Entries tagged as medien
allgemeinwissen annoyances bildung dummfug gesellschaft haribo werbung alltag abgebrannt aktion angina arbeit aufräumen autofahrer banken bild blogger burg chaos dhl diagramm discount24 eckenfels eltern fail fehler frust geek kochbuch geekenfels green plug haushalt hilfe hitze internet it karlsruhe kinder kleingeld kopf kundendienst kundenfreundlichkeit küche kühlschrank linkdump mandelentzündung mela melody menschen nachrichten naß! 1&1 abzocke alice amazon angriff attacke aussage bahn begriffe blogs bsd buch bundestagswahl09 cdbaby cdu cura-heat dankenein ddr defekt deutsche bahn display diy drhorrible drucker drücker dsl einbruchsversuche email essen essen & trinken etsy festnetz festplatte film blog beta blogger bibliophil blogroll celeb datenhamster eeepc entwicklungen feedreader frauen fun geekwear in eigener sache journalismus lesen medblog MIT neu neue medien neuen medien radion relaunch rezension rss schreiben sprache sticken t-shirt umfrage abmahnwahn bücher euroweb microblogging nerdcore seo spam twitter burda google hamburg declaration suchmaschinen verlage china csu diskriminierung erziehung fdp piraten piratenpartei politik rassismus sarrazin schule urheberrecht westerwelle wissenschaft schenken socken weihnachtstipps artikel bernd boobquake bürgerrechte coppados datenschutz dinner eckes emma fanatismus feminismus frieren gedanken geek geeks gender genderdebatte ggd girl grüne herrwirfhirn if informatica feminale iran islam law menstruation moblog mädchennamen männer namen 2011 a11y abgeordnetenwatch ableism accessibility angst arena barrierefreiheit behinderung berlin brights btw09 cc culture of fear deaf demo demonstration deuschland deutschland dgs dystopie kino linke newsletter patente spd streetview 15kg app.net armut assange autoren bdsm bedenkenträger browser censorship chat clipa.tv community domain drm e-postbrief e.l.e 2010 administration apache area asus audio computer databases easy peasy erfahrungsbericht fachbuch farbenblind freebsd guide howto html ifbw2010 innovation kde links guttenberg kleidung meinungsfreiheit netzsperren social media tauss taz vonderleyen wahlkampf web 2.0 yeaahh zensur zensursula zensursula internet zotero netzaktivisten presse print tv hamburg wiki technik aaronkoenig abstimmung acta ada lovelace afelia baden-würrtemberg baden-württemberg bge bpt10 bundesparteitag crew daxlanden demokratie donnersberg entwicklung ftp gehörlos GEMA freiheit geekpartei gesetz globalisierung grundgesetz grundrechte homosexualität ihr IRC Quotes JuLis Junge Liberale kampagne partei zypries geschichte historie jungle world pornographie rechte sex usenet android app avm fritz handyticket hardware manga milestone mobil motorola nahverkehr no starch o'reilly october daye office passwort pdf rechner safe Seanan McGuire sicherheit software statistics szenen einer ehe tipp fernsehen photoshop pro7 wahl05 wahlwerbung konzern verdrängung gläsernesmobil junge union plakatfoul rheinzeitung wahl
Frauen und die Technologiekritik
Mich treibt da seit Tagen ein Gedanke um. Um genau zu sein, seit Spitzer mit seinem Machwerk zum Waldsterben beiträgt und die Talkshow-Maschine rollt.
Vorweg, ihr wisst ja, dass ich kein Freund von Frauenquoten bin ... yadda .. blablbla. Aber dennoch:
Ist es euch aufgefallen, dass nur Männer gegen Spitzer auf der Pro-Neue-Medien-Seite antreten dürfen?
Nicht, dass Johnny keine prima Wahl gewesen wäre oder dass Nilz nicht prima hätte das verbale LART schwingen können, wenn er denn gewollt hätte. Dennoch finde ich es erstaunlich wie selten Frauen in den deutschen Medien technikfreundliche Positionen vertreten dürfen.
Sicher, manchmal erinnert sich ein Redakteur, dass Kathrin Passig schon mal prima Dinge zur Technologiekritik gesagt hat. Aber schon auf Juli Zeh oder Rena Tangens greift man vor allem dann zurück, wenn sie zum Beispiel mangelnden Datenschutz kritisieren können. Wichtige Technologiekritik, aber eben doch Kritik.
Wenn Frauen zu Technologie und neuen Medien in Talkshows eingeladen werden, dann als Warner, Panikmacher, Bedenkenträger und Ewiggestrige. Dann dürfen sie kuhäugig in der Gegend herumschauen und Sätze sagen, für die ich sie liebend gerne eine Stunde lang hinter geschlossenen Türen einschreien würde. Einfach, weil sie das Klischee das Frauen keine Ahnung von Technik haben, ohne Not am Leben erhalten.
