Reaktion auf meine drei Fragen an die ALTE LEIPZIGER

Vorgeschichte: Die ALTE LEIPZIGER Versicherung veröffentlicht ein Video in dem sie die Berufsunfähigkeitsversicherung erklärt. Protagonisten sind zwei Frauen, die sich gerne im Morgenmantel am Zaun stehend mit einer Tasse Kaffee unterhalten und deren Leben gut ist. Bis die eine Frau ausziehen muss, weil ihr Mann nach einem Unfall nicht mehr im Beruf arbeiten kann und das Häuschen nun zu teuer ist.  Das veranlasst die andere Frau bei ihrem Mann nachzufragen, was sie denn in einem solchen Fall machen würden und ihr Mann beruhigt sie, dass sie dank der Berufsunfähigkeitsversicherung gut abgesichert sind. Zum Dank bekommt er von ihr sein Lieblingsgericht gekocht.

Fassen wir zusammen: Frauen als passive Subjekte, die sich keinen Kopf um die ernsten Dinge des Lebens machen müssen und alle Geld- und Versicherungsgeschäfte in die Hände des Mannes legen, damit sie weiter in Ruhe am Gartenzaun klönen können. Unselbstständig und weltfremd wie Kinder.

Ein Video, das – wohlgemerkt – nicht zu Schwemme der berüchtigten US-Hausfrauen-Werbungen der 50er Jahre gehört, sondern das von einer deutschen Versicherung im Jahr 2015 veröffentlicht wurde. Die Social Media-Abteilung der Versicherung nennt das auf Facebook ‚Augenzwinkernd‘. Wo nun genau das Augenzwinkern sein soll, wenn Frauen als verantwortungslose Nutznießer ihrer hart arbeitenden Männer dargestellt werden … ich weiß es nicht.

Mich machte das Video jedenfalls sehr wütend und in der Folge schrieb ich meine drei Fragen an die ALTE LEIPZIGER auf und schickte sie ihnen auch über das Webformular zu. Das war am Freitag.

Heute nun kam ein Anruf von einer mir unbekannten Karlsruher Nummer und ich ging leider dran. Am anderen Ende ein Mitarbeiter der Niederlassung der ALTEN LEIPZIGER hier in Karlsruhe, der erstaunt darüber war, eine Reaktion auf das Video in seinem Postfach zu finden und dann auch noch so eine. Er ging erst einmal etwas ironisch auf meine drei Fragen ein. Soweit so gut. Dann sollte ich ihm erklären, was denn nun das Problem mit dem Video sei.

Halt. Stopp. Hier fühlte ich mich zum ersten Mal verarscht. Wir leben im Jahr 2015 und ich muss ernsthaft erklären, warum die Darstellung von Frauen als unselbstständige Weibchen am Herd einfach nicht akzeptabel ist? Warum man diese Darstellung auch nicht ‚augenzwinkernd‘ nennen kann? Wer glaubt die Hälfte der Bevölkerung ‚augenzwinkernd‘ als vollkommen unfähig darstellen zu dürfen, hat definitiv seine Zeit verpasst.

Ich hätte das Gespräch beenden sollen, aber ich versuchte dann doch dem Menschen am anderen Ende zu vermitteln, dass das Video nicht zeitgemäß sei.

Es hieße ja auch die ALTE LEIPZIGER, sagte er.

Ja, alt, sagte ich. Aber wenn dann doch bitte maximal mit dem Charme der 50er und nicht mit ihrem Muff.

Aber die 50er hätten ja Charme gehabt, meinte er.

Hätten sie, sagte ich, aber das Video hätte nur den Muff.

Er versuchte das Gespräch darauf zu lenken, dass ich je alleine stünde, mit einer Ansicht.

Nein, sagte ich, diese Meinung teilten sehr viele.

Ob ich denn zu ’so einem Feministenverein‘ gehören würde, sagte er.

Mir platzte der Kragen. Ich kündigte an das Gespräch nun zu beenden, denn um diese Ansicht zu vertreten müsste man im Jahr 2015 wohl nicht zu ’so einem Feministenverein‘ gehören.

Er meinte, ich habe ja nun meine Meinung äussern dürfen und nun wäre er dran. Und meine Einstellung wäre ja schon so ziemlich feministisch.

