12 Stunden...
... hinterm Kochtopf...
Wer einmal einen Teig aus 2,5 kg Kartoffeln und 5 kg Mehl mit den Händen geknetet hat, weiß auch was er geleistet hat.
Aber das Kochen für LARPer macht gerade Riesenspaß, daher werde ich mich nun in die frisch gewaschene und getrocknete Gewandung stürzen und wieder zurück nach Mosbach fahren.
Man liest sich am Sonntag wieder...
Wer einmal einen Teig aus 2,5 kg Kartoffeln und 5 kg Mehl mit den Händen geknetet hat, weiß auch was er geleistet hat.
Aber das Kochen für LARPer macht gerade Riesenspaß, daher werde ich mich nun in die frisch gewaschene und getrocknete Gewandung stürzen und wieder zurück nach Mosbach fahren.
Man liest sich am Sonntag wieder...
Schlammig

Der Schlamm des Odenwaldes bedeckt nun zwar nicht mehr meine Beine oder ist bis zum Knie in den Rock des Kleides eingearbeitet.. aber dafür ist er nun fein im Badezimmer verteilt
Erst mal einen Tag Ruhepause, ab Dienstag abend wird wieder gekocht...
Korn, Bier, Schnaps und Wein - Verklärung des Alkoholkonsums...
... im Life-Rollenspiel und Anderswo.
In der ländlichen Umgebung in der ich aufgewachsen bin, verstanden einige Jungendliche und Heranwachsene unter einer gelungenen Samstag-Abendgestaltung, sich mit einem - oder im Idealfall mehreren - Kasten Bier an der Bushaltestelle der Hauptstraße zu treffen und den vorbeifahrenden Autos zuzusehen. Das ich diesen Veranstaltungen ferngeblieben bin, ebenso wie nach einem Versuch den, für eine Dorfjugendsozialisation sehr wichtigen, Kerwevorbereitungen, galt in diesem Umfeld sicherlich als komisch und spaßfeindlich.
Bis heute begreife ich auch nicht, was genau der Spaß daran sein soll, die große Leere im eigenen Kopf, Wochenende für Wochenende mit Alkohol zu betäuben.
Fakt ist: Alkohol und Suff ist nichts Besonderes. Im Gegenteil. Saufen kann jeder, selbst Asiaten, denen ja bekanntlich ein Enzym zum vernünftigen Verarbeiten des selben fehlt. Die Aussage 'Danke, ich möchte keinen Alkohol trinken.' ist in vielen Zusammenhängen eine hoch-geschmähte, egal welcher Grund hinter ihr steht. Wer in Komasaufen eine besondere Fähigkeit sieht, oder darin eine Bierflasche mit jedem nur denkbaren Utensil zu öffnen... well...
Nein, im Suff liegt keine Leistung, keine Kreativität, keine Phantasie. Sein einziger Erfolg ist, das man nicht spürt was einem fehlt, solange man sich unter der sicheren Decke der Betrunkenheit befindet.
Somit fragt sich also: Warum in aller Welt finden so viele Jugendliche oder (in der Mehrzahl) junge Männer den - total alltäglichen - Suff als Gipfel der Kreativität? Und warum ziehen sie ihn in Bereiche in denen sie alles sein oder darstellen könnten und nicht nur ihre Normalität?
Vor einigen Jahren bekam ich auf die Bemerkung das ich ein Star Trek-PlayByEmail Rollenspiel spiele, was übersetzt einen immer weitererzählten Roman bedeutet, die Reaktion: "Oh ja, ich schreibe auch SciFi-Geschichten..."
Das Machwerk das mir daraufhin zum Lesen und zur Kritik vorgelegt wurde, konnte in einem Satz zusammengefasst werden: Saufen und Kotzen im Weltall.
Was muß in einem Menschen vorgehen, um so etwas aufs Papier zu bringen, oder gar als Lesenswert für andere zu erachten?
Nicht anders Live-Rollenspiele.
Mit der Göttin Taverna - zumindest in der ursprünglichen Form wie sie von den Anoriern gespielt wird - kann ich mich gerade noch so anfreunden. Schließlich ist sie nicht die Göttin des Suffs, sondern die Göttin der Lebensfreude. Was bedeutet das in ihren Tavernen im allgemeinen nicht gekämpft werden darf (Tavernenfrieden) und jedes Wesen willkommen ist, solange es sich an die Gesetze Tavernas hält.
Dennoch ist auch diese LARP-Religion im Endeffekt vor allem die Verklärung des Über den Durst-Trinkens.
Noch weniger verstehe ich allerdings wieso es LARP-Länder gibt, deren Bewohner ihren einzigen Lebensinn in Saufen und 'Snoo Snoo' sehen.
Es ist LARP! Man könnte alles spielen.. aber statt dessen wird daraus nur die InTime-Version des Bierkastens an der Bushaltestelle. Alltag in Gewandung, mit Schwert. Das letztere ist wohl der einzige Unterschied zur Realität, nachdem Wirtshausschlägereien in unserer Gesellschaft irgendwie in Verruf geraten sind.
Scheinbar tut Phantasie haben weh. Anders kann ich mir das nicht erklären...
InTime Vergewaltigungen, das letzte Statement
Mit dem heutigen Tag bin ich ganz sicher das ich scheinbar in einer anderen Welt lebe, als ein Teil der LARP-Gemeinde. Und ich muß sagen das ich erschüttert bin über das dort vorhandene Maß an Unbewusstheit, Ignoranz, Nicht-Über-Die-Eigenen-Schuhbändel-Hinaussehen und Unüberlegtheit.
Nicht nur die Kommentare nach dem LARP Grimboldseck in dem angeschlossenen Forum, nein auch nun heute ein Telefonanruf mit u.a. der Frage warum ich denn mit solch harten Worten den aaarmen Jungen gleich hätte vom LARP werfen wollen und weitere Kommentare hier im Blog.
Der Tenor der mit immer wieder über die Füsse läuft:
"Es war doch nur eine InTime Vergewaltigung."
"Es wurde ja nicht ausgespielt."
"Dann müsste man ja auf alles mögliche achten. Schließlich kann ja auch jemand traumatisiert sein, der mal $GRUND.."
GRUND=(mit einer Waffe angegriffen wurde|ein Körperteil ganz oder beinahe verloren hat|überfallen wurde)
"Mit sowas muß man auf einem LARP eben rechnen."
oder gar:
"Wer traumatisiert ist, hat einem LARP fernzubleiben."
Dabei findet sich weder ein echtes Argument, noch zeigt es Einsicht was es überhaupt bedeutet Vergewaltigt zu werden, noch Teamgeist oder gar die Befähigung zu einem Gruppenspiel wie es LARP nun mal ist.
Daher mein letztes und entgültiges Statement zu diesem Thema. Ich werde nicht weiter rumargumentieren. Wem das hier zu verletzend, zu angreifend, zu wenig gut ausformuliert, zu was weiss ich auch immer ist, kann bitte sterben gehen oder sich ein Leben besorgen. Dies hier ist meine Meinung, von der ich bei diesem Thema auch keinen Milimeter weit abgehen werde.
1. Öffentliche Darstellung von Vergewaltigungen
Vergewaltigungen sind ein realer Teil unserer Gesellschaft. Der Teil den ich mir noch vor allem anderen wegwünschen würde.
Trotz dessen ist Vergewaltigung natürlich Bestandteil von Fernsehen, Kino, Theater oder Literatur.
Aber wenn sich ein Film auf eine solche Handlung hinspitzt, oder sich im Buch eines solche Szene abzeichnet, dann habe ich die Wahl ob ich den Film abschalten möchte, das Buch weglegen oder zumindest das Kapitel überspringen. Denn normalerweise baut es sich langsam genug auf, das meine Sinne es begreifen und verarbeiten können und zu einer Entscheidung gelangen können.
Im LARP habe ich diese Ruhe und den Abstand zum Gesehenen und Geschehenen nicht. Ich stecke mit meinem Charakter mitten drin in der Story und gerade bei kritischen Themen, die in einem erst mal einen Moment ungläubiges 'Das kann der jetzt doch nicht ernst meinen' auslösen, kann schon längst geschehen, gesagt oder zumindest angedeutet sein, was man gar nicht will.
Als ich einmal bedauerlicherweise in der Sneak Preview mit dem grottenschlechten Film Perdita Durango gequält wurde, mußte dieses, ohnehin schlechte, Machwerk einen auch noch vollkommen beiläufig und unangekündigt mit Kindesmißbrauch überfallen. Man sah gerade wenig genug, dass das Hirn sofort den Rest dazutat.
Ich hätte am liebsten gekotzt.
Ich will entscheiden können, ob ich so etwas sehen will oder nicht.
In 'normalen' Medien, also z.B. Filmen die nicht von miserablen Filmemachern gedreht wurden, die Quentin Tarantino nicht verstanden haben und krampfhaft Aufmerksamkeit erregen wollen, werden Vergewaltigungen nur mit allerhöchstem Feingefühl thematisiert, während die Mordopfer-Redshirts im Krimi einfach nur reihenweise umfallen.
Hat sich noch niemand der 'Das ist halt so'-Fraktion überlegt warum das genau so ist?
2. Tabubrüche
Auch das wurde kurz von 'der anderen Seite' angesprochen.
Vergewaltigungen, bzw. die Darstellung davon, ist ein Tabu. Warum sollte man also im LARP nicht die ganze Häßlichkeit der Realtität zeigen dürfen und auch dieses Tabu brechen?