Es ist nur leider so, dass - meiner Ansicht nach - gerade die Frauenbewegung an dieser Entwicklung gerüttelt mitschuldig ist. Immer wieder wird behauptet, wie schwer Frauen es doch in technischen Berufen hätten und jeder Entwicklung wird erst mal kritisch gegenübergestanden. Denn Technik wird ja prinzipiell von Männern erfunden/entwickelt und ist alleine dadurch schon unweiblich und schlecht. Das gipfelte so um 1994/1995 sogar in Überlegungen doch ein eigenes Internet aufzubauen, weil das eigentliche Internet war ja von Männer entwickelt und deswegen für Frauen ... und so weiter. Deswegen wolle man dann lieber ein eigenes Netz erfinden, dass zwar quasi das Internet gewesen wäre, aber eben weiblich. Oder so.
Keine guten Vorraussetzungen also, dass Frauen endlich anders wahrgenommen werden, als als Bremser, Technologiefeinde oder technisch herausgefordert. Ihnen wird nur die Rolle als ewige Mahner zuerkannt.
Und das kotzt mich an.
Vorweg, ihr wisst ja, dass ich kein Freund von Frauenquoten bin ... yadda .. blablbla. Aber dennoch:
Ist es euch aufgefallen, dass nur Männer gegen Spitzer auf der Pro-Neue-Medien-Seite antreten dürfen?
Nicht, dass Johnny keine prima Wahl gewesen wäre oder dass Nilz nicht prima hätte das verbale LART schwingen können, wenn er denn gewollt hätte. Dennoch finde ich es erstaunlich wie selten Frauen in den deutschen Medien technikfreundliche Positionen vertreten dürfen.
Sicher, manchmal erinnert sich ein Redakteur, dass Kathrin Passig schon mal prima Dinge zur Technologiekritik gesagt hat. Aber schon auf Juli Zeh oder Rena Tangens greift man vor allem dann zurück, wenn sie zum Beispiel mangelnden Datenschutz kritisieren können. Wichtige Technologiekritik, aber eben doch Kritik.
Wenn Frauen zu Technologie und neuen Medien in Talkshows eingeladen werden, dann als Warner, Panikmacher, Bedenkenträger und Ewiggestrige. Dann dürfen sie kuhäugig in der Gegend herumschauen und Sätze sagen, für die ich sie liebend gerne eine Stunde lang hinter geschlossenen Türen einschreien würde. Einfach, weil sie das Klischee das Frauen keine Ahnung von Technik haben, ohne Not am Leben erhalten.
Es ist nur leider so, dass - meiner Ansicht nach - gerade die Frauenbewegung an dieser Entwicklung gerüttelt mitschuldig ist. Immer wieder wird behauptet, wie schwer Frauen es doch in technischen Berufen hätten und jeder Entwicklung wird erst mal kritisch gegenübergestanden. Denn Technik wird ja prinzipiell von Männern erfunden/entwickelt und ist alleine dadurch schon unweiblich und schlecht. Das gipfelte so um 1994/1995 sogar in Überlegungen doch ein eigenes Internet aufzubauen, weil das eigentliche Internet war ja von Männer entwickelt und deswegen für Frauen ... und so weiter. Deswegen wolle man dann lieber ein eigenes Netz erfinden, dass zwar quasi das Internet gewesen wäre, aber eben weiblich. Oder so.
Keine guten Vorraussetzungen also, dass Frauen endlich anders wahrgenommen werden, als als Bremser, Technologiefeinde oder technisch herausgefordert. Ihnen wird nur die Rolle als ewige Mahner zuerkannt.
Und das kotzt mich an.
Verblödung, mediengemacht
Das Internet ist an der Verblödung der Jugend schuld. Ganz sicher. Wirklich sicher?
Eher sind es die herkömmlichen Medien, die gerade bei simplem Allgemeinwissen dermaßen patzen, dass es einem die Tränen in die Augen treibt.
Da berichtet Polylux (ARD) 2003 über den 10. Geburtstag des Internets und beweist das die Redakteure nicht in der Lage sind das WWW vom Internet zu unterscheiden. Planetopia (SAT1) bringt dem staunenden Publikum bei, dass die richtige Behandlung von Unterzucker in der Gabe von Insulin besteht und Paramount montiert Euter an männliche Rinder.
Seit heute darf sich auch Haribo rühmen zur Vernichtung von Allgemeinwissen beizutragen. Im (vermutlich) neusten Werbespot sitzt Thomas Gottschalk vor einem - mit Gummibärchen - beklebten Globus und verkündet, dass es 6 Sorten Gummibärchen gibt. Ebenso wie sechs Kontinente. Diese zählt er dann auch auf - beginnend mit Apfelropa. Die Aufzählung endet mit Himbeerarktis.