Daraufhin erwiderte ich, dass ich es nun ganz einfach so machen würde, dass ich in meinem weiteren Leben einen großen Bogen um seine Versicherung machen würde.

Das sei gut, sagte er, denn sonst bekäme er es ja mit mir zu tun, und das wäre nicht so gut. Weder für mich, noch für ihn.

Mir scheint, die ALTE LEIPZIGER sitzt nicht nur auf einer Abraumhalde Muff, den sie dann großzügig in ihre Erklärvideos einbaut, sondern importiert auch gut erhaltene Versicherungsvertreter direkt aus den 50er Jahren.  Und nein, liebe Mitarbeiter der ALTEN LEIPZIGER Versicherung: Die Einstellung, dass Diskriminierung von Frauen nicht in Ordnung ist, die nennt man im Jahr 2015 nicht ‚feministisch‘, sondern normal.

88 Comments Reaktion auf meine drei Fragen an die ALTE LEIPZIGER

  1. Arby

    Ich finds ja schön, dass ihr alle so selbstständig und erwachsen seid, aber ihr seid nicht der Nabel der Welt.
    Ich hatte mich über den Beitrag noch gewundert, weil ich genug Familien in meinem Umfeld kenne, bei denen das exakt genau so läuft. Auch in 2015 noch. Die Frau klönt mit Nachbarn während der Mann für die Finanzen zuständig ist. IST HALT SO. Akzeptiert es einfach, dass nicht jeder eurem Selbstverwirklichungsdrang huldigt. Ich kenne auch genug Familien in meinem Umfeld, wo das anders, ja teilweise sogar genau umgekehrt ist. Ist dann halt auch so. In einem zweiten Werbespot der „Alte Leipziger“ wird das dann vielleicht auch demnächst vorkommen.
    Aber ist schon komisch. Man geht unvoreingenommen – weil per Retweet reingeklickt – an einen Artikel ran und am Ende hat man das Gefühl: „Oh, das hat bestimmt eine Feministin geschrieben.“ Bernd tut mir irgendwie ein bisschen leid. Ich hätte ihm eine gleichberechtigte Ehe gewünscht.

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    1. Birte Vogel

      Nur mal so zur Aufklärung:
      „Feminismus […] bezeichnet [eine] Bewegung, die für Gleichberechtigung, Menschenwürde, die Selbstbestimmung von Frauen sowie das Ende aller Formen von Sexismus eintritt.“ (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Feminismus)

      „Sexismus“ wiederum ist die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts sowie auf der Basis des vorhandenen Machtungleichgewichts zwischen den Geschlechtern.

      Über solche Begriffe sollte man eigentlich schon Bescheid wissen, bevor man andere Menschen beleidigen möchte, sie aber stattdessen dadurch versehentlich adelt.

      Man könnte natürlich auch, wenn man so ganz unvoreingenommen Wörter wie „Selbstverwirklichungsdrang“ benutzt, kurz noch mal einen Blick ins Grundgesetz werfen, wo seit 1958 steht, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind. Und wenn man nach dieser Lektüre mit offenen Augen durch die Welt geht, stellt man fest, dass diese gesetzlich garantierte Gleichberechtigung auch 57 Jahre später noch immer nicht existiert.

      Was, ganz nebenbei, sogar wissenschaftlich durch zahlreiche (auch von Männern durchgeführte) Studien und Statistiken nachgewiesen ist. Da kann, nach fast sechs Jahrzehnten, ein Drang nach realer Durchsetzung der gesetzlichen Vorschrift schon mal ziemlich groß sein.

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      1. Arby

        Und was hat die gesetzlich garantierte Gleichberechtigung auf der ihr so gerne rumreitet mit der Frau zu tun, die gerne und aus freien Stücken am Gartenzaun mit der Nachbarin klönt und den Mann sich um die finanziellen Angelegenheiten kümmern lässt? Nix – das sind zwei völlig unterschiedliche Themen. Ja, auch in 2015.
        Im Übrigen ist es schön, dass „Feminismus“ mittlerweile eine so bedetungsschwangere „Definition“ bekommen hat. Sexuelle Gleichberechtigung mit „Feminismus“ zu bezeichnen, ist nach meiner eigenen Logik falsch. Feminismus ist in meinen Augen keine sexuelle Gleichberechtigung, sondern der Wunsch einiger (nicht aller) Frauen, die Wippe aus dem einen Ungleichgewicht (das zugegeben existiert, und das bestreite ich auch gar nicht!) in das andere Ungleichgewicht zu verlagern um eine „Gerechtigkeit“ hergestellt zu sehen.