Einmal bin ich aus der Pubertät raus, in der ein gewisser Reiz im Brechen von Tabus bestand. (Wenn auch sicher harmloseren als diesem.) Dann bedeutet ein LARP "Treffen zum Rollenspiel" und nicht "Treffen zum gemeinsamen Brechen von Tabus".
Wer Tabus brechen möchte, tut dies bitte auf einem EinladungsLARP voller Tabubrecher oder besucht die örtliche Selbsthilfegruppe für zwanghafte Tabubrecher. Meinetwegen auch die nächste Satanistengruppe beim sonntäglichen Niedliche-Kätzchen-Opfern Kränzchen.
Aber ich weiß, ohne Publikum das sich drüber aufregt, machts nur halb soviel Spaß.
Get a life!
*3. Dann könnten wir ja gleich auf alles andere auch verzichten..*
Hier bleibe ich eigentlich einfach nur sprachlos. Die fassungslose Ignoranz, der Mangel an Begreifen-Können was eine Vergewaltigung ausmacht und was sie von anderen Verbrechen, Schicksalsschlägen oder Unfällen unterscheidet, ist mir unbegreiflich.
Eine Vergewaltigung geht anders als beispielsweise ein Raubüberfall an den innersten Kern der Psyche.
Eine Vergewaltigung ist nicht 'einfach' das Ausüben von Gewalt auf einem Körper, wie es ein Schlag wäre oder Stich. Es ist in Wirklichkeit nicht einmal eine sexuelle Handlung.
Der Grund und das Ziel einer Vergewaltigung liegen in der Machtübernahme, der Entmenschlichung des Gegenübers, im Ausüben absoluter Herrschaft. Man kann das Opfer zu allem zwingen, sogar bis hin zu der Aussage das es den Peiniger liebt. Man manipuliert die Gefühle, spielt mit ihm, bricht es. Dazu ist nicht einmal zwingend die Durchführung des körperlichen Akts nötig.
Selbst eine einmalige Vergewaltigung, kann zum Stockholm Syndrom führen. Alleine das zeigt, wie tief in die Psyche des Opfers eingegriffen wird.
Wer also eine InTime Vergewaltigung allen Ernstes mit Unfällen oder anderen tätlichen Angriffen auf eine Stufe stellt zeigt mir das er nichts, aber auch gar nichts, begriffen hat. Vergewaltigungen zielen auf die Psyche, nicht auf den Körper oder Geldbeutel
Das einzige was man damit vergleichen könnte wären Geiselnahmen und Folter.
Ausgespielte Folter gehört ebenfalls zu den großen NoNos des LARP, und das zu Recht. Geiselnahmen, solange es sich um ein einfaches Festhalten der Person ohne Ausspielen von Psychoterror handelt, halte ich dagegen für weniger kritisch.
Die Wahrscheinlichkeit auf einem LARP mindestens eine Person zu treffen, die schon einmal sexuell belästigt oder vergewaltigt wurde, ist jedenfalls deutlich höher als ein früheres Geiselopfer zu treffen.
Ich behaupte: Wer im LARP eine Vergewaltigung unbedingt ausspielen möchte, oder für seinen Charakter als ausgeführt definieren möchte, ist entweder sehr jung, dumm, unreif und unbedacht oder er möchte sein Gegenüber im innersten Kern treffen.
Mit beidem möchte ich nicht konfrontiert werden.
*4. sexuelle Vergewaltigungsphantasien*
Gibt es.
Bei Mann und Frau. Sowohl als Täter als auch Opfer.
Und die Betreffenden wollen dem Gegenüber dabei oft nicht einmal Leid zufügen.
Wer solche Art Gelüste verspürt, wendet sich bitte an die nächste BDSM-Gruppe seiner Umgebung.
Auf einem LARP hat es dennoch nichts zu suchen, denn auch die goldene Regel bei BDSM besagt, dass niemals Unbeteiligte in ein Spiel mit hineingezogen werden dürfen. Und hier meine ich Unbeteiligte im Sinne des BDSM-Spieles. Als LARPer nehme ich an einem gemeinsamen Rollenspiel teil, mehr nicht.
*5. Charakterspiel*
Ich spiele schon sehr lange Rollenspiele, als Play by Email oder Pen & Paper, und ich habe mehr als einmal geflennt wie ein Schloßhund, weil es meinem Lieblings-Charakter gerade mies ging.
Viele Rollenspieler lassen sich ganz in ihren Charakter hineinfallen, empfinden was dieser empfinden würde.
Und dieses Miterleben und Mitfühlen, könnte dazu führen das sich eine Person als real mißbraucht fühlt. Selbst wenn sie im Vorfeld der Ansicht war, das ihr das überhaupt nichts ausmachen wird.
Und wie oben erwähnt: Die Durchführung des körperlichen Aktes alleine ist nicht ausschlaggebend für den Effekt einer Vergewaltigung.
Ich selbst sollte in einer Theatergruppe eine Vergewaltigung darstellen. Ich war trotz ausführlicher Gespräche mit dem Anleiter und andere Mitgliedern der Gruppe, nicht in der Lage dazu. Es stieß mich zu sehr ab. Das Gleiche trifft auf das LARP zu, zumal es für mich auch absolut inakzeptabel wäre, meinen Charakter mit diesem Erlebnis zu spielen.
*6. Niveau*
Wie auch nur schlechte Filme, Tabus brechen müssen um überhaupt jemanden zu interessieren, brauchen auch nur schlechte Plots diesen Tabubruch.
Sexuelle Nötigungen als Stil- oder Charakterbildungsmittel sind unterstes Groschenheft-Niveau.
Ich wünsche nicht mit Plots auf diesem Niveau belästigt zu werden.
*7. Man kann von vielem traumatisiert werden*
Dies ist Tatsache.
Nur umgekehrt ist die Wahrscheinlichkeit das ein Vergewaltigungsopfer tatsächlich extrem traumatisiert wurde, deutlich höher als bei dem Opfer eines Verkehrsunfalles, eines Taschendiebstahls oder einer Prügellei. Und das auch aus dem Grund, das jeder Mensch einen anderen Menschen versteht, dem so etwas zugestossen ist, während Vergewaltigungsopfer oftmals Ablehnung aus ihrer Umgebung erfahren. Das diesen selbst die Schuld daran zugeschoben wird.
*8. Unsicherheit*
Ich kann auf einem durchschnittlichen LARP mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, das die SL ihre Arbeit gemacht hat und nur Waffen zugelassen hat, die mich nicht schwer verletzen oder töten können. So bin ich also auch ziemlich sicher, dass ich nach der Meuchelattacke auf meinen Charakter im Wald, auch morgen noch aufwachen werde und auch die Wahrscheinlichkeit das ein potentieller Massenmörder ein Fantasy-Setting verwendet um seine Ideen endlich mal in die Tat umzusetzen, ist höchst unwahrscheinlich.
Der Moment, in dem ich aber mit jemandem alleine bin, der ganz offensichtlich ein Vergewaltigungssetting im Kopf hat und der mir nun sagt, das er meinen Charakter vergewaltigen wird.. selbst wenn nicht die Frage nach dem Ausspielen im Raum steht...
Dieser Moment wird mir die Unsicherheit bringen, ob er es auch wirklich dabei belassen wird, oder ob er die Grenze zwischen Spiel und Realität überschreiten wird und mich als Opfer auserkoren hat.
Und selbst der Bruchteil einer Sekunde Unsicherheit ist zuviel.
*9. "Auf einem LARP muß man eben damit rechnen.."*
Definitiv das falsche Argument.
Damit könnte man auch sagen: "So sind Menschen eben" und dann Strafverfolgung und Justiz abschaffen und stattdessen endlich das fröhliche Morden und Brandschatzen ganz offiziell zulassen. Denn es gibt ja offensichtlich seit Jahrtausenden immer wieder Leute die es tun...
Doch ebensowenig wie die Gesellschaft aufgibt und sich versucht vor inakzeptablen Verhaltensweisen zu schützen, ebensowenig darf die LARP-Gemeinschaft aufgeben sich vor inakzeptablem, spielschädigenden Verhalten zu schützen. Und vor allem vor Verhalten das den Spielspaß einzelner über den Spaß der Gesamtspielerschaft stellt.
Was genau zum nächsten Punkt führt:
*10. Minimalkonsens*
Überall wo Menschen zusammenkommen muß es einen Minimalkonsens akzeptierten Verhaltens geben. Und dieser Konsens muß sich am Maßstab des Empfindlichsten der anwesenden Menschen messen. Tut er das nicht, ist eine Verletzung eben diesen Menschens höchst wahrscheinlich.
Der LARP-Minimalkonsens ist für mich sehr gut im LARP-Wiki zusammengefasst: TuDasNicht bzw. die Kommentare zu TuDasNicht.
Weicht der Minimalkonsens der Veranstaltung von den dort erwähnten 12 Punkten ab (Alkohol, Allergien, Defekte Polsterwaffen, Drogen, Kinder ohne Aufsicht, Hunde ohne Aufsicht, Wildschweine ärgern, Lustige Charaktere auf Kosten möglicherweise Anwesender, Darstellung von Realreligionen, Magische Rituale mit außenstehenden Zuschauern, Darstellen von Folter, Darstellen sexueller Gewalt) so ist es in der Pflicht des Veranstalters dies vorher in angemessener Form anzukündigen und sich gegebenenfalls auch von den Teilnehmern unterschreiben zu lassen.
