Warum ich nicht zu App.net gehen werde
Die große Spirale des Internet-Entstehens und -Vergehens dreht sich weiter. Twitter, über Jahre quasi eine - wenn nicht die - Hauptnervenverbindung des Internets möchte Twitter zu einem neuen Twitter machen. Das mehr nach Facebook 2.0 aussieht, als alles andere. Aus dem neuen Twitter sollen all die Programme ausgesperrt werden, die Twitter groß gemacht haben. Weil jeder Twitter so nutzen konnte, wie es ihm am Angenehmsten war. Ein Dienst, den ich nicht mehr so nutzen kann wie ich es möchte und brauche, der also meinen Bedürfnissen nicht mehr entgegen kommt, ist nichts wert.
Deswegen denke auch ich darüber nach, was denn nach Twitter kommen könnte.
Seit ein paar Wochen hypt in meiner Filterbubble der Anbieter http://app.net/. Sofern man überhaupt etwas erfährt - und bei app.net hält man sich gerne bedeckt - ist es Twitter in Grün, nur ohne Werbung. Weil man direkt beim Eintritt erst mal 50 $ hinlegt, um überhaupt mitspielen zu dürfen. Nein, um überhaupt erst mal einen Blick auf den Rasen hinter dem Gartenzaun werfen zu dürfen.
Und trotz der Schwärmereien über die Ruhe bei App.net, dem sicheren Hafen vor Shitstorms und den guten Diskussionen ... ich werde App.net nicht nutzen.
Weil ich die soziale Durchmischung bei Twitter schätze. In meiner Timeline tummeln sich viele Menschen, die ich im normalen Leben nicht kennengelernt hätte. In meiner Real Life Filterbubble tummeln sich vor allem Karlsruher Informatiker oder Karlsruher Piraten, zwei Gruppen deren Schnittmenge ziemlich groß ist. Dann noch Karlsruher Fotografen, ein paar (Live-)Rollenspieler und Menschen aus der Buch- und IT-Branche.

Also Menschen mit Hobbies, die nicht unbedingt preiswert sind und Jobs, die hochqualifiziert, nerdig und hochflexibel sind. Meine Real Life Filterbubble enthält kaum Menschen, die arbeitslos sind - schon gar nicht Langzeit- - denn in dem eng vernetzten und hochqualifizierten Umfeld bleibt niemand lange unbeschäftigt, der Linux fehlerfrei buchstabieren kann und nicht akut oder chronisch krank ist.
Es sind auch wenig Alleinerziehende darunter, denn denen fehlt Zeit und Geld für Hobbies und die Arbeitsbereiche meiner Filterbubble kommen mit ihren Anforderungen den Bedürfnissen von Personen, die alleine ein oder mehrere Kinder zu versorgen haben, auch nicht gerade entgegen.
Kurz, meine Real Life Filterbubble enthält nur sehr wenige Menschen, die wirtschaftlich und sozial nicht so gut gestellt sind.
Genau diesen Personenkreis habe ich nun aber zusätzlich zu meiner Real Life Filterbubble in meiner Twitter-Filterbubble. Dazu kommen auf Twitter noch die Menschen, die zunehmend prekärer in der Medienbranche oder der Forschung beschäftigt sind. Und ich schätze das. (Also die Anreicherung meiner Timeline durch diese Menschen, und nicht, dass sie prekär beschäftigt sind.)
In dem weniger gut situierten Teil meiner Filterbubble tummeln sich Menschen die intelligent, gut ausgebildet, witzig, spannend und noch viel mehr sind, die aber schlicht nicht viel Geld zur Verfügung haben.
Warum soll ich nun zu einem Dienst gehen, in den mir Menschen, die mir wichtig sind, nicht folgen können - weil 50 $ in ihrer beruflichen, familiären oder gesundheitlichen Situation nun mal ein überflüssiger und unvernünftiger Luxus sind.
AppDotNet ist die Internetdienst-gewordene Gated Community. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes exklusiv.
Jeder Dienst muß sich finanzieren. Twitter versucht es über Werbung und App.net über Gebühren. Schade, dass es nicht wenigstens einer der Beiden zweigleisig versucht. Dann wäre die Teilhabe von finanziell schlechter gestellten Menschen weiterhin möglich.
P.S.
Nur um es dem einen oder anderen Kommentatoren vorweg zu nehmen. Nein. Identica ist KEIN sinnvoller Ersatz für Twitter.
Deswegen denke auch ich darüber nach, was denn nach Twitter kommen könnte.
Seit ein paar Wochen hypt in meiner Filterbubble der Anbieter http://app.net/. Sofern man überhaupt etwas erfährt - und bei app.net hält man sich gerne bedeckt - ist es Twitter in Grün, nur ohne Werbung. Weil man direkt beim Eintritt erst mal 50 $ hinlegt, um überhaupt mitspielen zu dürfen. Nein, um überhaupt erst mal einen Blick auf den Rasen hinter dem Gartenzaun werfen zu dürfen.
Und trotz der Schwärmereien über die Ruhe bei App.net, dem sicheren Hafen vor Shitstorms und den guten Diskussionen ... ich werde App.net nicht nutzen.