Und wenn man nun meint, dass das 'Ant' eben irgendwie in dem Himbeerarktis verpackt wäre.. Gottschalk pickt, seine Worte unterstützend, ein Gummibärchen ganz oben vom Globus. Dort befindet sich meines Wissens nach kein Kontinent, sondern nur die Arktis. Weiss ja nicht, welche Art Globus Gottschalk da haben mag ... muß wohl der aus Waterworld sein.
Eher sind es die herkömmlichen Medien, die gerade bei simplem Allgemeinwissen dermaßen patzen, dass es einem die Tränen in die Augen treibt.
Da berichtet Polylux (ARD) 2003 über den 10. Geburtstag des Internets und beweist das die Redakteure nicht in der Lage sind das WWW vom Internet zu unterscheiden. Planetopia (SAT1) bringt dem staunenden Publikum bei, dass die richtige Behandlung von Unterzucker in der Gabe von Insulin besteht und Paramount montiert Euter an männliche Rinder.
Seit heute darf sich auch Haribo rühmen zur Vernichtung von Allgemeinwissen beizutragen. Im (vermutlich) neusten Werbespot sitzt Thomas Gottschalk vor einem - mit Gummibärchen - beklebten Globus und verkündet, dass es 6 Sorten Gummibärchen gibt. Ebenso wie sechs Kontinente. Diese zählt er dann auch auf - beginnend mit Apfelropa. Die Aufzählung endet mit Himbeerarktis.
Und wenn man nun meint, dass das 'Ant' eben irgendwie in dem Himbeerarktis verpackt wäre.. Gottschalk pickt, seine Worte unterstützend, ein Gummibärchen ganz oben vom Globus. Dort befindet sich meines Wissens nach kein Kontinent, sondern nur die Arktis. Weiss ja nicht, welche Art Globus Gottschalk da haben mag ... muß wohl der aus Waterworld sein.
Bloggende Frauen oder warum Feder & Herd nicht so populär ist wie Spreeblick
Jedesmal wenn ich von einem Vortrag, Panel, einer Session höre oder einen Artikel lese, in dem es darum geht dass es mehr weibliche Blogger geben muß, fange ich an den Kopf zu schütteln.

Abgesehen davon, dass es sinnlos ist etwas derartiges zu fordern - es fängt doch niemand mit dem Bloggen an, nur weil sich da jemand hinstellt und sagt: Ihr müsst - geht es den Fordernden (meist weibliche Kunst- und/oder Medienmacher mit Soziologie-Einschlag) selten um die schiere Zahl bloggender Frauen.
Für meinen Teil habe ich 1997/98 kurzzeitig mit dem Bloggen begonnen, damals noch ohne den Begriff überhaupt zu kennen. Mein 'Blog' war eine Art Internet-Beziehungstagebuch, gemeinsam geführt mit meinem späteren Göttergatten, erst seit 2004 führte ich mein Asperger-Blog und seit 2005 dann dieses Blog. Feder & Herd.
Das sind inzwischen satte 5 Jahre und für die deutsche Blogsphäre war ich damit zumindest nicht spät dran.
Also hallo, hier gibt es eine bloggende Frau. Gibt es schon seit einiger Zeit. Allerdings bin ich wohl irgendwie nicht relevant. Hm. Ebenfalls selten bis nie in diesem Zusammenhang erwähnt finde Kathrin Passig, die mit der Riesenmaschine nicht zu den unbekanntesten Bloggerinnen Deutschlands gehört. Vielleicht bin ich ja blind und taub, aber sprechen die Fordernden in diesem Zusammenhang über das Akquiseblog, den PR-Doktor, den Behindertenparkplatz, Kollege Ich, Berufung Selbstständig, dyfustifications ... oder habe ich recht und auch diese Blogs eher so gar nicht erwähnt? Von Textelle oder Textzicke habe ich schon das eine oder andere Mal vernommen, dass sie als bloggende Frauen wahrgenommen werden und Kooptech darf sich gar einer kleinen Berühmtheit erfreuen. Leider immer noch mit dem Unterton 'Das was ihr da macht, Mädels, ist ein netter Anfang, reicht aber noch lange nicht' und wer "Bloggende Frau" nicht wie ein Banner vor sich herträgt, hat ohnehin gleich in diesem Spiel verloren.
Wieder: Hm.
Dann sind da die Foodblogs. Höre ich einmal, dass Foodfreak oder Küchenlatein unter den herausragenden deutschen Bloggerinnen erwähnt wird? Nein. Kochfrosch? Chili und Ciabatta mit knapp 1500 Subscribern alleine im Google Reader? Denkste. (Zum Vergleich: Selbst Carta hat im Google Reader lediglich knapp 1150 Subscriber. Der alte Sack unter den Bloggern Isotopp hat um die 1000 und selbst saschalobo.com - und er wird mir die Erwähnung in diesem Zusammenhang sicher nie verzeihen - blickt nur auf vergleichsweise schlappe 900+ Google-Subscriber.)