(Und nein das ganze gehört nicht ins Kleingedruckte der AGBs)
Nur so kann verhindert werden, das Spieler entweder den Minimalkonsens verletzen, oder Spieler auf ein LARP geraten, das ihre Ansichten deutlich überstrapaziert.
Jeder Spieler der den Minimalkonsens eines LARPs verletzt muß meiner Ansicht nach von der Veranstaltung entfernt werden. Das liegt in der Pflicht der Orga, die zwar mit einer selbstverantwortlichen Spielerschaft rechnen kann, aber diese auch nicht jeder Gefahr aussetzen darf.
*11. Wer ein Trauma erlitten hat, sollte einem LARP fernbleiben*
Abgesehen davon wie menschenverachtend ich diese Aussage finde, aber das habe ich schon an anderer Stelle geschrieben, sind Traumata ziemlich gemeine Gesellen.
Wahrscheinlich ist sich ein Großteil traumatisierter Menschen nicht bewusst, was da in ihrem Unterbewustsein lauert und das muß auch nicht mit Gewalt an die Oberfläche geholt werden.
Opfern Schuld oder die Verantwortung in die Schuhe zu schieben, sie dauerhaft dazu zu zwingen ein abgekapseltes und nicht normales Leben zu führen, sie zu zwingen alle Situationen zu meiden die sie auch nur im Entferntesten verletzen könnten, und das nur um den eigenen - merkwürdig definierten - Spaß an vorderste Stelle zu schieben. Diese Denkweise liegt irgendwo zwischen erschreckender Gedankenlosigkeit und sträflichem Egoismus.
*Zuletzt:*
LARP bedeutet Rollenspiel. Es ist ein Gemeinschafts- und Teamspiel. Es bedeutet nicht das ich mein Hirnkino durchsetzen muß und alle anderen müssen mitmachen. Es bedeutet nicht das ich dort alles mal haben muß das zuhause unanständig oder verboten ist. Es bedeutet nicht sich über die allgemeinen Regeln des Zusammenlebens hinwegzusetzen. Es bedeutet nicht das ich dort mal so richtig niveaulos sein darf, weil das sonst ja nen schlechten Ruf macht, aber auf einem LARP cool ist.
Es bedeutet nicht das ich meinen Charakter mal all die Dinge machen lassen kann, die mir sonst verboten sind oder für die ich im wahren Leben sofort in den Knast wandern würde.
Wer wirklich rollenspielt weiß wann er dunkle, böse Elemente einfügen kann, wann sie tatsächlich dem Spiel dienen, und wann es einfach mal zuviel ist. Wer drauflosspielen will, ohne sich Gedanken zu machen wie sein Spiel auf die Mitspieler wirkt, ist in einem Gemeinschaftsspiel falsch und kauft sich bitte einen Ego-Shooter.
Ich für meine Person, möchte nicht mit einer Vergewaltigung InTime konfrontiert werden. Wer auch nur nachfragt ob eine solche für mich ok wäre, muß damit rechnen, das ich schon die Frage als sexuelle Nötigung werte.
Ich bitte Veranstalter ausdrücklich, auf Conbeschreibungen auch ihre Einstellung zu derartigen Plots darzulegen.
Alle die begonnen haben über das Thema nachzudenken, die ihre eigene Position überdenken, können sich zum Beispiel auf Selbsthilfe Mißbrauch weiter informieren. Es schadet nicht, denke ich.
Alle andere, die weiterehin Vergewaltigung als akzeptierten Plot- oder Charakterbildungs-Bestandteil sehen wollen, bitte ich um folgendes: Schreibt mir an bleibdaweg (at) mela.de auf welche Cons ihr geht. Denn ich will da nicht ausversehen hingeraten.
In meiner Umgebung befinden sich definitv zu viele Opfer realen Mißbrauchs, als das ich nicht beim Trösten des nächsten Opfers das reale Heulen bekommen würde. Und schon gar keine Lust habe ich, wegen solchen Un-Plots, mein eigenes Spiel abbrechen zu müssen.
P.S.: Die Kommentare zu diesem Artikel sind deaktiviert. Es gibt für mich bei diesem Thema nichts zu diskutieren. Ich finde InTime-Vergewaltigungen inakzeptabel und das wird sich durch alles totreden nicht ändern.
P.P.S: Ich möchte mit diesem Artikel die Schwere anderer Verbrechen auf gar keinen Fall herunterspielen. Nicht umsonst gibt es Opferhilfeverbände. Jedes Verbrechen ist eines zuviel.
*Nachträglicher Gedanke:*
Ich denke langsam, das es die falsche Fragestellung ist warum man IT-Vergewaltigungen nicht zulassen sollte.
Die einzig richtige Fragestellung wäre: Warum willst/brauchst du InTime-Vergewaltigungen und wieso?
Nicht nur die Kommentare nach dem LARP Grimboldseck in dem angeschlossenen Forum, nein auch nun heute ein Telefonanruf mit u.a. der Frage warum ich denn mit solch harten Worten den aaarmen Jungen gleich hätte vom LARP werfen wollen und weitere Kommentare hier im Blog.
Der Tenor der mit immer wieder über die Füsse läuft:
"Es war doch nur eine InTime Vergewaltigung."
"Es wurde ja nicht ausgespielt."
"Dann müsste man ja auf alles mögliche achten. Schließlich kann ja auch jemand traumatisiert sein, der mal $GRUND.."
GRUND=(mit einer Waffe angegriffen wurde|ein Körperteil ganz oder beinahe verloren hat|überfallen wurde)
"Mit sowas muß man auf einem LARP eben rechnen."
oder gar:
"Wer traumatisiert ist, hat einem LARP fernzubleiben."
Dabei findet sich weder ein echtes Argument, noch zeigt es Einsicht was es überhaupt bedeutet Vergewaltigt zu werden, noch Teamgeist oder gar die Befähigung zu einem Gruppenspiel wie es LARP nun mal ist.
Daher mein letztes und entgültiges Statement zu diesem Thema. Ich werde nicht weiter rumargumentieren. Wem das hier zu verletzend, zu angreifend, zu wenig gut ausformuliert, zu was weiss ich auch immer ist, kann bitte sterben gehen oder sich ein Leben besorgen. Dies hier ist meine Meinung, von der ich bei diesem Thema auch keinen Milimeter weit abgehen werde.
1. Öffentliche Darstellung von Vergewaltigungen
Vergewaltigungen sind ein realer Teil unserer Gesellschaft. Der Teil den ich mir noch vor allem anderen wegwünschen würde.
Trotz dessen ist Vergewaltigung natürlich Bestandteil von Fernsehen, Kino, Theater oder Literatur.
Aber wenn sich ein Film auf eine solche Handlung hinspitzt, oder sich im Buch eines solche Szene abzeichnet, dann habe ich die Wahl ob ich den Film abschalten möchte, das Buch weglegen oder zumindest das Kapitel überspringen. Denn normalerweise baut es sich langsam genug auf, das meine Sinne es begreifen und verarbeiten können und zu einer Entscheidung gelangen können.
Im LARP habe ich diese Ruhe und den Abstand zum Gesehenen und Geschehenen nicht. Ich stecke mit meinem Charakter mitten drin in der Story und gerade bei kritischen Themen, die in einem erst mal einen Moment ungläubiges 'Das kann der jetzt doch nicht ernst meinen' auslösen, kann schon längst geschehen, gesagt oder zumindest angedeutet sein, was man gar nicht will.
Als ich einmal bedauerlicherweise in der Sneak Preview mit dem grottenschlechten Film Perdita Durango gequält wurde, mußte dieses, ohnehin schlechte, Machwerk einen auch noch vollkommen beiläufig und unangekündigt mit Kindesmißbrauch überfallen. Man sah gerade wenig genug, dass das Hirn sofort den Rest dazutat.
Ich hätte am liebsten gekotzt.
Ich will entscheiden können, ob ich so etwas sehen will oder nicht.
In 'normalen' Medien, also z.B. Filmen die nicht von miserablen Filmemachern gedreht wurden, die Quentin Tarantino nicht verstanden haben und krampfhaft Aufmerksamkeit erregen wollen, werden Vergewaltigungen nur mit allerhöchstem Feingefühl thematisiert, während die Mordopfer-Redshirts im Krimi einfach nur reihenweise umfallen.
Hat sich noch niemand der 'Das ist halt so'-Fraktion überlegt warum das genau so ist?
2. Tabubrüche
Auch das wurde kurz von 'der anderen Seite' angesprochen.
Vergewaltigungen, bzw. die Darstellung davon, ist ein Tabu. Warum sollte man also im LARP nicht die ganze Häßlichkeit der Realtität zeigen dürfen und auch dieses Tabu brechen?
Einmal bin ich aus der Pubertät raus, in der ein gewisser Reiz im Brechen von Tabus bestand. (Wenn auch sicher harmloseren als diesem.) Dann bedeutet ein LARP "Treffen zum Rollenspiel" und nicht "Treffen zum gemeinsamen Brechen von Tabus".
Wer Tabus brechen möchte, tut dies bitte auf einem EinladungsLARP voller Tabubrecher oder besucht die örtliche Selbsthilfegruppe für zwanghafte Tabubrecher. Meinetwegen auch die nächste Satanistengruppe beim sonntäglichen Niedliche-Kätzchen-Opfern Kränzchen.
