körperbehinderter Reisender wirklich gegeben ist. Zwei Aufzüge, an den Enden der Gleise, die sich ziemlich wahrscheinlich im üblichen Wartungszustand "defekt" befinden, das entspricht nicht dem, was ich unter barrierefrei und sicher verstehe.

Nun kommt heute dieses Schmankerl zum Problem-BER, dem Flughafen-Neubau nahe Berlin, hereingeflattert:



In diesem Brief an einen Bürger, der sich über die fehlende Barrierefreiheit des BER beschwert, räumt Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck, zugleich Aufsichtsrat in der Flughafengesellschaft, ein: „Ihre Bobachtung ist richtig, die Fluchttunnel können von Rollstuhlfahrern nicht benutzt werden.“

Stattdessen sollen Behinderte im Katastrophenfall in „ausgeschilderten Wartezonen“ ausharren, bis die Feuerwehr sie in Sicherheit bringt. Zur Beruhigung heißt es: „Diese Zonen sind besonders vor Rauch geschützt.“

Quelle: BZ Berlin



Zeit, sich bewust zu machen, welche Art Denken hinter dieser Umsetzung von 'Barrierefreiheit' steht.

Es war von Anfang an das Ziel, körperbehinderte Menschen aus den Fluchttunneln fernzuhalten. Jungen, leistungsfähigen Menschen sollen keine Krüppel den Weg in die Sicherheit versperren. Die Passage soll frei und Staus vermeidbar bleiben, in dem jenen der Zugang von vorneherein unmöglich gemacht wird. Die weniger wertvollen, weil immerhin behinderten Menschen, sollen entgegen jedem Fluchtreflex im brennenden Gebäude verbleiben. An Orten, die angeblich besonders vor Rauch geschützt sind - aber irgendwie müssen diese ja auch bis zuletzt betreten werden können.

Dort sollen sie ausharren, nicht wissend wann und ob Rettung kommt oder sie vielleicht schon von Flammen eingeschlossen sind. Sie müssen gänzlich auf die baulichen Maßnahmen und die Technik vertrauen. Technik, die gerade im Brandfall irgendwann ihren Dienst verweigern wird. Allen, die sich auf den eigenen Beinen vorwärts bewegen können, empfiehlt natürlich niemand im Gebäude und in den speziell gekennzeichneten Bereichen auszuharren, denn:

Der Rauch wird kommen, der Sauerstoff irgendwann aufgebraucht sein. Aber alle, die man dort abgestellt hat, waren ja vorher schon defekt.


Posted by Mela Eckenfels

08/21/2012 at 02:09:45

1632 hits
Last modified on 2012-08-25 16:51


0 Trackbacks to Brenne, unwertes Leben

Trackback specific URI for this entry

  1. No Trackbacks

5 Comments to Brenne, unwertes Leben

  1. Mir wird von Tag zu Tag übler! Wer fegt endlich dieses Gesocks weg? Und dann bitte kein neues Gesocks sondern Menschen, die sich um Menschen Gedanken machen! NICHT um Geld und Karriere!

    sabinemartiny

    21 Aug 12 at 16:55

    Reply

  2. ich störe ja nur ungern beim Ranten, aber gibt's das Problem nicht bei ausnahmslos jedem Tiefbahnhof? Und davon gibt's ja nicht nur in Berlin eine Menge.

    Stefan

    24 Aug 12 at 19:10

    Reply

  3. Das in der Vergangenheit schlecht geplant wurde, rechtfertigt ja noch lange keine schlechte Planung in Gegenwart und Zukunft.

    Unter den Gesichtspunkten hätte man überlegen müssen, ob es überhaupt sinnvoll ist den Bahnhof unter die Erde zu legen. Hier spielte nur Gier (freiwerdende innerstädtische Grundstücke) eine viel größere Rolle als Vernunft und Sicherheitsdenken.

    Dass man sich, wenn man schon die Chance (und Pflicht) hat barrierefrei zu denken und zu bauen, dann wieder erlaubt Behinderte, Alte, Schwache, aber auch Eltern mit Kinderwagen in den Bauplänen auszugrenzen ist ein Skandal.

    Mela Eckenfels

    25 Aug 12 at 16:51

    Reply

  4. > Dass man sich, wenn man schon die Chance (und
    > Pflicht) hat barrierefrei zu denken und zu bauen,
    > dann wieder erlaubt Behinderte, Alte, Schwache, aber
    > auch Eltern mit Kinderwagen in den Bauplänen
    > auszugrenzen ist ein Skandal.

    Das Thema "barrierefrei" wird nun mal in fast jedem Gebäude über irgendeine technische Lösung realisiert. Jedes öffentliche Gebäude hat einen Aufzug. Und jeder Aufzug hat ein Schild "im Brandfall nicht benutzen" (irgendwo las ich den Begriff "technisch stufenfrei" dafür). Der auf sich allein gestellte Rollifahrer wird also in jedem Amtsgebäude ein Problem bekommen.

    Und dann muss die Lösung eben lauten, dass da vielleicht mal die Umstehenden mit anpacken.

    Ganz ehrlich, wie soll bei einem Büroturm eine Lösung ohne Mithilfe aussehen? Eine kilometerlange Rampe kann's nicht wirklich sein. Und bei einem Tunnelbahnhof erst recht nicht, denn gerade die Alten und Schwachen werden da nicht gerade angetan sein von der Aussicht, vor der Feuersbrunst mit dem Greifrollstuhl eine Rampe rauf zu fliehen.

    Da hat bestimmt kein Planer gedacht "brenne, unwertes Leben". Im Gegenteil, ein Schutzraum ist geradezu löblich, denn sowas gibt's bisher m.W. in üblichen U-Bahn-Höfen nicht.

    (Ich werde allerdings zur Sinnhaftigkeit von S21 oder BER nix sagen, da ich mich nicht mit den entsprechenden Argumenten auseinandergesetzt habe. Ob man Bahnhöfe tieferlegen muss, keine Ahnung.)

    Stefan

    28 Aug 12 at 20:24

    Reply

  5. "Es war von Anfang an das Ziel, körperbehinderte Menschen aus den Fluchttunneln fernzuhalten. Jungen, leistungsfähigen Menschen sollen keine Krüppel den Weg in die Sicherheit versperren."

    Ist ja schön, daß du dich achauffierst, aber da schießt du so weit übers Ziel hinaus und am guten Geschmack vorbei, daß ich eine Strafanzeige und eine zivilrechtliche Unterlassungsklage anleiern würde, hätte ich mit der Planung irgendetwas zu tun gehabt.

    Frank

    28 Aug 12 at 05:29

    Reply

Add Comment

E-Mail addresses will not be displayed and will only be used for E-Mail notifications.

To prevent automated Bots from commentspamming, please enter the string you see in the image below in the appropriate input box. Your comment will only be submitted if the strings match. Please ensure that your browser supports and accepts cookies, or your comment cannot be verified correctly.
CAPTCHA

Enclosing asterisks marks text as bold (*word*), underscore are made via _word_.
Standard emoticons like :-) and ;-) are converted to images.