Aber halt! Foodbloggende Frauen. Da schnappt die Klischeefalle zu. Wie. können. die. das. nur. den. Frauen. antun! Heimchen am Herd-Alarm! Schlimmer sind ja nur die Strickbloggerinnen und die Bastelmamis! (Bei deren Subscriberzahlen, so mancher und an sich etablierte Blogger der deutschen Blogsphäre kleine Pfützchen auf der Zunge bekäme.)
Doch die einzig gültige Blog-Währung hierzulande, ist immer noch die Verlinkungshäufigkeit einzelner Artikel. Solange nicht also 100 Blogs auf das Rezept der Woche aufspringen und einen 'me too'-Artikel mit gesetzten Backlink bloggen, wird es wohl nichts mit den Ruhmeshallen für weibliche Foodbloggerinnen und Bastelmamis.
Wen nicht innerhalb der ersten 5 Sätze einen üblichen 'Wir brauchen mehr bloggende Frauen'-Artikels, das Gefühl befällt, dass es die richtigen und die falschen weiblichen Bloggerinnen gibt, der hat gar nicht erst soweit gelesen.
Ernstzunehmende(!) weibliche Bloggerinnen ...
... bloggen niemals nicht über die 'weiblichen' Sphären des Lebens. Verpöhnt sind also: Bastelblogs, Strickblocks, Nähblogs, Mamiblogs, Schwangerschaftsblogs, Schulproblemblogs und irgendwie auch Kochblogs. Frauen, die derartige Blogs betreiben, werden grundweg des Verrats an der ernsthafen(!) weiblichen Blogsphäre verdächtigt. Dies gilt nicht für von Männern betriebene Kochblogs. Die sind einfach nur so irrelevant.
... dürfen sich - um als weibliche Bloggerinnen wahrgenommen zu werden - nicht nur über kerlige Themen bloggen. Frauen, die lediglich über Technik und Politik bloggen, stehen im Verdacht sich nur bei den männlichen Bloggern anbiedern zu wollen. Zählen also nicht so wirklich als weibliche Blogger. Der regelmässige Hinweis eine Frau in einer Männerdomäne zu sein, darf auf keinen Fall fehlen. Am Besten beschäftigt man sich in regelmässigen Artikeln mit der weiblichen Blogsphäre wie das Don Alfonso mit dem Rest macht. Nur weiblich eben.
... kommen am Besten irgendwie aus den alten Medien. Denn dann sind sie besonders relevant.
... sollten hin und wieder dann doch zum großen Politikgeschehen das Wort ergreifen. Wegen der Relevanz. Dann aber gerne auch besonders zur Frauenpolitik.
... bloggen nicht gemeinsam mit Kerlen in Blogs die auch noch kommerziell erfolgreich sind.
... werden von irgendjemand anderem als relevant eingestuft. Am Besten von den herkömmlichen Medien.
... gewinnen Blogpreise.
... müssen gefälligst mindestens so oft gelesen werden, wie Spreeblick. (8582 Subscriber bei Google).
Ihr seht also, mit den Bloggerinnen ist das gar nicht so einfach. Denn tatsächlich schwingt eine Forderung unterschwellig immer mit: Es braucht nicht nur mehr weibliche Blogger, nein, die müssen dann gefälligst auch unter der Top 10 der Blogs zu finden sein.
Es muß also DIE RICHTIGE nur DAS RICHTIGE bloggen und dabei noch das Geheimnis eines erfolgreichen Blogs demystifizieren. Nichts einfacher als das. Vielleicht ist es aber auch der Aufruf, die Blogs DER RICHTIGEN unbedingt lesen zu müssen. Eine eingebaute Lesepflicht, der Geschlechtergerechtigkeit zuliebe.
Und wieder mal: Hm.
Also persönlich lese ich Blogs ja, weil sie mich interessieren. Und dabei ist es eher nachrangig ob sie von Johnny Haeusler geschrieben wurden, Sascha Lobo, Christiane Link oder doch einer Bastelmami. (Ja, ich habe tatsächlich Bastelmami-Blogs in meinem Feedreader und ich schäme mich derer nicht einmal.)
Es gibt verdammt viele Bloggerinnen. Es gibt gute Bloggerinnen. Es gibt vielgelesene Bloggerinnen. Berühmte Bloggerinnen die nur wenig gelesen werden und vielgelesene Bloggerinnen die niemand wirklich kennt. Aber die Behauptung ein Blog würde weniger gelesen, weil es von einer Frau geschrieben ist, wäre nun wirklich an den Haaren herbeigezogen.