Aber ich weiß, ohne Publikum das sich drüber aufregt, machts nur halb soviel Spaß.
Get a life!
*3. Dann könnten wir ja gleich auf alles andere auch verzichten..*
Hier bleibe ich eigentlich einfach nur sprachlos. Die fassungslose Ignoranz, der Mangel an Begreifen-Können was eine Vergewaltigung ausmacht und was sie von anderen Verbrechen, Schicksalsschlägen oder Unfällen unterscheidet, ist mir unbegreiflich.
Eine Vergewaltigung geht anders als beispielsweise ein Raubüberfall an den innersten Kern der Psyche.
Eine Vergewaltigung ist nicht 'einfach' das Ausüben von Gewalt auf einem Körper, wie es ein Schlag wäre oder Stich. Es ist in Wirklichkeit nicht einmal eine sexuelle Handlung.
Der Grund und das Ziel einer Vergewaltigung liegen in der Machtübernahme, der Entmenschlichung des Gegenübers, im Ausüben absoluter Herrschaft. Man kann das Opfer zu allem zwingen, sogar bis hin zu der Aussage das es den Peiniger liebt. Man manipuliert die Gefühle, spielt mit ihm, bricht es. Dazu ist nicht einmal zwingend die Durchführung des körperlichen Akts nötig.
Selbst eine einmalige Vergewaltigung, kann zum Stockholm Syndrom führen. Alleine das zeigt, wie tief in die Psyche des Opfers eingegriffen wird.
Wer also eine InTime Vergewaltigung allen Ernstes mit Unfällen oder anderen tätlichen Angriffen auf eine Stufe stellt zeigt mir das er nichts, aber auch gar nichts, begriffen hat. Vergewaltigungen zielen auf die Psyche, nicht auf den Körper oder Geldbeutel
Das einzige was man damit vergleichen könnte wären Geiselnahmen und Folter.
Ausgespielte Folter gehört ebenfalls zu den großen NoNos des LARP, und das zu Recht. Geiselnahmen, solange es sich um ein einfaches Festhalten der Person ohne Ausspielen von Psychoterror handelt, halte ich dagegen für weniger kritisch.
Die Wahrscheinlichkeit auf einem LARP mindestens eine Person zu treffen, die schon einmal sexuell belästigt oder vergewaltigt wurde, ist jedenfalls deutlich höher als ein früheres Geiselopfer zu treffen.
Ich behaupte: Wer im LARP eine Vergewaltigung unbedingt ausspielen möchte, oder für seinen Charakter als ausgeführt definieren möchte, ist entweder sehr jung, dumm, unreif und unbedacht oder er möchte sein Gegenüber im innersten Kern treffen.
Mit beidem möchte ich nicht konfrontiert werden.
*4. sexuelle Vergewaltigungsphantasien*
Gibt es.
Bei Mann und Frau. Sowohl als Täter als auch Opfer.
Und die Betreffenden wollen dem Gegenüber dabei oft nicht einmal Leid zufügen.
Wer solche Art Gelüste verspürt, wendet sich bitte an die nächste BDSM-Gruppe seiner Umgebung.
Auf einem LARP hat es dennoch nichts zu suchen, denn auch die goldene Regel bei BDSM besagt, dass niemals Unbeteiligte in ein Spiel mit hineingezogen werden dürfen. Und hier meine ich Unbeteiligte im Sinne des BDSM-Spieles. Als LARPer nehme ich an einem gemeinsamen Rollenspiel teil, mehr nicht.
*5. Charakterspiel*
Ich spiele schon sehr lange Rollenspiele, als Play by Email oder Pen & Paper, und ich habe mehr als einmal geflennt wie ein Schloßhund, weil es meinem Lieblings-Charakter gerade mies ging.
Viele Rollenspieler lassen sich ganz in ihren Charakter hineinfallen, empfinden was dieser empfinden würde.
Und dieses Miterleben und Mitfühlen, könnte dazu führen das sich eine Person als real mißbraucht fühlt. Selbst wenn sie im Vorfeld der Ansicht war, das ihr das überhaupt nichts ausmachen wird.
Und wie oben erwähnt: Die Durchführung des körperlichen Aktes alleine ist nicht ausschlaggebend für den Effekt einer Vergewaltigung.
Ich selbst sollte in einer Theatergruppe eine Vergewaltigung darstellen. Ich war trotz ausführlicher Gespräche mit dem Anleiter und andere Mitgliedern der Gruppe, nicht in der Lage dazu. Es stieß mich zu sehr ab. Das Gleiche trifft auf das LARP zu, zumal es für mich auch absolut inakzeptabel wäre, meinen Charakter mit diesem Erlebnis zu spielen.
*6. Niveau*
Wie auch nur schlechte Filme, Tabus brechen müssen um überhaupt jemanden zu interessieren, brauchen auch nur schlechte Plots diesen Tabubruch.
Sexuelle Nötigungen als Stil- oder Charakterbildungsmittel sind unterstes Groschenheft-Niveau.
Ich wünsche nicht mit Plots auf diesem Niveau belästigt zu werden.
*7. Man kann von vielem traumatisiert werden*
Dies ist Tatsache.
Nur umgekehrt ist die Wahrscheinlichkeit das ein Vergewaltigungsopfer tatsächlich extrem traumatisiert wurde, deutlich höher als bei dem Opfer eines Verkehrsunfalles, eines Taschendiebstahls oder einer Prügellei. Und das auch aus dem Grund, das jeder Mensch einen anderen Menschen versteht, dem so etwas zugestossen ist, während Vergewaltigungsopfer oftmals Ablehnung aus ihrer Umgebung erfahren. Das diesen selbst die Schuld daran zugeschoben wird.
*8. Unsicherheit*
Ich kann auf einem durchschnittlichen LARP mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, das die SL ihre Arbeit gemacht hat und nur Waffen zugelassen hat, die mich nicht schwer verletzen oder töten können. So bin ich also auch ziemlich sicher, dass ich nach der Meuchelattacke auf meinen Charakter im Wald, auch morgen noch aufwachen werde und auch die Wahrscheinlichkeit das ein potentieller Massenmörder ein Fantasy-Setting verwendet um seine Ideen endlich mal in die Tat umzusetzen, ist höchst unwahrscheinlich.
Der Moment, in dem ich aber mit jemandem alleine bin, der ganz offensichtlich ein Vergewaltigungssetting im Kopf hat und der mir nun sagt, das er meinen Charakter vergewaltigen wird.. selbst wenn nicht die Frage nach dem Ausspielen im Raum steht...
Dieser Moment wird mir die Unsicherheit bringen, ob er es auch wirklich dabei belassen wird, oder ob er die Grenze zwischen Spiel und Realität überschreiten wird und mich als Opfer auserkoren hat.
Und selbst der Bruchteil einer Sekunde Unsicherheit ist zuviel.
*9. "Auf einem LARP muß man eben damit rechnen.."*
Definitiv das falsche Argument.
Damit könnte man auch sagen: "So sind Menschen eben" und dann Strafverfolgung und Justiz abschaffen und stattdessen endlich das fröhliche Morden und Brandschatzen ganz offiziell zulassen. Denn es gibt ja offensichtlich seit Jahrtausenden immer wieder Leute die es tun...
Doch ebensowenig wie die Gesellschaft aufgibt und sich versucht vor inakzeptablen Verhaltensweisen zu schützen, ebensowenig darf die LARP-Gemeinschaft aufgeben sich vor inakzeptablem, spielschädigenden Verhalten zu schützen. Und vor allem vor Verhalten das den Spielspaß einzelner über den Spaß der Gesamtspielerschaft stellt.
Was genau zum nächsten Punkt führt:
*10. Minimalkonsens*
Überall wo Menschen zusammenkommen muß es einen Minimalkonsens akzeptierten Verhaltens geben. Und dieser Konsens muß sich am Maßstab des Empfindlichsten der anwesenden Menschen messen. Tut er das nicht, ist eine Verletzung eben diesen Menschens höchst wahrscheinlich.
Der LARP-Minimalkonsens ist für mich sehr gut im LARP-Wiki zusammengefasst: TuDasNicht bzw. die Kommentare zu TuDasNicht.
Weicht der Minimalkonsens der Veranstaltung von den dort erwähnten 12 Punkten ab (Alkohol, Allergien, Defekte Polsterwaffen, Drogen, Kinder ohne Aufsicht, Hunde ohne Aufsicht, Wildschweine ärgern, Lustige Charaktere auf Kosten möglicherweise Anwesender, Darstellung von Realreligionen, Magische Rituale mit außenstehenden Zuschauern, Darstellen von Folter, Darstellen sexueller Gewalt) so ist es in der Pflicht des Veranstalters dies vorher in angemessener Form anzukündigen und sich gegebenenfalls auch von den Teilnehmern unterschreiben zu lassen.
(Und nein das ganze gehört nicht ins Kleingedruckte der AGBs)
Nur so kann verhindert werden, das Spieler entweder den Minimalkonsens verletzen, oder Spieler auf ein LARP geraten, das ihre Ansichten deutlich überstrapaziert.
Jeder Spieler der den Minimalkonsens eines LARPs verletzt muß meiner Ansicht nach von der Veranstaltung entfernt werden. Das liegt in der Pflicht der Orga, die zwar mit einer selbstverantwortlichen Spielerschaft rechnen kann, aber diese auch nicht jeder Gefahr aussetzen darf.
