Out-Time Bericht Samarkand XIII - Die Madrasa: Nur eine Frage bleibt...

Und zwar: Warum habe ich in der Vergangenheit soviel Geld für mäßige und schlechte Cons ausgegeben wenn es doch auch ganz anders geht?
Nein, nicht alle Cons vor der Madrasa waren schlecht oder mäßig. Es gab auch vorher schon ausgesprochen gute Cons (zum Beispiel die Tagescons der Ulmer oder anorische Cons auf denen gerade mal keine Spieler der Meinung waren das High-Fantasy doof ist und sie deswegen allen anderen Anwesenden den Spielspaß verderben müssen) aber das Samarkand XIII - Die Madrasa überstrahlt alle.
Sicher, mein Charakter passt auf ein Akademie-Con wie die Faust aufs Auge, ist sie doch von vorneherein lernwütig und bibliophil angelegt, aber ich denke selbst Kämpfercharaktere konnten bei den dauernd stattfindenden Trainingskämpfen ihren Spaß finden. Für Spieler allerdings, die in der Taverne hocken und warten bis ihnen der Plot auf dem Silbertablett unter die Nase gehalten wird, wäre das Samarkand sicherlich eine Enttäuschung gewesen.
Doch eigentlich weiss man bei was man sich auf diesem Con einlässt. Die Orga ist nicht gerade eine junge Orga (wie die Con Zahl XIII schon vermuten lässt) und sie sind eben für eine bestimmte Art Rollenspiel bekannt. Man könnte auch sagen 'Ein nicht so geheimer Geheimtipp'
Nun gut.. kommen wir zum Bericht selbst...

Die Anfahrt.. well.. es war Weiberfasching und kurz hinter Frankfurt am Main gab SWR3 seine Sendekraft auf. Jeder sonst erreichbare Sender terrorisierte einen mit Faschingsmusik oder UmpftaUmpfta-Volksmusik. Also kein Radio. Die Serpentinen erinnerten mich fast an die Cons in Österreich und nach einem Moment ging mir auch auf das dieses fahle Zeug das von meinen Scheinwerfern erhellt wurde Schnee war. Ich dankte meiner Vorraussicht schnell noch vor dem Con Winterreifen aufgezogen zu haben und kurvte weiter durch die Gegend. Gerade als ich dachte mich vollkommen verfahren zu haben und vermutlich nie anzukommen und wenn doch Stunden nach dem Time In, war auf einmal Herbstein ausgeschildert. Das CVJM Gelände zu finden war keine Hexerei - wenn man sich in Herbstein selbst nicht von den Schildern zu einem andere Jugendcamp täuschen lässt - und mein erster Eindruck war ein: "Ächz.. scheisse ist das hier weitläufig. Wie zur Hölle soll ich mein ganzes Gerümpel in die Unterkunft schaffen?"
Alles nicht so problematisch, sollte sich herausstellen. Mein erster Anlaufpunkt war die Taverne, mein zweiter dann das Familienhaus in dem sich die Orga breitgemacht hatte. Ein kurzer Checkin, dann wurde mir der Weg zu meiner Unterkunft und einem naheliegenden Parkplatz erklärt. Die Unterkunft entpuppte sich als ausnehmend komfortabel. Ein kleines Stein-Reihenhaus - Familienhaus genannt - mit drei Zweibettzimmern, einem kleinen Bad mit Dusche, einem Wohn-Eßzimmer und einer kleinen Küche (deren Benutzung extra kostete). Massig Platz in eingebauten Regalen und Garderoben für Klamotten und Kram sowie eine vernünftige Heizung. So läßt es sich auch bei Minustemperaturen gut LARPen

Die etwas preiswerteren Unterkünfte befanden sich in 9-Bett Holzhütten. Nicht ganz das richtige für mein Nervenkostüm, aber immer noch so ausgestattet das es sich gut darin leben lässt.
Alles in allem eine wirklich geniale LARP-Location mit unendlich vielen Möglichkeiten. Weit ab vom Schuß und wunderbar von Wald umgeben. Doch wie jede geniale Location gibt es auch hier einen Pferdefuß und der heisst Förster.