Wir brauchen keinen Ruf nach mehr oder besseren weiblichen Bloggern. Es reicht einmal über den Tellerrand aus Ignoranz und Arroganz zu schauen um sie zu sehen.
Aber Anleitungen aus dem Elfenbeinturm zum richtigen Bloggen für Frauen ... die braucht keiner.
Das wars.
Wie da fehlt noch was?
Warum Feder & Herd nicht so populär wie Spreeblick ist? Na gut, hier die Kurzfassung:
- immer wieder Postingpausen - chaotischer Themenmix - mitunter unhippe Themen - Jammern auf hohem Niveau - Artikel sind schnell runtergehackt - selten hoher Rechercheaufwand - flappsige Sprache - Nachkorrektur optional - Keine Anwesenheit auf Barcamps/kein Konferenztourismus - Küchen- und Alltagskram - Werbung - kein konsistenter Aufbau der 'Marke' - mehrfach wechselnder Blogname - und last but not least ... ist es vielleicht einfach nicht so gut geschrieben. Nur mein Geschlecht ... das spielt ziemlich sicher keine Rolle.
Abgesehen davon, dass es sinnlos ist etwas derartiges zu fordern - es fängt doch niemand mit dem Bloggen an, nur weil sich da jemand hinstellt und sagt: Ihr müsst - geht es den Fordernden (meist weibliche Kunst- und/oder Medienmacher mit Soziologie-Einschlag) selten um die schiere Zahl bloggender Frauen.
Für meinen Teil habe ich 1997/98 kurzzeitig mit dem Bloggen begonnen, damals noch ohne den Begriff überhaupt zu kennen. Mein 'Blog' war eine Art Internet-Beziehungstagebuch, gemeinsam geführt mit meinem späteren Göttergatten, erst seit 2004 führte ich mein Asperger-Blog und seit 2005 dann dieses Blog. Feder & Herd.
Das sind inzwischen satte 5 Jahre und für die deutsche Blogsphäre war ich damit zumindest nicht spät dran.
Also hallo, hier gibt es eine bloggende Frau. Gibt es schon seit einiger Zeit. Allerdings bin ich wohl irgendwie nicht relevant. Hm. Ebenfalls selten bis nie in diesem Zusammenhang erwähnt finde Kathrin Passig, die mit der Riesenmaschine nicht zu den unbekanntesten Bloggerinnen Deutschlands gehört. Vielleicht bin ich ja blind und taub, aber sprechen die Fordernden in diesem Zusammenhang über das Akquiseblog, den PR-Doktor, den Behindertenparkplatz, Kollege Ich, Berufung Selbstständig, dyfustifications ... oder habe ich recht und auch diese Blogs eher so gar nicht erwähnt? Von Textelle oder Textzicke habe ich schon das eine oder andere Mal vernommen, dass sie als bloggende Frauen wahrgenommen werden und Kooptech darf sich gar einer kleinen Berühmtheit erfreuen. Leider immer noch mit dem Unterton 'Das was ihr da macht, Mädels, ist ein netter Anfang, reicht aber noch lange nicht' und wer "Bloggende Frau" nicht wie ein Banner vor sich herträgt, hat ohnehin gleich in diesem Spiel verloren.
Wieder: Hm.
Dann sind da die Foodblogs. Höre ich einmal, dass Foodfreak oder Küchenlatein unter den herausragenden deutschen Bloggerinnen erwähnt wird? Nein. Kochfrosch? Chili und Ciabatta mit knapp 1500 Subscribern alleine im Google Reader? Denkste. (Zum Vergleich: Selbst Carta hat im Google Reader lediglich knapp 1150 Subscriber. Der alte Sack unter den Bloggern Isotopp hat um die 1000 und selbst saschalobo.com - und er wird mir die Erwähnung in diesem Zusammenhang sicher nie verzeihen - blickt nur auf vergleichsweise schlappe 900+ Google-Subscriber.)
Aber halt! Foodbloggende Frauen. Da schnappt die Klischeefalle zu. Wie. können. die. das. nur. den. Frauen. antun! Heimchen am Herd-Alarm! Schlimmer sind ja nur die Strickbloggerinnen und die Bastelmamis! (Bei deren Subscriberzahlen, so mancher und an sich etablierte Blogger der deutschen Blogsphäre kleine Pfützchen auf der Zunge bekäme.)
Doch die einzig gültige Blog-Währung hierzulande, ist immer noch die Verlinkungshäufigkeit einzelner Artikel. Solange nicht also 100 Blogs auf das Rezept der Woche aufspringen und einen 'me too'-Artikel mit gesetzten Backlink bloggen, wird es wohl nichts mit den Ruhmeshallen für weibliche Foodbloggerinnen und Bastelmamis.