*11. Wer ein Trauma erlitten hat, sollte einem LARP fernbleiben*
Abgesehen davon wie menschenverachtend ich diese Aussage finde, aber das habe ich schon an anderer Stelle geschrieben, sind Traumata ziemlich gemeine Gesellen.
Wahrscheinlich ist sich ein Großteil traumatisierter Menschen nicht bewusst, was da in ihrem Unterbewustsein lauert und das muß auch nicht mit Gewalt an die Oberfläche geholt werden.
Opfern Schuld oder die Verantwortung in die Schuhe zu schieben, sie dauerhaft dazu zu zwingen ein abgekapseltes und nicht normales Leben zu führen, sie zu zwingen alle Situationen zu meiden die sie auch nur im Entferntesten verletzen könnten, und das nur um den eigenen - merkwürdig definierten - Spaß an vorderste Stelle zu schieben. Diese Denkweise liegt irgendwo zwischen erschreckender Gedankenlosigkeit und sträflichem Egoismus.
*Zuletzt:*
LARP bedeutet Rollenspiel. Es ist ein Gemeinschafts- und Teamspiel. Es bedeutet nicht das ich mein Hirnkino durchsetzen muß und alle anderen müssen mitmachen. Es bedeutet nicht das ich dort alles mal haben muß das zuhause unanständig oder verboten ist. Es bedeutet nicht sich über die allgemeinen Regeln des Zusammenlebens hinwegzusetzen. Es bedeutet nicht das ich dort mal so richtig niveaulos sein darf, weil das sonst ja nen schlechten Ruf macht, aber auf einem LARP cool ist.
Es bedeutet nicht das ich meinen Charakter mal all die Dinge machen lassen kann, die mir sonst verboten sind oder für die ich im wahren Leben sofort in den Knast wandern würde.
Wer wirklich rollenspielt weiß wann er dunkle, böse Elemente einfügen kann, wann sie tatsächlich dem Spiel dienen, und wann es einfach mal zuviel ist. Wer drauflosspielen will, ohne sich Gedanken zu machen wie sein Spiel auf die Mitspieler wirkt, ist in einem Gemeinschaftsspiel falsch und kauft sich bitte einen Ego-Shooter.
Ich für meine Person, möchte nicht mit einer Vergewaltigung InTime konfrontiert werden. Wer auch nur nachfragt ob eine solche für mich ok wäre, muß damit rechnen, das ich schon die Frage als sexuelle Nötigung werte.
Ich bitte Veranstalter ausdrücklich, auf Conbeschreibungen auch ihre Einstellung zu derartigen Plots darzulegen.
Alle die begonnen haben über das Thema nachzudenken, die ihre eigene Position überdenken, können sich zum Beispiel auf Selbsthilfe Mißbrauch weiter informieren. Es schadet nicht, denke ich.
Alle andere, die weiterehin Vergewaltigung als akzeptierten Plot- oder Charakterbildungs-Bestandteil sehen wollen, bitte ich um folgendes: Schreibt mir an bleibdaweg (at) mela.de auf welche Cons ihr geht. Denn ich will da nicht ausversehen hingeraten.
In meiner Umgebung befinden sich definitv zu viele Opfer realen Mißbrauchs, als das ich nicht beim Trösten des nächsten Opfers das reale Heulen bekommen würde. Und schon gar keine Lust habe ich, wegen solchen Un-Plots, mein eigenes Spiel abbrechen zu müssen.
P.S.: Die Kommentare zu diesem Artikel sind deaktiviert. Es gibt für mich bei diesem Thema nichts zu diskutieren. Ich finde InTime-Vergewaltigungen inakzeptabel und das wird sich durch alles totreden nicht ändern.
P.P.S: Ich möchte mit diesem Artikel die Schwere anderer Verbrechen auf gar keinen Fall herunterspielen. Nicht umsonst gibt es Opferhilfeverbände. Jedes Verbrechen ist eines zuviel.
*Nachträglicher Gedanke:*
Ich denke langsam, das es die falsche Fragestellung ist warum man IT-Vergewaltigungen nicht zulassen sollte.
Die einzig richtige Fragestellung wäre: Warum willst/brauchst du InTime-Vergewaltigungen und wieso?
OT-Bericht Grimboldseck: Es hätte ein wirklich schönes Con sein können, aber...
Nach zehn Tagen LARP hat man viel zu erzählen. Positives und negatives. Ich möchte das Con Grimboldseck nicht verdammen, aber im Rückblick gesehen halten sich die positiven und negativen Anteile eher die Waage, so das ich meine Haltung höchstenfalls neutral nennen kann, aber weder begeistert noch *angepisst*
Vorweg. Grimboldseck hat mich in dem Gefühl bestätigt das es keine ideale Con-Länge über einem und unter vier Tagen gibt. 'Drei' Con Tage scheinen den meisten Veranstaltern verlockend, weil es eben genau ein Wochenende darstellt.
Anreise nach der Arbeit oder Schule (Trugschluß, wenn das Con nicht gerade vor der Haustüre liegt) und Abreise bevor der Alltag wieder beginnt. Doch in Wahrheit kommen nur die Leute früh am Veranstaltungsort an die entweder wirklich vor der Haustüre wohnen oder sich den Tag frei genommen haben. Der Rest hat am Freitag nur ein wenig gehetztes Rollenspiel, bei dem man sich noch nicht vom Aufbau erholt hat.. oder von Leuten umgeben ist die immer noch magenknurrend mit dem Gestänge ihres Zeltes kämpfen.
Drei Tage bedeutet: Freitags ein bisschen Plot, Samstags Plot, Sonntags geht eh kein Schwein mehr IT.
Auch ich habe es mir abgewöhnt Sonntags nochmal Gewandung überzustülpen und nach IT-Willigen Ausschau zu halten. Wozu auch? Es gibt schliesslich keine.
Alle wollen nur heim, den Kram verstaut haben bevor die Woche beginnt, und den Tag gemütlich vor dem TV ausklingen lassen.
Bei Ein-Tages LARPs (auch LARPi genannt) weiß man worauf man sich einlässt. Die Anreise ist ein fixer Termin. Wer später kommt hat Pech oder muss sehen wie er den Char noch in den Plot bekommt.
Der Plot selbst ist entweder sehr dicht und rasant.. oder nicht vorhanden. Gewandungsgrillen eben.
Ein Ein-Tages LARP lohnt wirklich nur, wenn man nicht weiter als vielleicht eine Stunde zu fahren hat. Und man muß auch nicht den gesamten Krempel mitschleppen. (Es sei denn man wird von den Ulmern so lieb angeglubscht..
Drei Tages-Cons verleiten einen zu der Annahme das sich auch eine Anreise über 300km lohnt. Dem ist nicht so, definitiv. Zwischen An- und Abreise, Auf- und Abbau, Nahrungsversorgung, Körperpflege, Schlaf und Plot passt kaum echtes Charakterspiel und schon gar keine Charakterentwicklung. Jedenfalls dann nicht, wenn man diese nicht mit fünf ausgespielten Minuten und ein paar Sätzen abtun will.
Auch der von vielen Regelwerken geforderte IT-Erwerb von neuen Fähigkeiten.. Wann denn?
Natürlich gibt es Spieler die, zugunsten von Plot und Charakterspiel, auf Nahrung, Schlaf und Körperpflege verzichten, aber das ist nun wirklich nicht meine Kragenweite, sorry.
Bei Cons ab vier Tagen, hat man zumindest einen Abend und zwei volle Tage zum Spielen. Hier passt schon einen ganzen Tag mehr Charakterplay rein. Noch ein paar Tage mehr schaden auch nicht, wenn man wirklich viel und intensiv spielen will.
Zehn Tage waren mir selbst nun etwas zu lange, aber für einmal im Jahr auch ganz nett.
Jedenfalls bietet ein 10-Tages Con Möglichkeiten die man sonst einfach nicht hat. Dies erkannte man auch in der Ausstattung die nicht nur Autoweise, sondern Anhänger- oder Transporterweise herangeschleppt wurde.
Stühle, Tische, Riesenzelte, ganze Herde oder komplette Feldküchen, Planen, Sonnensegel, Camouflage für alles das zu modern aussieht, bis hin zu einer Dusche mit Sichtschutz...
Wer wirklich ganz aus der Realität abtauchen möchte, für den ist ein Con über diese Länge sicherlich ideal.
Doch nun zum Con selbst.
Ich habe in diesen 10 Tagen wirklich schönes Charakterspiel gesehen. Bei einigen, nicht bei allen Teilnehmern, denn die OT-Blasen hatten leider teilweise Ausmaße von Lagergröße. Ich konnte neue Leute kennen- und schätzen lernen. Ich habe sehr viel Freundlichkeit erfahren, Annahme und Unterstützung, aber auch das Gegenteil. Ich hatte Spaß, habe meinen Charakter (hoffentlich) erfolgreich ausgespielt.. konnte sie sich ein wenig entwickeln lassen (zuviel und zu schnell möchte ich ja auch nicht) und bin gefühlsmässig so tief in sie hineingekommen wie noch nie vorher. Auch und vor allem der Verdienst der daran teilhabenden Spieler/Charaktere. Ich habe mich selbst in gewisser Weise besiegt. Nicht aufgegeben, obwohl ich nahe daran war, und bin nun hinterher, trotz der langen Dauer, nicht komplett platt und erholungsbedürftig.