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  3. Christian Wagner

    Oh Mädels, Eure Probleme möchte ich haben.
    Wenn ihr euch wegen so nem Werbevideo ins Höschen macht, dann zeugt das von einem ganz geringen Selbstbewusstsein.

    Unabhängig ist es selbst in 2015 – ob leider oder nicht sei dahingestellt – so, dass in Familien die finanziellen Dinge wie Versicherungen etc. in der Hand des Mannes liegt.
    Und die angesprochene BU-Versicherung. Ja, es soll selbst heute noch Frauen geben, die sich um die Familie kümmern und nicht arbeiten. Und für die trifft die BU Versicherung dann genau zu. Also mal den Bach flach halten.

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    1. Mela Eckenfels

      Soso, ist das so, dass in Familien die finanziellen Dinge in den Händen des Mannes liegen. Na dann hoffe ich mal, dass der Aufschlag in der Gegenwart irgendwann nicht so hart wird. Bis dahin guten Flug.

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  4. Alexander Leuthner

    So ich oute mich mal. Ja, ich verkaufe Produkte der Alte Leipziger. Nicht weil Sie Videos drehen (in welcher Qualität auch immer) sonder weil die Produkte zu den Leistungsstärksten der Branche gehören (Gerne mal bei Finanztest o.ä. nach lesen.) Und mit diesen Produkten tragen sie dazu bei, das ein exitenzilles Risiko abgesichert werden kann.

    So nun aber auch meine subjektive Meinung zu der ganzen „Thematik“

    1. 50 Twitter-Vögel sind nicht representativ auch 500 Hundert nicht, dazu noch größten Teils ananoym ohne sich selbst zu Outen (machen wir Deutsche mittlerweile gerne so). Auch wenn dies dann die Presse oder Magazine in einem Artikel aufnimmt, heißt dass noch lange nicht, dass hiermit recht gesprochen ist (siehe Stinkefinger Saroufakis).
    2. Es handelt sich um „Trickfilme!!!!“ die amüsiert und ohne Anspruch auf realitätsnähe zum nachdenken anreizen sollten, ein existenzielles Risiko abzusichern.
    3. Ich habe gestern an Warner Brothers geschrieben, sie mögen bitte die Serie Tom & Jerry vom Netz nehmen, da man hier deutlich sieht wie eine Frau in hochhackigen Schuhen und mit Schürze beim Anblick einer Maus in der „Küche“ während der Hausarbeit auf einen Stuhl springt.
    4. Weiter finde ich es bedenklich, dass immer „die“ Maus gewinnt und immer „der“ Kater Prügel bezieht.
    5. Ok, jetzt wieder ernst: In Syrien sterben seit Jahren in einem nicht enden wollenden Bürgerkrieg tausende Kinder und Frauen (Männer auch). Flüchtlige werden bei uns zum Teil behandelt wie ………, in Deutschland gibt es immer weniger Hebammen, weil zum einen zu wenige Kinder geboren werden und zum anderen die Hebammen sich die Prämien für die gesetzlich notwendigen Haftpflichtversicherungen nicht mehr leisten können. In Deutschland streiken gerade die Kindergärtnerinnen, die eine Ausbildung von 5 Jahren!!!! ablegen müssen um unsere Kinder betreuen zu dürfen und aus Ihnen tolle Menschen machen sollen, dafür aber mit Gehältern nach Hause gehen die einfach nur beschämend und peinlich sind, Krankenschwestern geht es nicht besser, Schulen sind marode, in Frankfurt dreschen Bekloppte auf Polizisten ein, verletzen 100 der Hüter unserer aller Ordnung und verwüßten Gegenstände (Polizeiautos etc.) die von unseren Steuergeldern bezahlt wurden, der Pflegenotstand steht vor der Tür und gibt sich mit der Altersarmut gerade ein stell Dich ein usw. usw. ………………

    Ich könnte jetzt so weiter machen und sicherlich noch mindesten 2 Seiten voll kritzeln, über 800 Millarden für Banken aber nur 6 Mrd. für arbeitslose junge Leute, den Zustand unseres Gesundheitssystems usw usw.
    Aber Fragen will ich eigentlich einfach nur:

