Protokoll einer Bahnfahrt im IC/CNL Basel-Karlsruhe

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Das Vorspiel: Ein Tag Fernstudium-Präsenzunterricht in Basel. Der Raum besitzt keine Steckdosen am Tisch. Die Steckdose beim McDonalds am Bahnhof mag meinen Stecker nicht. Kurz vor Fahrtbeginn ist auch der Akku des Smartphones auf unter 10% runter. Alles in allem ziemlich blöd, wenn man unterwegs noch die Texte des Tages abtippen möchte und am Ankunftsbahnhof das Telefon braucht um abgeholt zu werden.

Vorahnungen …

Ich hatte eine Fahrt im „IC“ gebucht. Der IC stellte sich als Zug mit drei Zugteilen heraus, die unterschiedliche Zielorte hatten und in Mannheim ab, bzw. umgekoppelt werden sollten. Nur die Spitze des Zuges war ein angeblicher „IC“. Der Rest dagegen ein City Night Liner mit Einzel- und Doppelkabinen sowie Mehrpersonen-Abteilen im Schlafwagen.

Zu blöd, wenn man mit (haltlos erhofften) Vermutungen recht behält. (Bzw. ich habe mich in diesem Tweet in der Zug-Gattung geirrt.)

Der sogenannte IC bestand in Wahrheit aus alten Interregio-Wägen. Zur Erinnerung: Der Interregio war das Nachfolgeprodukt zum D-Zug. Züge ohne IC- bzw. ICE-Aufschlag, die dafür langsamer unterwegs waren und vor allem an mehr Bahnhöfen hielten. (http://de.wikipedia.org/wiki/Interregio)

Einschub: Ab 1998 nutzte ich den IR regelmässig um zu meiner Arbeitsstelle in Frankfurt zu pendeln. Um 2000 wurden die meisten IR-Strecken eingestellt. Meine Pendelstrecke wurde dann von einem „IC“ befahren. Das war exakt der gleiche Zug, mit den gleichen IR-Wägen, der an den gleichen Bahnhöfen (sprich: an jeder Kuh) hielt wie vorher der Interregio, nur musste man nun zusätzlich IC-Aufschlag zahlen. Für eine Wagenklasse, mit dem Charme einer einer Leichenhalle und Sitzen die auf längeren Strecken schnell unbequem werden. Um nicht davon zu reden, dass alle zeitgemäßen Einrichtungen wie Steckdosen fehlen.

Meine Reservierung weist einen Tischplatz aus. In den ICs kann ich als Kunde daher eine Steckdose am Platz erwarten. Eigentlich alle heute im Einsatz befindlichen IC-Züge haben Steckdosen an Tisch- bzw. Viererplätzen.

Der erste Kontakt mit einem Schaffner führte zur Auskunft, es gäbe im Zug eine einzige Steckdose. Vorne im Bistro. Am anderen Ende des Zuges.

Was einem als Bahn-Kunden ja nicht so klar ist. Ein Speisewagen ist nicht gleich Speisewagen und Zug nicht gleich Zug. Also dieser Speisewagen ist nur für den CNL-Teil des Zuges vorgesehen. Nicht für das Volk, dass den sogenannten IC gebucht hat.

Das wurde mir dann auch im Speisewagen zu allererst mitgeteilt. Hier nix Fußvolk. Für das sind die „Pendlerwägen“ an der Spitze des Volks. Das klingt schon so nach Lumpenproletariat und das würde den Zustand in dem sich der Interregio-Wagen befand auch erklären. Ich hätte gerne Fotos gemacht, wollte aber den letzten Rest Akkuladung schonen.

An diesem Punkt meines Kontakts mit dem Bahn-Personal wurde ich nachdrücklich. Aber ich durfte bleiben, nachdem man mir doch nochmal erklärt hatte, dass es sich nur um eine Service-Steckdose handele, die eigentlich gar nicht für Kunden gedacht sei.

Auf die Nachfrage ob es sein ernst sei, immerhin hätte ich die gebuchte und erwartete Leistung nicht erhalten wurde mir erwidert, man habe ja nichts mit den Wägen am anderen Zugende zu tun. Sie seien ja der City Night Liner und nicht dafür verantwortlich welche Wägen die da hinten dran hängen.

Kulanz oder souveränen Umgang mit unmöglichem Verhalten des eigenen Unternehmens sollte man bei der Bahn eben nicht erwarten

Die folgenden Ereignis fanden zeitlich vor meinem Eintreffen im Bordrestaurant statt. Ich habe sie nur erst aus dem Gedächtnis getwittert, als ich mein Telefon endlich an der Steckdose hängen hatte.

 

Wörtlich habe ich aufgeschnappt: „This is neither the quality nor the service I’ve paid for.“ … Ich bin dann weitergegangen. Ob der Mitfahrerin geholfen werden konnte, wage ich zu bezweifeln, denn in der Folge legte das Personal ein gewisses, gespaltenes Verhältnis zur englischen Sprache an den Tag.

Das Schlafwägen mit Zwei- und Einbettkabinen ‚vergessen‘ werden, hat in letzter Zeit scheinbar Methode:

Frankreich, Paris, Bundesbahn und Lada-Niva

Wie gesagt. Gespaltenes Verhältnis zur englischen Sprache. Akt 2.