So merkwürdig sich das anhören mag.. ist es doch für mich ein Erfolg.
Die Umgebung in der wir spielten - Neustadt, nahe Niedersachswerfen, nahe Nordhausen (die Stadt aus der der Nordhäuser Doppelkorn kommt, (welcher sicher bekannter ist als die Stadt)) - war wirklich wunderbar. Obwohl der Grillplatz Zapfkuhle, und die von uns bespielten Wiesen und der Wald drumherum, gerade eine Steinwurfweite hinter dem Ortsausgang lagen, war von der Zivilisation nicht mehr so wahnsinnig viel zu spüren. Jedenfalls wenig genug um sich nicht aus der Illusion reissen zu lassen. (Zumindest wenn man Ignoranz 500 auf herumstehende Spielerautos besitzt).
Weniger wunderbar waren die Myriaden an Krabbelzeugs, welches sofort alle Zelte okkupierte, bis in die letzte, noch zusammengefaltete Socke kroch und welches man als Heiler erst mal im Dutzend von dem vor wenigen Sekunden zu Boden gegangenen Krieger schubsen musste, bevor man sich traute auch nur Hand an ihn zu legen
Die im Vorfeld angedrohten Wespenhorden stellten sich im Nachhinein zum Glück als harmlose, wenn auch bösartig aussehende, Schwebfliegen heraus, somit konnte mein Injektor auch während des gesamten Cons in der Tasche bleiben.
Der Plot war.. naja. Wie immer interessierte mich der Plot nicht die Bohne, und was ich so davon mitbekam reizte mich auch nicht, das in irgendeiner Form mal zu ändern. Aber vielleicht mag mir mal jemand bei Gelegenheit und einem Glas Wein erklären, warum Götter Menschen (oder andere Wesen) brauchen die ihnen nun sagen ob sie gut oder böse sein sollen.
Erstaunlich erfreulich war wieder die Toilettensituation. Obwohl meine Ekelschwelle extrem niedrig ist, fande ich die Dixies immer noch erträglich. Vermutlich weil sich kein Spieler irgendwie gehen ließ. (Oder ich immer nur auf dem für Frauen ausgewiesenen Klo war?
Jedenfalls danke dafür.
Was also waren die Mali des Cons?
*Malus 1: Beschreibung*
Im Vorfeld war nur wenig über den Con zu hören. Wenig über die Situation. Wenig über die Ausgangsbasis des Plots, was mich mal wieder in Schwierigkeiten brachte mir einen plausiblen IT-Grund auszudenken was mein Charakter da in aller Welt überhaupt will, statt sich irgendwo eine schöne warme und trockene Bibliothek zu suchen.
Auch sonst über Duschmöglichkeiten, Platzgegebenheiten, oder gar die Ausrichtung des Cons (viele oder wenig Kämpfe, viele oder wenig Magie, Ambiente- oder Schlachten-Con) war kaum etwas zu erfahren. Ein paar Worte auf der Webseite hätten das ja nun wirklich geklärt.
Hier schlich sich schnell der Eindruck ein, das der Con mehr für 'Friends & Family' bestimmt war, als für den dahergelaufenen Feld-, Wald- und Wiesen-LARPer. Für Gäste die ohnehin, schon aus früheren Jahren wissen was sie erwartet und keine Antworten mehr benötigen. Auch das hätte erwähnt werden sollen, oder besser noch.. man macht einen Einladungs-Con.
*Malus 2: Lagerspaltung*
Vielleicht der dickste Malus, der mich eigentlich beinahe jeden Tag in irgendeiner Form aufgeregt hat.
Es gab 3 Haupt-Lager.. insgesamt vielleicht 4 bis 7 zählt man reine NSC-Lager oder Klein- und Kleinstlager dazu. Aber nicht die räumliche Trennung war das Problem. Die Trennung in den Köpfen der Spieler war es.
Beheimatet war ich ja im vorderen Lager. Das Lager welches die hinteren Lager.. oder eines davon.. welches auch immer.. In-Time, wie auch Out-Time als Loser-Lager bezeichnete. Hallo?
Irgendwie dachte ich immer wir spielen LARP miteinander und nicht gegeneinander.
Und selbst wenn es persönliche Vorbehalte zwischen den Spielern der unterschiedlichen Lager gab, warum wurden die ins Spiel mit hinübergezogen?
InTime fand ich es absolut ober-unlogisch, das einzelne Lager beinahe von den anstürmenden Gegnern aufgerieben wurden, was dem Rest nur ein desinteressiertes Schulterzucken entlockte.
Das die Versuche des hinteren Lagers in irgendeiner Form am Plot teilzuhaben, bzw. ihre vielfachen Versuche Unterstützung anzubieten immer sang und klanglos abgeschmettert wurde, das sie zu Beginn beinahe plotlos verhungern lassen wurden, ist beschämend.
Ich kann dem hinteren Lager nur Repekt entgegenbringen, das sie es, trotz der frostigen Haltung von vorne, immer wieder versucht haben.
*Malus 3: Charakter kaputtmachen*
Bereits an einem der ersten Tage starb ein Charakter durch eine Spieler gegen Spieler-Aktion. Kurz, ein Meuchler wurde auf den Charakter angesetzt.
Soweit so gut.
Interessanterweise war es der dritte Charakter dieses Spielers, der von exakt der gleichen Spielerschaft um die Ecke gebracht wurde. Oder bringen gelassen wurde. Das ganze aus purem 'Nicht leiden können' des Spielers. InTime kannten die Charaktere der Spieler, den anderen Charakter nicht einmal, hatten also schlicht keinen Grund ihn töten zu lassen.
Diese ganze Aktion ist pure Niedertracht, kein Rollenspiel.
An dieser Stelle hätte ich mir eine starke Spielleitung gewünscht, die ein Machtwort spricht.. oder unfair spielende Teilnehmer des Cons verweist.
*Malus 4: Vergewaltigung*
Einer der wohl meistdiskutierten Punkte beim LARP ist das sogenannte 'Schänden' das für einige - entschuldigt - Idioten wohl dazu gehört. Mit klugen Begründungen wie 'Das war damals aber so'. (Wann auch immer 'damals' bei einem Fantasy-Setting war)
Für mich persönlich gehört das Thema nicht und tausendmal nicht auf ein LARP.
Vergewaltigung ist in unserer Gesellschaft eine traurige Tatsache. Was bedeutet das es Frauen gibt denen es real zustösst. Nicht im Spiel in dem kein Blut fliesst und niemand wirklich etwas geschieht. Real, wirklich, brutal.. mit allen Folgen für Körper und Seele.
Alleine die Erwähnung das eine Vergewaltigung stattgefunden hat, kann für eine Betroffene erneut traumatisch sein, alles Erlebte noch einmal hochholen und damit Wunden aufreissen, die weit über das LARP hinaus nachwirken. Und das sollte auch dem dümmsten Spieler einleuchten.
Auf dem Grimboldseck fand nun eine InTime-Vergewaltigung statt.
Ich habe keine Ahnung wer auf die Idee kam, ob es der Spieler des ausführenden Charakters war.. oder die besonders widerwärtige Vorstellung eines Plots...
Jedenfalls hätte ich mir auch in diesem Fall eine starke Spielleitung gewünscht, die diesen Plot unterbindet und die Verantwortlichen aus dem Spiel entfernt.
*Malus 5: Plot bunkern*
Vorweg. Dieser Punkt hat mich persönlich nicht gestört. Allerdings habe ich eben von aussen beobachtet und mir so meine eigenen Gedanken dazu gemacht.
Im Verlauf des Cons erhielt man den Eindruck, dass das komplette Con lediglich für Spieler/Charaktere geschaffen worden war, die eng mit dem Ober-SL verbandelt waren. 'Friends & Family' eben.
Dagegen spricht im Prinzip nichts. Doch wer ein Con für 100 Leute (oder wieviele es auch immer waren) ausrichtet, hat auch gegenüber 100 Personen eine gewisse Verpflichtung. Und nicht nur für 50 von ihnen.
Doch scheinbar wurden auch Angebote von Plotwilligen zur Mitarbeit immer wieder abgeschmettert. Man wollte unter sich bleiben.
Wer einen Con nur für Freunde veranstaltet, sollte es bei einem Einladungscon belassen.
Alles in allem waren es vermeidbare Probleme. Oder Probleme die mit beherztem Einschreiten einen weniger schalen Geschmack hinterlassen hätten und die Waage des Con-Eindrucks auf die Plus-Seite befördert hätten.
Doch so bleibt es.. Neutral.
Wer sich gerne die Bilder komplett herunterladen möchte, kann dies hier tun: grimboldseck.zip
Das Archiv enthält die Bilder in Originalgröße und ist daher sehr umfangreich. 124MB Download.
Eine übersichtliche Galerie findet sich hier: Grimboldseck 6 - 2005
Ausserdem: InTime-Vergewaltigungen, das letzte Statement.
Aura der Dekadenz
Wieder einmal waren wir auf Wanderung.
Mitten in einer dunklen Nacht trafen Gwydion und ich, Insa Huttenrauch, Apothekerin, in Grimboldseck ein. Blitze umzuckten das Lager all jener die von merkwürdigen Träumen oder ihren Freunden hierhergerufen worden waren und vom Himmel stürzende Regenfälle hießen einen alles andere als willkommen.