    HABEN WIR KEINE ANDEREN PROBLEME

    Sicher kann man über die (jede) Darstellung streiten, und auch über das Niveau von Personen die einen dann dies bezüglich Kontaktieren, aber eben streiten und nicht gleich wieder die Schublade bedienen „ja ja die Versicherung etc.“ oder alles Chauvis konstatieren. Ich denke das in dem Unternehmen genügend Menschen gibt die einen tollen Job machen und sich nur ungern über einen Kamm scheren lassen. Ich glaube auch nicht, dass eine Ehefrau zu Ihrem Ehemann sagt, wenn dieser sich gegen BU absichert und dann im schlimmsten Fall die Leistung ausgezahlt wird, „was warst Du aber für eine Chauvinist“. Ich würde eher meinen, dass Er oder Sie einfach nur verantwortungsvoll gehandelt hat, sonst nix, und was hierzu geführt hat, ob Video, Prospekte, persönliche Ansprache etc etc, ist eigentlich vollkommen egal. Kleiner Hinweis noch: mal nachschauen wie viele Jahrzehnte die Alte Leipziger schon einen Betriebskindergarten betreibt und für die hier gezeigt Vorreiterrolle gelobt wird.

    So ich gehe jetzt als „Exot“ zu meiner Familie mit 3 Kinder (4 Frauen!) und hoffe, dass wir unvoreingenommen auf unserer Terrasse bei einer Gläschen Weißwein den Frühlingsanfang genießen können. Und sollte meine Frau zufällig am Gartenzaun unsere Nachbarin treffen und sich erdreisten eine „Schwätzchen“ mit Ihr zu halten, werde ich mir sofort den Staubsauger greifen und meine Hausarbeit erledigen

    Wie gesagt, eine subjektive Stellungnahme! LG AL 😉

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    1. Mela Eckenfels

      Ja, in Syrien sterben Menschen. Ja, anderen Frauen anderswo geht es viel schlechter.

      Gibt es also einen gewissen Schwellwert, ab dem man sich erst gegen Diskriminierung und für Gleichberechtigung einsetzen darf? Zum Glück nein.

      Wir leben nicht in Syrien, sondern in Deutschland. Sexistische Werbung und die Reproduktion überkommener Rollenmodelle betreffen uns in unserem Alltag.

      Zum Versuch legitimen Protest mit einem Wortschwall und unzulässigen Vergleichen abzuwerten, daher: Daumen runter.

      Nein, Twitter ist nicht repräsentativ. Ja, dort nutzen manche Pseudonyme.

      Zum Versuch legitimen Protest dadurch abzuwerten: Daumen runter.

      Soweit: Netter Versuch, gerne wieder, dann aber mit echten Argumenten.

      Das die ALTE LEIPZIGER möglicherweise einen guten Job macht und vielleicht sogar intern recht fortschrittlich ist hat niemand bestritten. Für mich persönlich sind die Produkte dieser Versicherung dennoch auf Dauer inakzeptabel. Wegen dem dort transportierten Menschen- und Frauenbild, dem unverschämten, sexistischen Personal und dem unsouveränen Umgang mit Kritik. Dann doch lieber die zweitbester Versicherung.

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      1. Jutta Scherer

        Guten Tag, Herr Leuthner,

        Sie haven diverse beklagenswerte Zustände gelistet, über die sicher niemand von uns glücklich ist. Das ändert aber nichts am Gegenstand dieser Diskussion: Die AL hat in ihren „Erklärfilmchen“ – die handwerklich nett gemacht sind – alle weiblichen Wesen als kleine Naivchen dargestellt, deren Rolle sich auf die 3 K beschränkt und die bei Eintreten eines Risikofalls erst einmal das Familien“oberhaupt“ zu dessen Einschätzung befragen müssen.

        Mir selber ist dieses Familienmodell noch aus der Generation meiner Eltern noch bekannt, ansonsten aber fremd. Ich kann mich auch über die Filmchen nicht wirklich aufregen. Für mich sind sie schlicht ein Armutszeugnis für das Marketing der AL. Meine Versicherungen wähle ich natürlich primär nach Preis-Leistungsaspekten aus, doch „Werbe“maßnahmen wie diese werden meine Wahl nicht eben positiv beeinflussen. Und so geht’s vermutlich vielen anderen Unternehmerinnen und weiblichen Haushaltsvorständen.