Dem Förster sind die vielen LARPs auf dem CVJM Gelände ein Dorn im Auge. Ob wegen tatsächlicher Schäden, wie zertrampelte Flora, oder ob einfach weil LARPer ganz ganz böse Gestalten sind, bleibt ungewiß. Gewiß ist aber, das er in der Vergangenheit auch schon mit Gewehr im Anschlag vor einer durch den Wald wandernden Gruppe auftauchte und versucht dem Herbergsvater das Leben schwer zu machen. Daher ist es untersagt den Wald in Rollenspiel-Handlungen miteinzubeziehen. Leider.
Das Gelände stellt Handwägen zur Verfügung und so war auch die Schlepperei meiner Siebensachen keine nachtfüllende Angelegenheit sondern mit einer Fuhre erledigt. Das Umziehen hab ich bis zum InTime nicht mehr geschafft, aber immerhin konnte ich noch die Out- sowie In-Time Ansprache mitanhören. Ich fand mich mit den Spielern zusammen mit denen ich vorher gemeinsame Verpflegung abgespochen hatte und ging nach dem Umziehen Intime. Nicht sofort mit Insa jedoch, sondern erst einmal mit meinem schnell aus dem Boden gestampften Charakter Rabea Kurkuma. Nachdem ich übereilig eine Vorlesung mit Insa angemeldet hatte, war mir im Nachhinein doch klar geworden das es scheisse schwierig sein wird mit einer Stummen diese Vorlesung zu halten.. und dann auch noch auf eine Weise das es für die Zuhörer nützlich ist.
Also reiste Rabea Insa vorraus und vertrat diese bei der Vorlesung
Anschließend zelebrierte ich eine schnelle In-Time Abreise und ging mich umziehen. Das Hineinkommen in Insa stellte sich zu Beginn etwas schwierig dar. Ich hatte noch nie zuvor einen sprechenden Charakter im LARP gespielt und nun fiel mir natürlich auch zum ersten Mal auf das die Stummheit manchmal eben doch etwas .. unhandlich .. ist. Daher brauchte es ein paar Stunden länger als üblich sowohl geistig als auch seelisch in Insa zu stecken, statt in etwas das ihren Namen und ihre Klamotten trug, aber ganz anders reagierte oder gar Lautäusserungen von sich gab..
Ich stürzte mich in die Vorlesungen und mein Charakter bekam in "Heilkunde im Felde" bildlich gesprochen ein paar Zähne gezogen, schüttelt immer noch den Kopf über die Astronomievorleseung "Äussere Hülle, Löcher hineingebohrt..göttliches Lichtfällt hindurch und bildet die Sternzeichen.. is okee Jungs, wir haben alle unsere Vorstellung von dem da draussen .. "
Keine Vorlesung enttäuschte in irgendeiner Form. Jede war auf ihre Weise spannend, skurril oder gar für die Realität lehrreich. Die Vorlesung Alchimie für Fortgeschrittene fiel leider aus und aus lauter Verzweiflung besuchte Insa stattdessen die Vorlesung über Spurenlesen. Zwei Vorlesungen fielen - obwohl alle gut waren - noch weiter auf. Die Vorlesung der Sidhe Lucah 'Die sechs Bereiche der Beherrschungsmagie' war gigantisch aufgebaut. Zum einen Lucahs Persönlichkeit selbst die sehr stark rüberkommt und zum anderen die kleinen technischen Spielereien mit der die Traumebene dargestellt wurde. 1 A. Ebenfalls beeindruckend: Die Vorlesung Giftkunde. Auch wenn die laute Taverne durch die dünne Wand extrem störte... der Charakter Nom Chuan Tsou'long stand die gesamte Zeit wie angeeist vor der Klasse und hielt die Vorlesung mit einer faszinierenden sachlichen Kühle. Das sie bei jeder merkwürdigen Frage eine Augenbraue hochzog, war ebenso beeindruckend wie der gesamte Rest ihrer Erscheinung.
Der Höhepunkt des Cons war natürlich das Festmahl am Samstag abend. 7 Gänge. Als leidenschaftliche Köchin ist mir zu sehr bewusst wieviel Aufwand es ist 7 Gänge für geschätzt 120-140 Personen zuzubereiten. (Und genauergesagt waren es 8 Gänge, auch wenn der Zwischengang laut Ankündigung nur als halber Gang zählte).