Weil ich die soziale Durchmischung bei Twitter schätze. In meiner Timeline tummeln sich viele Menschen, die ich im normalen Leben nicht kennengelernt hätte. In meiner Real Life Filterbubble tummeln sich vor allem Karlsruher Informatiker oder Karlsruher Piraten, zwei Gruppen deren Schnittmenge ziemlich groß ist. Dann noch Karlsruher Fotografen, ein paar (Live-)Rollenspieler und Menschen aus der Buch- und IT-Branche.
Also Menschen mit Hobbies, die nicht unbedingt preiswert sind und Jobs, die hochqualifiziert, nerdig und hochflexibel sind. Meine Real Life Filterbubble enthält kaum Menschen, die arbeitslos sind - schon gar nicht Langzeit- - denn in dem eng vernetzten und hochqualifizierten Umfeld bleibt niemand lange unbeschäftigt, der Linux fehlerfrei buchstabieren kann und nicht akut oder chronisch krank ist.
Es sind auch wenig Alleinerziehende darunter, denn denen fehlt Zeit und Geld für Hobbies und die Arbeitsbereiche meiner Filterbubble kommen mit ihren Anforderungen den Bedürfnissen von Personen, die alleine ein oder mehrere Kinder zu versorgen haben, auch nicht gerade entgegen.
Kurz, meine Real Life Filterbubble enthält nur sehr wenige Menschen, die wirtschaftlich und sozial nicht so gut gestellt sind.
Genau diesen Personenkreis habe ich nun aber zusätzlich zu meiner Real Life Filterbubble in meiner Twitter-Filterbubble. Dazu kommen auf Twitter noch die Menschen, die zunehmend prekärer in der Medienbranche oder der Forschung beschäftigt sind. Und ich schätze das. (Also die Anreicherung meiner Timeline durch diese Menschen, und nicht, dass sie prekär beschäftigt sind.)
In dem weniger gut situierten Teil meiner Filterbubble tummeln sich Menschen die intelligent, gut ausgebildet, witzig, spannend und noch viel mehr sind, die aber schlicht nicht viel Geld zur Verfügung haben.
Warum soll ich nun zu einem Dienst gehen, in den mir Menschen, die mir wichtig sind, nicht folgen können - weil 50 $ in ihrer beruflichen, familiären oder gesundheitlichen Situation nun mal ein überflüssiger und unvernünftiger Luxus sind.
AppDotNet ist die Internetdienst-gewordene Gated Community. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes exklusiv.
Jeder Dienst muß sich finanzieren. Twitter versucht es über Werbung und App.net über Gebühren. Schade, dass es nicht wenigstens einer der Beiden zweigleisig versucht. Dann wäre die Teilhabe von finanziell schlechter gestellten Menschen weiterhin möglich.
P.S.
Nur um es dem einen oder anderen Kommentatoren vorweg zu nehmen. Nein. Identica ist KEIN sinnvoller Ersatz für Twitter.
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5 Comments to Warum ich nicht zu App.net gehen werde
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Das identische Problem wie bei Twitter. Ich habe kaum Auswahl an brauchbaren Identica-Clients, das macht es sehr unbequem bis unsinnig den Dienst zu nutzen.
Davon abgesehen, bekommen sie ihr Spam-Problem seit Jahren nicht in den Griff und es ist weit umständlicher als bei Twitter Spammer zu melden und löschen zu lassen. Wenn sie überhaupt gelöscht werden ... davon habe ich noch nichts gemerkt.
Das fällt dem Durchschnittsuser vermutlich nicht auf, aber mein Identica-Account wurde mal auf Black-SEO-Seiten verbreitet, weil diese Webseite kurzzeitig einen Google-Rank von 5 hatte und seitdem werde ich mit Spam-Replies nur so zugeschissen.
Durch das Rauschen wurde der Account unbenutzbar. -
es stimmt dass spam bei identica jahrelang ein problem war. seit märz läuft jedoch ein neues plugin: activityspam [http://status.net/wiki/Plugin:ActivitySpam]. mit dem sollte es um einiges besser geworden sein.
die spamfollower scheinen eine wirkliche plage für Deinen account zu sein, aber Deine spamreplies haben vor ca. drei monaten aufgehört [http://identi.ca/felicea/replies].
wäre es vielleicht eine möglichkeit, auf einem der vielen anderen server [http://status.net/wiki/List_of_servers] einen neuen und den spammern unbekannten account einzurichten?
vielleicht könnte Dir sogar jemand inzwischen einen brauchbaren client empfehlen
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gerade entdeckt und an Dich gedacht: es gibt eine einstellungsmöglichkeit unter http://identi.ca/settings/profile ['jeder darf mich abonnieren' vs. 'vorher fragen'] - vielleicht hilft das etwas gegen die followerflut?
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Was ist dennmit Plurk?
Ich bin da nicht mehr aktiv (aber noch angemeldet), kenne aber jemanden, der es ist und die Gemeinschaft dort sehr schätzt.
Lieben Gruß
Petra




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