        Kurz: Die AL verprellt einen Teil ihres Marktes. Will sie das wirklich?

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  5. Alexander Leuthner

    Sorry für das eine oder andere fehlerhafte Wort, ist echt ein Graus die Wortvervollständigung 🙂

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  6. Alexander Leuthner

    Tja freies Land und freie Meinungsäußerung. So ist das eben und auch gut, selbst bei einem Wortschwall

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    1. Mela Eckenfels

      Aber vielleicht denkst du, beim nächsten weltbewegenden Drama, mal an deine Worte zurück. Also, wenn Deutschland die nächste Weltmeisterschaft verliert, die Lieblingsserie abgesetzt wird oder die bevorzugte Biermarke um 2 Cent teurer wird.

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  7. Alexander Leuthner

    Na na na, ist das jetzt die „weibliche Art“ von Chauvinismus, wer sagt das alle Männer Fussball Fans sind oder Bier trinken, von niveaulosem Nachmittagsfernsehen mal ganz abgesehen. Würde fast antworten, „Daumen runter“

    Schön finde ich aber, das wir jetzt beim freundlichen DU sind.

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    1. Mela Eckenfels

      Ich kanns auch noch eine Weile weiter versuchen. Irgendwann würde ich sicher einen Treffer landen.

      In einer Zeit, in der die größte je dagewesene Petition in Großbritannien, also die die meisten Unterschriften sammeln konnte, sich gegen die Absetzung von „Top Gear“ richtet, ist jede Kritik an Antidiskriminierungsinitiativen eher so „Meh“.

      Wenn wir schon bei der Relevanzdebatte sind.

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    1. Sabine Eichhorst

      Himmel, Herr Leuthner! In der Aufzählung der Probleme dieser Welt haben Sie Ihre Rechtschreibung vergessen … Nichts für ungut!

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  8. Tina Pruschmann

    Hallo Herr Leuthner,

    ja, es gibt andere Probleme. Immer gibt es andere Probleme. Dass Gleichberechtigung und Diskriminierung aber keine Petitessen sind, zeigt, dass Frauen in Deutschland noch immer 22 Prozent weniger verdienen, zum Beispiel. Zwei Fragen: Sind Sie in einem Vorstellungsgespräch schon mal damit konfrontiert worden, dass Sie ja im gebärfähigen Alter seien (haha, weiß schon, nehmen Sie das Pendent) und dass das ja mit so einer Position nicht vereinbar wäre? Ich schon. (von einer Frau, erschreckender Weise). Sind Sie in Honorarverhandlungen schon mal gefragt worden, ob denn Ihr Mann (stellen Sie sich bitte Ihre Frau vor) nicht genug verdiene, oder warum Sie so hartnäckig verhandeln? Eine Kollegin von mir schon. Das passiert täglich in Deutschland 2015. Und da sind wir jetzt nicht bei so „Kleinigkeiten“, wie, dass Frauen sprachlich immer mit gemeint sind. Das Thema hat noch viele Facetten.
    Als ich auf die Welt kam, im Osten 75, war es bereits für zwei Generationen Frauen selbstverständlich, eigenes Geld zu verdienen und vom Ehemann unabhängig zu sein. Ich finde Rollenbilder wie in dem Film der Versicherung sehr befremdlich. Wer finanziell abhängig ist, gibt seine Freiheit auf. Zum Beispiel die Freiheit, den anderen zu verlassen und sich gegen die Beziehung zu entscheiden. Und zwar egal, ob Mann oder Frau. Nun können Sie sagen, die Realität sehe nun mal so aus, und die Versicherung bediene nun mal genau diese Zielgruppe (Reihenhaus, Mann arbeitet, Frau zu Hause). Leider hat man aber auch in diesem Setting nicht den klitzekleinsten Versuch unternommen, eine Augenhöhe zwischen Mann und Frau herzustellen (wie übrigens auch nicht in dem Film zur Hausrat) Frau bleibt, sorry, abhängiges Dummchen, dem alles vom Mann erklärt werden muss und das keine eigenen Entscheidungen trifft. Man hätte die Story anders führen können. Wir sind in Sachen Chancengleichheit noch längst nicht am Ziel: Das betrifft nicht nur Frauen, es betrifft Homosexuelle, Ausländer, Menschen mit Behinderungen und chronischen Krankheiten, intersexuelle Menschen, Menschen mit Übergewicht, anderer Hautfarbe, anderer Religion …. Sensibel zu sein für offene und/oder subtile Formen der Diskriminierung, zum Beispiel dem vermeintlich augenzwinkernd-lustigen Herausstellen von Rollenklischees, ist das wenigste. Die Gesellschaft verändert sich und Sprache und Bilder sollten es auch. Meine Meinung.
    Einen Gruß Tina Pruschmann