Es gab:
- 1. Gang: Antipasti, Fladenbrot und Tomatenbutter
- 2. Gang: Salat mit Schafskäse
- 2 1/2 Gang: Zimteier mit Buttersoße (sehr ungewöhnlich und doch lecker)
- 3. Gang: Tomaten-Zwiebel Suppe
- 4. Gang: Schischkebap mit Gemüsecouscous und für die Vegetarier eine Art Gemüseragout
- 5. Gang: Sultans Leibgericht (oder so ähnlich) was scheinbar eine Art Geflügelgulasch war, dazu Fladenbrot, Auberginengemüse (extrem lecker und das sage ich obwohl ich sonst Auberginen hasse!) und für die Vegetarier gebratene Zuccinischeiben
- 6. Gang: (1. Nachspeise) Dattelröllchen im Orangenbett
- 7. Gang: (2. Nachspeise) selbstgemachte Schokoladenmousse mit Mandelsplittern
Die teilweise langen Pausen zwischen den Gängen wurden überbrückt in dem Barden spielten, ein ausgezeichneter Geschichtenerzähler (der Vorstand der Madrasa) kleine, humorvolle Geschichten zum Besten gab und ein wundervoller Bauchtanz geboten wurde. Zu Tränen rührend war die kleine Zeremonie in der zwei Charaktere als Bürger des Landes Samarkand aufgenommen wurden.
Ebenfalls zwischen zwei Gängen wurde ein TimeOut ausgerufen und die Helfer des Cons sowie des Festmahls vorgestellt. Das sie minutenlange, stehende Ovationen erhielten sollte genug über den gesamten Con aussagen. Der Beifall war absolut verdient. Hut ab.
Wie zu erwarten war, liess sich der Sonntag etwas lethargisch an, kam aber gegen Abend doch nochmal in Schwung. Bei vielen Lieder liess man das Con gemütlich ausklingen.. entweder in der Taverne oder im Massagehaus. Es war kein Con der Weltrettung oder großer Schlachten.. aber man konnte hier wunderbares Charakterspiel finden, neue Chars kennenlernen, Kontakte knüpfen, Diplomatie betreiben.. oder einfach von Vorlesung zu Vorlesung hetzen
Kleine Bemerkung am Rande. Samarkand ist ein sehr sicheres, gastfreundliches Land.. nur in einer Stunde der Nacht, der Stunde der Leimsieder, ist es gesünder in einem gut abgeschlossenen Haus zu sein und nicht draussen irgendwo herumzulaufen. In der Nacht vom Sonntag auf den Montag konnte ich mich nur schwer aus dem Massagehaus losreissen. Ich hätte gerne noch der erstklassigen Bardin zugehört, doch eine ganze Stunde bis zur 3. wollte ich auch nicht mehr wachbleiben.. eigentlich.
Es war also schon recht knapp vor 2 als Insa dort aufbrach und mit Schuhe anziehen und dem heimgehen über den rutschigen, unter dem Schnee vereisten weg war auch nicht sooo schnell zu bewerkstelligen. Also mochte es 2 oder vielleicht schon eine Stunde darüber sein als ich am Familienhaus 4 ankam und es verschlossen vorfand. Auf das erste Klopfen hin sah der Hermetiker unter meinen Mitbewohnern nur seeeehr vorsichtig durch die Glastür des Wohnzimmers nach.. und in einer Steinwurfweite entfernt knackte es.. laut
Mein Klopfen wurde daraufhin panischer, ebenso das aufschliessen des Hermetikers. Ich schätze ein paar NSCs in irgendeinem Gebüsch hatten einen Heidenspaß
Aber um zum Abschluß zu kommen..
Samarand ist eine Reise wert. Und wenn es sich irgendwie einrichten lässt, bin ich das nächste Jahr auf der Madrasa wieder dabei.
P.S.:
Von wegen in Samarkand ist es immer warm. Mit bis zu 7 Schichten Kleidung war man locker dabei. (dicke Leggins für drunter, dickes Unterhemd, 2 Unterkleider, 1 Oberkleid, Mantel, Umschlagtuch, Schal, Handschuhe, mindestens zwei Paar Sochen davon eine Lage Wollsocken.)
Ein Händler für Angora-Unterwäsche könnte während der Madrasa das Geschäft seines Lebens machen
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Das mit den Förstern dort muss aber neu sein, wir haben vor zwei Jahren noch die Spieler in den Wald gehetzt. Allerdings durften wir da auch schon 50EU "Gebühr" für die Nutzung zahlen. Dafür ist Poddel - der Herbergsvater - wohl der Traum einer jeden Larporga: Er spielt mit

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Ja, irgendwie hab ich auch fast alle seiner (Zivi-)Helfer mal als NSC herumhuschen sehen