Wen nicht innerhalb der ersten 5 Sätze einen üblichen 'Wir brauchen mehr bloggende Frauen'-Artikels, das Gefühl befällt, dass es die richtigen und die falschen weiblichen Bloggerinnen gibt, der hat gar nicht erst soweit gelesen.
Ernstzunehmende(!) weibliche Bloggerinnen ...
... bloggen niemals nicht über die 'weiblichen' Sphären des Lebens. Verpöhnt sind also: Bastelblogs, Strickblocks, Nähblogs, Mamiblogs, Schwangerschaftsblogs, Schulproblemblogs und irgendwie auch Kochblogs. Frauen, die derartige Blogs betreiben, werden grundweg des Verrats an der ernsthafen(!) weiblichen Blogsphäre verdächtigt. Dies gilt nicht für von Männern betriebene Kochblogs. Die sind einfach nur so irrelevant.
... dürfen sich - um als weibliche Bloggerinnen wahrgenommen zu werden - nicht nur über kerlige Themen bloggen. Frauen, die lediglich über Technik und Politik bloggen, stehen im Verdacht sich nur bei den männlichen Bloggern anbiedern zu wollen. Zählen also nicht so wirklich als weibliche Blogger. Der regelmässige Hinweis eine Frau in einer Männerdomäne zu sein, darf auf keinen Fall fehlen. Am Besten beschäftigt man sich in regelmässigen Artikeln mit der weiblichen Blogsphäre wie das Don Alfonso mit dem Rest macht. Nur weiblich eben.
... kommen am Besten irgendwie aus den alten Medien. Denn dann sind sie besonders relevant.
... sollten hin und wieder dann doch zum großen Politikgeschehen das Wort ergreifen. Wegen der Relevanz. Dann aber gerne auch besonders zur Frauenpolitik.
... bloggen nicht gemeinsam mit Kerlen in Blogs die auch noch kommerziell erfolgreich sind.
... werden von irgendjemand anderem als relevant eingestuft. Am Besten von den herkömmlichen Medien.
... gewinnen Blogpreise.
... müssen gefälligst mindestens so oft gelesen werden, wie Spreeblick. (8582 Subscriber bei Google).
Ihr seht also, mit den Bloggerinnen ist das gar nicht so einfach. Denn tatsächlich schwingt eine Forderung unterschwellig immer mit: Es braucht nicht nur mehr weibliche Blogger, nein, die müssen dann gefälligst auch unter der Top 10 der Blogs zu finden sein.
Es muß also DIE RICHTIGE nur DAS RICHTIGE bloggen und dabei noch das Geheimnis eines erfolgreichen Blogs demystifizieren. Nichts einfacher als das. Vielleicht ist es aber auch der Aufruf, die Blogs DER RICHTIGEN unbedingt lesen zu müssen. Eine eingebaute Lesepflicht, der Geschlechtergerechtigkeit zuliebe.
Und wieder mal: Hm.
Also persönlich lese ich Blogs ja, weil sie mich interessieren. Und dabei ist es eher nachrangig ob sie von Johnny Haeusler geschrieben wurden, Sascha Lobo, Christiane Link oder doch einer Bastelmami. (Ja, ich habe tatsächlich Bastelmami-Blogs in meinem Feedreader und ich schäme mich derer nicht einmal.)
Es gibt verdammt viele Bloggerinnen. Es gibt gute Bloggerinnen. Es gibt vielgelesene Bloggerinnen. Berühmte Bloggerinnen die nur wenig gelesen werden und vielgelesene Bloggerinnen die niemand wirklich kennt. Aber die Behauptung ein Blog würde weniger gelesen, weil es von einer Frau geschrieben ist, wäre nun wirklich an den Haaren herbeigezogen.
Wir brauchen keinen Ruf nach mehr oder besseren weiblichen Bloggern. Es reicht einmal über den Tellerrand aus Ignoranz und Arroganz zu schauen um sie zu sehen.
Aber Anleitungen aus dem Elfenbeinturm zum richtigen Bloggen für Frauen ... die braucht keiner.
Das wars.
Wie da fehlt noch was?
Warum Feder & Herd nicht so populär wie Spreeblick ist? Na gut, hier die Kurzfassung:
- immer wieder Postingpausen - chaotischer Themenmix - mitunter unhippe Themen - Jammern auf hohem Niveau - Artikel sind schnell runtergehackt - selten hoher Rechercheaufwand - flappsige Sprache - Nachkorrektur optional - Keine Anwesenheit auf Barcamps/kein Konferenztourismus - Küchen- und Alltagskram - Werbung - kein konsistenter Aufbau der 'Marke' - mehrfach wechselnder Blogname - und last but not least ... ist es vielleicht einfach nicht so gut geschrieben. Nur mein Geschlecht ... das spielt ziemlich sicher keine Rolle.