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  9. M. Schweizer

    Hallo Herr Leuthner, ein konstruktiver Vorschlag: Wenigstens eines der von Ihnen aufgezählten Probleme könnte die AL doch leicht lösen: Wie wär’s denn, wenn sie eine bezahlbare Haftpflichtversicherung für Hebammen anböte? Sozusagen als Wiedergutmachung für die frauenverachtenden Filme. Damit könnte das Unternehmen seine beschädigte Reputation im Netz wiederherstellen und sowohl die Hebammen als auch alle Mütter und damit die ganze Gesellschaft hätten was davon. Wär doch toll!

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  10. Alexander Leuthner

    Hallo Frau Pruschmann,

    herzlichen Dank für Ihre Antwort. Ich bin Arbeitgeber und beschäftige in unserem kleinen Betrieb ausnahmslos Frauen mit Kinder, auch habe ich das Glück schon mehrfach erleben dürfen, dass sich unsere Belegschaft vermehrt 😉 und war immer wieder froh wenn die Kolleginnen in den Beruf zurückgekommen sind. Auch kenne ich viele Unternehmer die ebenso handeln und faire Bezahlung zur Verfügung stellen unabhängig von Geschlecht oder „Neigung“ und vor allem flexible Arbeitszeiten. Aber das es immer noch andere Regelungen gibt ist mir bewusst. Hierzu zählen aber auch Männer die in manchen Berufen ausgenutzt werden bzw. unterbezahlt sind, Kurierdienstfahrer etc etc.

    Ich finde aber schon das wir in Deutschland sehr viel für die Gleichberechtigung getan und erreicht haben, ob genug? wer will das schon abschließend beurteilen. Und da ich drei Töchter habe, lege ich auf diesen Punkt auch gesteigerten Wert. Trotzdem würde ich nicht bewerten oder gar verurteilen wenn jemand das alt her gebrachte Bild von Familie als „sein Model“ lebt und genießt. Es gibt heutzutage so viel unterschiedliche „Lebensmodelle“. Ich weiß hier sicher zu differenzieren. Mir wäre auch nicht eingefallen, bloß weil Alice Schwarzer als die Vorreitern für Gleichberechtigung im Focus stand, ihre Verfehlungen zum Thema „Steuer“ als Anlass zu nehmen die „Gleichberechtigung“ zu torpedieren. Deshalb denke ich auch das ein Video, dass nicht abschließend durchdacht wurde, nicht gleich die Einstellung oder gar die Haltung zum Familienbild eines ganzen Konzerns widerspiegelt oder gar die Gleichberechtigung in Frage stellt. Und diese fehlende Differenzierung ist es hier, die mich zum Antworten motiviert hat. Ich habe ja schon von dem Betriebs-Kindergarten der Alte Leipziger berichtet, der schon 20 Jahre den Familien des Konzerns zur Verfügung steht, daneben etliche Auszeichnung zur Familienfreundlichkeit und dem Umstand, das der Konzern schon seit mehr als 15 Jahren im Vorstand erfolgreich von einer Frau vertreten wird ohne das es dazu eine gesetzliche „Quote“ gebraucht hätte, spiegelt wieder, das es hier noch eine andere Seite der Medaille gibt.

    Trotzdem will ich natürlich nicht die Kritik an der geschilderten „Erwiderung“ im Telefonat dieses Mitarbeiters der Alte Leipziger beschönigen, dies hätte sicherlich anders laufen können/müssen. Aber, wir waren alle nicht bei dem Gespräch dabei, insofern hat der „Beschuldigte“ keine Möglichkeit seine Sicht des Gespräch wiederzugeben und eine Bestätigung von unabhängiger Stelle, wie es immer so schön heißt, steht leider nicht zur Verfügung. Ich wünsche mir aber auch, dass dieses „Thema“ nun für den einen oder anderen in dem Konzern Alte Leipziger keine überzogenen Konsequenzen auslösen wird, was ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen kann. Aber in der heutigen medialen Welt und dem hieraus nicht selten ausgeübten externen Druck, kann so etwas dann auch die Folge sein.