Tatsächlich verstand der Schaffner einfach nicht, was er gefragt wurde und antwortete einfach irgendwas.

Der Mitfahrer hatte sein Gepäck im Gepäckraum vor dem Speisewagen (CNL-Zugteil) untergebracht. Unter anderem ein „Piano“ (Ich gehe von einem Keyboard aus), er selbst wollte aber im „Pendlerwagen“, also dem IC-Teil Platz nehmen, da er keine Reservierung für den CNL-Teil hatte.

Und wieder zurück zu den Ereignissen nach meinem Eintreffen im Speisewagen:

Nächster Halt Freiburg.

Ein Zugbegleiter hatte im Bistrobereich des Speisewagens Platz genommen und sein Dienst-Funkgerät gab so einiges preis.

Eine Gruppe von Reisenden vermisste scheinbar ebenfalls ihre Zwei- bzw. Einbettkabinen. Über Funk war zu hören „Sie hätten sich entschieden nun doch mitzufahren.“

In dem Bistroteil mit der einzigen Steckdose, in dem ich Platz genommen hatte, bestanden die „Sitzplätze“ aus unbequemen Hart-Schaum-Rollen. Eigentlich reine Stehhilfen. Nett zwei Stunden Bahnfahrt darauf zu verbringen und dafür noch IC-Zuschlag zu zahlen.

Der ‚Tisch‘ vor der Sitznudel war so schmal, dass ich es nicht gewagt hätte meinen Laptop darauf abzustellen. Selbst ein paar Texte per Hand in mein Notizbuch zu übertragen war aus Platzgründen nicht drin, selbst wenn der IC nicht so sanft über die Schienen geglitten wäre wie ein unausgewogen beladener Güterwagon.

Aber halb Twitter über die Ereignisse einer Bahnfahrt auf dem Laufenden zu halten, ist ja auch irgendwie Arbeit.

Das Begleitpersonal fühlte sich zu Hause. Die zahlenden Passagiere wurden allenfalls als Störfaktor gesehen. Aber vielleicht ist das Personal der Ansicht, auch in normalen Gaststätten würde sich das Personal mit Megaphon über die Gäste hinweg unterhalten?

Die Geräte waren so laut gestellt, dass es schmerzhaft für mich war und ich mir die Ohren zuhalten musste. Die Lautstärke ist verständlich wenn der Zug in Fahrt ist und man die Kollegen über Fahrtlärm hinweg verstehen muss. Während eines Halts im ruhigen Restaurant war sie mehr als unangebracht.

Wie kann man als Reiseverkehrsunternehmen auch fremdsprachige Passagiere bei einer grenzüberschreitenden Verbindung im Dreiländereck bei Basel erwarten?

Und warum sollte man diese auch noch höflich bedienen. 4-5 Zugbegleiter saßen/standen da halt gerade so bequem im Bistroteil. Und dann kommt ein Passagier und irrt nicht nur minutenlang wortlos herum, sondern er wagt sich auch noch die Zugbegleiter anzusprechen und nach der Speisekarte zu fragen! Auf Englisch!

Da steht man doch nicht auf, sondern sagt was eher so was von „da hinten“.

Und bevor er dann bestellen durfte:

Und dann hatte er auch noch ein elektronisches Gerät dabei. Sollte man 2013 kaum glauben.

Es waren dann zwei Passagiere, die dem jungen Mann die Steckdosensituation erläutern mussten. Er war sichtlich nicht amüsiert. Über das gesamte Verhalten nicht. Aber was erwartete er auch Service und dann will er auch noch Nachtisch!

„Like Pflaumen cake“ war nur ein Highlight.

Mein Rat für’s nächste Mal: apple pie.

Jaja, die Sitznudel …

Wenn man merkt, dass man nicht in einer fremden Sprache kommunizieren kann, dann gibt es eine angemessene Reaktion: Aggression.

Scheint sich zumindest Zugbegleiterpersonal zu denken.

Der Mitfahrer hatte offenbar einen sehr merkwürdigen Wunsch. Er wollte noch bis zum nächsten Morgen München erreichen. Auch mir gegenüber hatte das Personal zu verstehen gegeben, dass sie es irgendwie merkwürdig fänden, wenn man „mitten in der Nacht“ noch die gleichen Ansprüche an die Dienstleistungen der DB stellen würde, als tagsüber.

22:23 empfinde ich jetzt nicht als „mitten in der Nacht“ sondern als normaler, eher früher Reisezeitpunkt im Anschluss an eine Veranstaltung mit anschließendem Zusammensitzen.

Nun gut, zurück zu meinem Mitreisenden. Der war nicht in der Lage die Ausführungen der Zugbegleiterin zu verstehen. Kein Wunder. Ich wäre es auch nicht, wäre ich nicht mindestens zweisprachig. So konnte ich mir aus dem deutschen Kauderwelsch mit englischen Brocken halbwegs einen Reim machen. Und dann fragt der noch wann der Zug denn in Mannheim halten würde, worauf sie ihn anfuhr.

Auf Deutsch ereiferte sie sich dann bei einer Kollegin über ihn. Der Fahrgast wäre ja immerhin erwachsen und er könne ja aus dem Fenster sehen und nachschauen welcher Bahnhof es sei, wie jeder andere auch.

Na dann.

Und das beste an einer Reise mit der Deutschen Bahn? Egal wie, irgendwann ist sie vorbei.

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