So mußte erst der Morgen grauen, bevor wir die Gruppe aus Melekahrt um Shiraniya und Rehain begrüßen konnten, die ich vor wenigen Wochen bei einem Grenzposten Maraniens verlassen hatte, um von Gwydion zu einer Feier von Freunden entführt zu werden.
Bis auf ein mulmiges Gefühl im Bauch hielten sich meine Visionen zum Glück in Grenzen. Vielleicht hatten wir ja Glück und es würde gar nichts geschehen. Die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt.
Doch das Glück sollte nicht bis zum Abend vorhalten. Schon bald traf die erste Armee Untoter auf unser Lager. Natürlich ausgerechnet während ich versuchte das Abendessen zuzubereiten.
Jedoch waren viele mächtige Krieger und Magier anwesend, so dass die erste Welle schnell zurückgeschlagen war... Dennoch entschloß ich mich - in weiser Vorraussicht wie sich herausstellen sollte - auf Gwydions Drängen zu hören, und mein einziges Erbe, das Handwerkszeug einer Apothekerin, auszupacken und Heiltränke zu brauen.
Nur widerwillig ließ ich mich immer wieder von meinen Gefährten in die relative Sicherheit des Zeltes schicken, fühlte ich mich mehr für die Verwundeten draussen verantwortlich. Doch ich mußte bald einsehen, dass meine Hilfe vorerst nicht von Nutzen war, nein, meine Unerfahrenheit und meine Abneigung gegenüber dem Führen einer Waffe nur zusätzliche Sorge und Mühe für meine Begleiter bedeutete.
So bekam ich auch vorerst nicht viel von der Umgebung zu sehen, geschweigedenn die Möglichkeit im Wald nach Kräutern zu suchen, um meine schwindenden Bestände aufzufüllen. Stellte doch selbst der Weg zu den Latrinen oder zum Wasserholen eine unkalkulierbare Gefahr für Leib und Leben dar.. und wie wir in den Tagen darauf spüren sollten auch für den Geist.
Die Zeit floß dahin, auf beunruhigende Weise gleichförmig. Solange das Lager unter hellem Sonnenlicht lag, konnte man seinem Handwerk, der Körperpflege oder anderen Tätigkeiten nachgehen. Begann die Sonne jedoch vom Zenit zu sinken, so mußte man glücklich sein, bereits - und nicht zu schwer - gespeist zu haben, denn das war die Zeit der Untoten-Horden.
Am Rande erfuhr ich von meinen Begleitern, dass hier Aufgaben gestellt wurden, die unsere Lager zu erfüllen hatten, gemeinsam, sowie jeder einzelne von uns für sich.
Der Wolfsschamne Rehain schließlich verkündete, dass jeder von uns herausfinden müsse, welches seine Aufgabe sei und diese nach bestem Wissen und Gewissen erfüllen solle.
Wie so oft war es jedoch nicht nur die Gefahr von aussen, die uns zum Verhängnis zu werden drohte. Vielmehr war es Zwist im Inneren, der die, auch räumlich getrennten, Lager erfüllte und somit schwächte.
Ich nutzte die ersten Tage neben meinen üblichen Tätigkeiten am Kochtopf und dem Reagenzkolben, auch zum Lernen. Im Kosmischen Centrum, der Heimat des Rates von Grimboldseck und einem Hort des Wissens, konnte ich mein Wissen der Alchimie um Mittel gegen seltene und exotische Leiden erweitern. Man braucht kein Großmeister zu sein um zu ahnen, dass die Rezepte nicht weniger exotisch und kompliziert ausfielen...
Ich erhielt die Chance, nicht nur meine alchimistischen Fähigkeiten zu vervollkommnen. Auch mein rudimentäres magisches Talent, welches sich scheinbar jeder allgemeingültigen Definition und Ausbildung entzieht, sollte nicht zu kurz kommen. Ein Omnimagus, dessen Schüler Hilfe benötigte, die Aufgabe zu erfüllen, die ihm gestellt wurde, um überhaupt erst in den Genuß der Ausbildung zu kommen, nahm mich ebenfalls für eine Lehrstunde an, nachdem Gwydions Einsatz dem Magier-Lehrling die Stunde ermöglichte.
Die angekündigte Stunde in Heilmagie stellte sich als Unterricht in der Kunst der Wiederbelebung heraus und zwei Schüler wurden geradezu mit dem Wissen über ein sehr komplexes und schwieriges Ritual bombadiert.
Immer noch wünsche ich mir, dieses Wissen niemals zur Anwendung bringen zu müssen, ist doch der Preis, den der Tote und alle Freunde, die seine Wiederkehr unterstützen, zahlen müssen unvorstellbar hoch.
Eine weitere Lektion nahm ich nur widerwillig hin. Noch des Tags, bevor die Untoten erneut durch das Lager ziehen würden, nutzte eine Gruppe Orks die Abwesenheit der meisten Krieger, um ungehindert bis ins Innerste vorzudringen. Wie auch in Maranien kannten sie keine Rücksicht auf Frauen oder Unbewaffnete und die Nähe zum Kosmischen Centrum, sowie das Können der dort beheimateten Heiler, rettete vermutlich mein Leben.
Allerdings gewährte mir dieser Moment höchster Panik und Hilflosigkeit den Zugriff auf mein Talent und es gelang mir - wenn auch noch sprunghaft - einen Schutz um mich herum zu wirken, der einen Angreifer wenigstens für einen Moment auf Distanz zu halten in der Lage ist.
Erst nach Tagen schien auch ich die Aufgabe zu finden, die mir an diesem Ort zugedacht war. Während sich im vorderen Lager so mancher Großmeister tummelte, brachte der an diesem Ort herrschende Zwist die Bewohner des hinteren Lagers Mal um Mal in höchste Lebensgefahr. Zwar waren auch hier starke Magier und Krieger vorhanden, doch war ihre Zahl insgesamt zu gering, um den anrennenden Massen wieder und wieder erfolgreich entgegentreten zu können.
Gebunden an unser Verständnis von Ehre verstärkten wir das Lager, in dem Adel und Gemeine friedlich und voller Respekt nebeneinander lebten, zumindest in der Tageszeit der schlimmsten Angriffe.
Wie verwunderlich war diese Zusammenstellung verschiedenster Stände und Wesen. Aber doch, oder gerade deswegen, offen und freundlich.
Galt es im vorderen Lager vor allem, sich schnell und unkompliziert zu ernähren, wurde im hinteren Lager immer wieder sowohl der Koch- als auch der Lebenskunst gehuldigt. (Kein Wunder, bedenkt man, dass die dortige Wandertaverne von einem Hobbit geführt wurde)
Die Angreifer fanden sich hin und wieder unerwarteten Schwierigkeiten ausgesetzt. So zum Beispiel der 'Aura der Dekadenz' oder dem 'Schutzkreis der heiligen Culinaria'.
Wurden sie von den Untoten - die eigentlich von zwei angrenzenden Ländern gegeneinander ausgeschickt wurden, aber auch völlig Unbeteiligte angingen - zwar schwer gebeutelt, so verloren die Bewohner hier jedoch nie Mut, Humor oder Lebensart.
Die anwesenden Adeligen erwiesen sich als wahrhaft adlig und gute Anführer, die nie hinter den Gemeinen zurückblieben, aber mit kühlem Kopf den Überblick bewahrten.
Für mich ergab sich auch hier noch einmal die Möglichkeit, von einem Großmeister näher zu meinen Fähigkeiten geführt zu werden und vielleicht nicht nur mir selbst, sondern auch anderen einen stärkeren Schutz vor Gefahren zukommen lassen zu können. Ebenfalls wurde ich in die Geheimnisse der Gestenmagie eingeführt. Eine Magieform, die mir vielleicht von Nutzen sein wird, da mir der Weg der Worte ja verschlossen ist.
So überstanden wir alle Aufgaben recht gut, selbst den Tag, als ein mächtiger Gegner in einem ebenso mächtigen Ritual besiegt werden sollte. Erst als wir dachten, dass nun alles gut würde, lichtete eine simple Räuberbande, nachdem uns eine scheinbar hilfesuchende Frau in eine Falle gelockt hatte, unsere Reihen dermaßen, das wir nur mit Müh und Not überlebten.
Nach dieser letzten Aufgabe trennten sich unsere Wege. Ich hoffe, dass wir uns einmal unter angenehmeren und weniger gefährlichen Umständen wiedersehen werden.
Insa Huttenrauch
Lebenszeitverschwendung

Der Abend gestern war so richtig für den Arsch.
Zwecks Teilnahme an einem LARP das nicht nach dem von mir innig geliebten DKWDDK spielt, mußte ein Charakterbogen entworfen werden. Zuerst stellte sich die Frage: Welches System ist geeignet die Hintergrundgeschichte des Charakters - die für mich eigentlich alleine spielentscheidend ist - abzubilden?
Und ich bilde mir ein keinen 'komplizierten' Charakter erschaffen zu haben. Nur eine Hintergrundgeschichte die erklärt warum sie verdammt nochmal 30 Jahre ihres Lebens kaum vor die Türe gekommen ist, bzw. erst mit 30 Jahren auf Wanderung ging.
Eine Erklärung die von den meisten Veranstaltern irgendwie erwartet wird, und die bitte nicht zum 1000. Mal auf "Meine Familie wurde von Orks getötet, deswegen habe ich mir geschworen diese bis zum letzten Ork zu jagen" lauten sollte.