Piratenpartei: Aktuell lesenswert
Such dir das Thema aus, das dich am meisten berührt, bedroht, belastet – und nimm das kleinste Übel
- Wie Pro7 herumeeiert um die nicht mal 'Sonstige' bei TV Total Bundestagswahl 2009 aufzuführen. Was die OECD zum Demokratieverständnis unserer Medien sagen würde?
- Mein eigener Artikel zum Selbstverständnis der Frauen in der Piratenpartei
- Eigentlich nicht neu, aber man muß es immer mal wieder erwähnen, wie die Kirche die Grundrechte ihrer Arbeitnehmer beschneidet. Und das auch noch steuerfinanziert.
- Nicht ganz so neu.. aber die TAZ bekleckert sich grade auf mehreren Ebenen nicht gerade mit dem Ruhm blütenweißen Qualitätsjournalismusses .. - Ihr wohl aktuell schlechtrecherchiertester und populistischster Artikel.
- Wer so alles Netzsperren will. (Auch schon etwas älter.)
- Auch nicht so neu. Die SPD stimmt Gesetzen aus Angst vor schlechter Presse zu. (recht weit unten)
- Und noch ein sehr schöner Artikel von der Ennomane "Was ich nicht verstehe… (oder: Wen kann man noch wählen?)" Prädikat: Absolut lebenswert.
Nachträglich ergänzt:
- Ein schöner Artikel von @forschungstorte zum Angela-Yeaahh!-Flashmob in Wuppertal, heute.
- No, we can't - zum gescheiterten Internetwahlkampf der SPD.
Klassische Medien hacken: Die Umsetzung
Oliver Gassner hat inzwischen eine Mailingliste (Google Groups) und ein Wiki eingerichtet. Die Arbei kann also starten.
Noch jemand interesse?
Noch jemand interesse?
Klassische Medien hacken?!
Hier mal ein Vollquote aus Oliver Gassners Blog:
Die Kommentare für diesen Eintrag sperre ich ab. Bitte nur in Oliver Gassners Blog kommentieren. Danke!
Felicea schreibt bei Twitter: @oliverg was hälst du von einem “Klassische Medien hacken”-(Online)-Seminar für Netzaktivisten? Ich würde mich anmelden
Wir hatten mal von solchen Sachen geredet wie: Leserbriefe/offene Briefe schreiben und so.
Die aktuellen politischen Ereignisse und Konstellationen scheinen es nahezulegen, das wir ‘Digitalen’ uns mehr mit dem Umgang mit den ‘klassischen Medien’ wie Zeitung, Radio und TV befassen müssen.
’Hacken’ würde ich jetzt mit ‘elegantem Umgang ohne Umwege’ umschreiben wollen.
Ich habe Felicea gerade geantwortrt, dass ich mir vorstellen könnte, dass man sowas im peer- und team-teaching machen könnte (sie hat sicher vom Buchwesen z.B. mehr Ahnung).
Also konkret:
- Wer könnte zum Thema ‘Mediahacking’ im oben skizzierten Sinne etwas vermitteld beitragen?
- Wer würde mitmachen? ‘rezipierend’?
Bei entsprechendem Echo setze ich ne Struktur auf. (Wahrscheinlich ne Kombi aus geschützter Mailingliste und öffentlichem Wiki.)
Die Kommentare für diesen Eintrag sperre ich ab. Bitte nur in Oliver Gassners Blog kommentieren. Danke!
Hubert Burda: Pfründe sichern. Qualität optional.
Angeschossene Tiere sind ja immer ganz besonders gefährlich. Besonders deutlich ist das derzeit bei den alten Medien zu bemerken, die in den Todeszuckungen kräftig um sich beissen. Oder mit der Schaufel um sich schlagen mit der sich sich gerade noch das eigene Grab schaufelten.
Gestern war Hubert Burda an der Reihe, der in der FAZ einen besonders .. nun.. ähm.. fazinierenden Artikel abgeliefert hat wie er sich das mit dem Online-Journalismus und den Suchmaschinen vorstellt.
Teilweise - muß ich zu meiner Schande gestehen - stecke ich wohl so tief im Netz drin, dass mir vollkommen fremd ist was er denn meinen könnte. Aber vielleicht ist es nur die sinnlose Aneinanderreihung von Buzzwörtern nach der es klingt.
Der Rest: Das alte "Qualitätsjournalismus vs. böse Laien"-Geseiere, eine ganze Menge Nixkappiert und viele Versuche dem Internet die Geschäftsmodelle aufzuzwängen die nicht mehr klappen.