    Ich wünsche Ihnen nun noch eine guten Abend danke Ihnen für den respektvollen Meinungsaustausch und verbleibe mit besten Grüßen

    Reply
    1. Tina Pruschmann

      Hallo Herr Leuthner,
      ich finde es sehr gut, dass Sie sich mit offenen Visier in die Diskussion werfen. Wenn die Haltung des Konzerns eine andere ist, dann kann ich die Verantwortlichen aus Marketing und Werbung nur erstaunt fragen, warum sie das nicht zeigen. Solange konkrete Erfahrungen fehlen, wird ein Unternehmen immer daran bemessen werden, was es kommunikativ nach außen trägt. Ein Argument kann ich Ihnen aber nicht durchgehen lassen. Der unterbezahlte Kurierfahrer taugt leider nicht als Beispiel für die Diskriminierung von Männern. Er verdient wenig, weil in der Branche mies bezahlt wird, nicht weil er ein Mann ist. Oder haben Sie Hinweise darauf, dass in der Kurierbranche Frauen strukturell mehr verdienen als Männer? Und, wir haben genug für die Gleichberechtigung getan, wenn das Thema kein Thema mehr ist, einfach aus dem Grund, weil wir in einer Gesellschaft leben, in der niemand mehr aufgrund von Herkunft, Geschlecht, Religion, Hautfarbe, sexueller Orientierung et pp. strukturell diskriminiert wird. Abschließend beurteilen können es diejenigen, die davon betroffen sind. Momentan ist die Welt gemacht für: männlich, weiß, gut ausgebildet, Mittelschicht und darüber. Das zeigen auch alle soziologischen Studien zu diesem Thema.

      Viele Grüße
      Tina Pruschmann

      Reply
  11. Alexander Leuthner

    Hallo M. Schweitzer,

    auch hier gilt wieder. „Recherche“

    Die Haftpflicht Regelung für Hebammen sind nicht auf dem „Mist“ der Versicherer entstanden, sondern durch den Gesetzgeber vorgeschrieben. Also wenn dann sollten Sie Ihre Frage an den Gesetzgeber stellen und diesen um Aufklärung bitten, was es Begründet das eine Hebamme 6 Mio EUR Versicherungsschutz nachweisen muss. Grundsätzlich kann man hier mal Fragen, warum dieses natürliche Ereignis mit all seinen Unwägbarkeiten überhaupt eine Absicherung benötigt aber das führt eventuell zu weit. Ein Professor einer Uni Klinik hat mir mal geantwortet auf die Frage, wie denn das bei einer Geburt passieren kann, „es wäre ein Wunder, dass es so oft gut geht“!

    Im Koalitionsvertrag wurde verankert, dass eine flächendeckende Versorgung mit Hebammen sichergestellt wird!? Die Lösung wäre ganz einfach, und hat wie gesagt nichts mit den Versicherungsgesellschaften zu tun, der Gesetzgeber, so fordern es die Hebammen seit Jahren, muss die Höhe der gesetzlichen Haftungssummen deckeln bzw. reduzieren.

    VG

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    1. Angelika Petrich-Hornetz

      Hallo Herr Leuthner,

      um die Alte Leipziger müssen Sie sich keine Sorgen machen. Gar keine PR ist schlechte PR, eine uralte Regel, die bis auf Weiteres Gültigkeit hat. Mein Einwurf lautet: Bilder setzen sich fest, gleichzeitig in direkter und subtiler Weise. Solange Frauen, egal welches Lebensmodell sie leben, als komplette Dummchen dargestellt werden, werden sich diese Bilder in vielen Köpfen weiter halten oder sogar erst entstehen- und dementsprechend die aus solchen Frauenbildern entstehende Folgen: Die sind zahlreich und manche davon können äußerst unangenehm werden, bis hin zu den von Ihnen o.g. aktuellen katastrophalen Zuständen und Verwerfungen.

      Viele Grüße
      Angelika Petrich-Hornetz

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