Die Antwort die ich mir am Ende des Abends geben mußte: Keines.
Aber erst einmal ein paar ketzerische Gedanken:
Wer schreibt LARP-Regelwerke? Meiner bescheidenen Meinung nach: Leute, welche die meisten LARPer für Deppen halten und nicht wollen das Hinz und Kunz zu mächtige Charaktere spielen. Und schon gar nicht mächtiger als die Autoren selbst und deren Freunde.
*Wer besteht auf LARP-Regelwerke?*
Meiner bescheidenen Meinung nach: Leute, welche die meisten LARPer für Deppen halten und nicht wollen das Hinz und Kunz zu mächtige Charaktere spielen. Und schon gar nicht mächtiger als sie selbst und Ihre Freunde.

Gerade bei den restriktivsten LARP-Systemen, die am krampfhaftesten versuchten 'pappnasiges' Verhalten zu unterbinden und durch hohe Kill-Rate bei ihren LARPs versuchten keinen Charakter zu mächtig werden zu lassen, habe ich die - entschuldigt - idiotischsten und unglaubwürdigsten Charakterkonzepte kennengelernt.
Geist-Vampir-Halbgott-EierlegendeWollmilchSau.. is' recht.. wir müssen uns alle mal toll fühlen..
Seien wir ehrlich. Die LARPer Szene wimmelt vor Selbstdarstellern und anderen charakterlichen Macken. Und besonders toll steht man eben da, wenn man selbst Prinz Großkotz ist, oder mit einem Fingerschnippen die ganze Angriffswelle Orks umfallen lassen kann, und alle anderen nur unwichtige Würmer.
Punktebasierte Regelwerke verhindern das nicht einmal eine Winzigkeit. Sie sorgen nur dafür das nur die Leute solche Fähigkeiten bekommen, welche die Autoren - oder die jeweiligen Veranstalter - für richtig halten.
Und sind bei denen übermächtige, großkotzige Charaktere nicht genauso nervig? Eben.
Bei punktebasierten Systemen kommt nur dazu, das die Spieler die Punkte ja regulär erworben haben, man also viel seltener auf die Bereitschaft zur Selbst-Restriktion trifft, als es bei DKWDDK die Regel ist.
Aber statt auf die Vernunft und das 'am eigenen Zügel nehmen' der Spieler zu vertrauen, wird versucht die gesamte Facette des Fantasy-Lebens auf 100 Seiten zu pressen.
Es gibt immer mehr als einen Weg eine Sache zu lösen, ein Problem anzugehen. Doch statt auf die Phantasie der Spieler zu setzen, liefert mehr als ein Regelwerk gar genaue Anleitungen mit wie ein Zauber auszuführen oder auszusprechen ist, wie lange ein Trank benötigt und welche Inkredenzien man dazu braucht. Auf das man ja kein Quentchen Kreativität und Eigeninitiative verschwendet, denn irgendeine überarbeitete SL wird schon noch die richtigen Plastikpflanzen im Wald versteckt haben.
Und Charaktere die mit 17 Lenzen schon 50 Jahre Erfahrung aufweisen, sind lächerlich ob punktelos oder nach Punktesystem gespielt. Aber ein Spieler der erst in weniger jungem Alter zum LARPen kommt? Oder ein älterer Spieler der einen neuen Charakter erschafft?
Nach dem meisten Regelwerken darf der Spieler bei Null beginnen.
"Hallo, ich habe zwar Bart und Falten, aber ich bin gerade das erste Mal aus meinem Loch im Boden gekrochen, indem ich die vergangenen 35 Jahre die Wände angestarrt habe?"
Es kommt ja gar nicht auf die Punkte an, sondern auf das Spiel. bekommt man dann entgegengerufen.
Stimmt. Aber wozu muß ich mich dann durch krude Regelwerke quälen, die mir sklavische Zeitangaben zum Verbluten geben, verwirrende Berechnungen im Tranksystem und einschränkenden Kombinationen - in einem System gibt es keine Charaktere ohne Magie, in einem anderen darf ein Alchimist nicht auch magisches Talent besitzen. Warum sollte eine Apothekerin mit mindestens 15 Jahren Ausbildungszeit, untätig am Daumen nuckeln, wenn gerade dringend ein starkes Gegengift benötigt würde.. nur weil sie leider, leider, leider nur drei Lehrlingstränke kennen darf?
Wozu die ganzen Diskussionen "Das steht aber gaaaa nicht in den Reeeegeln." wenn es doch nur ums Spiel geht?
Passt die Vielfalt des Lebens und der Phantasie wirklich zwischen zwei Buchdeckeln? Dürfen sich regelgeile Spieler und SL nicht selbst an die Nase fassen, wenn Spieler mit immergleichen Ideen und Vorstellungen ankommen? Wenn das Ausspielen zwischen Rechnerrei- und Punkteschieberei nur noch zum überflüssigen Balast wird?
Oder schlimmer noch: Einfach uninteressant, weil man nicht zum 1000. Mal Credo magicam perdo carzum herunterbeten möchte, aber jede Abweichung davon ein "Das steht aber so gaaaaa nicht in den Reeeeegeln" hervor bringt?
Um es kurz zu machen:
Mir ist mein Leben zu kurz um noch einen weiteren Abend mit dem erfolglosen Wälzen von Regelwerken zu verbringen. Festzustellen das mein - meiner Meinung nach schlichter Charakter - in seiner Kombination oder vor allem in der Darstellung die ich mir vorstelle, nicht vorgesehen ist.
Ich möchte auf ein Con gehen, weil mir die Spieler und die SL liegt. Nicht nur auf solche, nach deren Regelwerk mein Charakter entworfen ist.
Wenn die Fähigkeiten meines Charakters scheitern sollen, dann werden sie das, weil ich, oder die SL, es in der Situation für angemessen halten, nicht weil ich ungeschickt mir Murmeln gefummelt habe.
Ein Magier oder Alchimist der von ausgeführten Zaubern oder gebrauten Tränken bei 2en patzt, würde in der Realität auch kein sehr alter Zauberer oder Alchimist.. - Wir können das gerne mal beim Autofahren durchexerzieren: Einer von 10 Bremsvorgängen geht schief... (das Problem der Überbevölkerung hätten wir dann schon mal effektiv gelöst)

Und wer glaubt, es ginge nicht ohne Regelwerke, weil eh alles Idioten sind, wird auch nur Idioten zu sehen bekommen.
In diesem Sinne: Für mehr Phantasie im LARP.
P.S.: Eigentlich gäbe es hier noch viel mehr zu sagen. Zur unsinnigen Regel das jeder Fähigkeitengewinn im LARP ausgespielt werden muß, was zu lächerlichen 'bring mir das mal schnell bei'-Szenen zwischen Tür und Angel führt... das man nur eine bestimmte - sehr geringe - Anzahl Tränke am Tag brauen kann weil.. ja warum? Weil der Bunsenbrenner gewerkschaftlich zugesichert 22 Stunden Pause am Tag erhält? Das Regeln selbst gute und verantwortungsbewusste Spieler zum mogeln verleiten.. Aber eigentlich ist die ganze Diskussion so sinnlos, wie einen Abend Regeln zu wälzen.
Danke, Österreich!
Im Moment scheine ich mit LARPs kein Glück zu haben.
Seit Oktober freue ich mich auf das Anorien, vor allem wegen der netten Orga und den meist vernünftigen Spielern (sowie vernünftigen NSCs). Nun, zwei Tage vor Beginn, mußte das Con abgesagt werden.
Warum?
Durch die wunderbare Almgegend in der das Con seit Jahren stattfand, baut die österreichische Landesregierung eine Straße. Wohin? Keine Ahnung. Wozu? Auch keine Ahnung. Allerdings verschandelt sie die Gegend dort ganz enorm.
Und sie läuft direkt an dem ehemaligen Bauernhaus vorbei... oder sollte laufen.
Letztes Jahr endete die Straße ca. einen Kilometer vor dem von uns bespielten Ort und die Bauarbeiten waren eingestellt. Geldmangel.
Der Weiterbau war nicht abzusehen und wurde auch nirgends angekündigt. Vor zwei Wochen gab es noch kein einziges Anzeichen das die Bauarbeiten wieder aufgenommen würden.
Nun scheint das Geld wieder zu fliessen und ohne die (zahlenmäßig geringen) Anwohner zu informieren führte man die Bauarbeiten fort.
Das Ergebnis: Kein Spiel mehr möglich. Super.
*Vorher-Nachher-Impressionen:*
Vorher:
Nachher:
Vorbereitung aufs nächste LARP...
Eine ärmellose Tunika, aus ungefärbtem Leinen. Wird warm werden...
Und jetzt kipp ich erst mal ins Bett gähn
Und jetzt kipp ich erst mal ins Bett gähn
Monsters Game
Wer der Meinung ist, das man bei diesem Wetter nicht mehr als die Finger bewegen sollte, kann sich den Hitzeschock ja etwas mit einem Online-Browser Rollenspiel versüßen:
In Monsters Game wirst du gebissen und damit zum Vampir und mußt in der Folge um dein Leben und neue Reichtümer kämpfen. Sowohl gegen anderen Vampire, als auch gegen Werwölfe.
Somit scheint mit das ganze lose auf der 'Word of Darkness' zu basieren.
Have Fun.