Zusammengefasst kann man wohl mit Fug und Recht sagen, dass Herr Burda das Internet grundlegend nicht verstanden hat alleine deswegen grundlegend schief liegt. Statt seine Industrie an veränderte Gegenbenheiten anzupassen, fuchtelt er wortreich mit der Totengräberschippe in der Hand herum ohne es zu merken.
Darf ein Pressemensch und Unternehmer so blind sein? Sollte er nicht wenigstens ein paar Berater haben die etwas von der Sache verstehen?
Aber beleuchten wir das Ganze mal näher:
Das sollte wohl 'müssten' lauten. Wie man beispielsweise bei Stefan Niggemeier immer wieder bewundern darf, entstehen viele der 'qualitativ hochwertigen' Online-Angebote oftmals aus automatisierten Agenturmeldungen einbegriffen aller sachlichen oder orthographischen Fehler, ohne jegliche Qualitätskontrolle. Sowas dann als besonders schützenswert hinzustellen ist schon reichlich frech.
"Wir sind zu blöd unsere Nutzer zu binden und die sind so frech nicht auf die Zichtrilliarden auffällig blinkender Werbebanner auf unseren Angeboten zu klicken. Statt dessen klicken sie lieber dezente Textlinks bei Google an. Sowas geht ja nun gar nicht!"
Mal aufs reale Leben umgelegt: Sollten Zeitungskioske nicht gezwungen werden ihre Gewinnspanne nochmal mit den Verlagen zu teilen? Ohne das journalistische Handwerk hätten sie schließlich gar keine Geschäftsgrundlage!
Zwingt die Verlage jemand mit vorgehaltener Waffe die Inhalte für Suchmaschinen zugänglich zu machen? Nein.
Realitätscheck: Niemand geht ins Internet weil die Burda Gruppe im Internet ist. Es gab Internetnutzer lange bevor die ersten Printmedien Online-Angebote erstellt haben und es gab Suchmaschinen lange bevor es die ersten Online-Angebote von Printmedien zu indizieren gab. Die Masse an Content kam damals schon von Wissenschaftlern und Privatleuten. Die alten Medien waren mit die letzte Gruppe die erkannt hat dass sie auch besser im Netz präsent sein sollten, bevor ihre Bedeutung gegen Null sinkt.
Zögen sie sich aus dem Netz zurück, wäre die Lücke schnell gefüllt.
Auch ein Zeitungskiosk hat sein Geschäftsmodell darauf aufgebaut anderen Zeitungen zugänglich zu machen. Aber es wäre mir neu das ein Kioskbesitzer für das Recht Zeitungen zu verkaufen eine Abgabe an Verlage zahlt. Korrigiert mich wenn ich mich irre.
Im Allgemeinen sind Verlage doch froh wenn ihre Produkte angeboten werden? Sollte ich das falsch verstanden haben?
Wie nehme ich jemanden mit dem Hinweis an andere "Da findest du die und die Information" die Information weg? Kann mir das jemand erläutern?
Adieu Tageszeitungen in Bibliotheken?
Und nocheinmal.. Niemand zwingt die Verlage in Suchmaschinen auffindbar zu sein. Wie man das verhindert erklärt Ihnen der freundliche Admin aus dem Rechenzentrum im zweiten Untergeschoß.
Das kann durchaus ein Problem sein. Niemand würde das bestreiten.
Aber ...
Ah. Daher weht der Wind. Werden zufällig böse Blogs eher gefunden als guter 'Qualitätsjournalismus'?
Man könnte jetzt natürlich anfangen die eigenen Präsentationen suchmaschinenfreundlicher zu gestalten und dem teuren CMS mal vernünftiges URLs beibringen. Aber das ist schon eine schwierige Wissenschaft und schuld sind natürlich ganz alleine die Suchmaschinen. Die Blogger und sonstige Amateur-Content-Produzenten schmieren Google sicherlich mit Milliardensummen, damit ihre Seiten vor Burda-Angeboten auftauchen.
Im richtigen und guten Internet dürfen mal wieder nur die Alten publizieren und wenn man den Pöbel schon hinnehmen muß, dann sollten wenigstens 'echte' journalistische Angebote höher gewichtet werden.
Schon klar, Herr Burda.
Es gibt einen Berufstand der ihnen die Kriterien sicher gerne erklärt. Nennt sich SEO.
Frau Dr. Merkel auf die Palliativstation bitte. Frau Dr. Merkel auf die Palliativstation bitte.
"Wir passen uns an in dem wir Veränderung gesetzlich zu verhindern suchen."
"Wir sind staatstragend in dem wir staatsgefällig berichten."
Bitte entschuldigt, aber daran dass die etablierten Medien ihre Aufgabe als vierte Macht effektiv und im Sinne der Bürger übernehmen, glauben nur noch die etablierten Medien selbst.
Es benötigt keine Verlage um diese Aufgabe wahrzunehmen.
Gerüchteweise soll es Blogger geben die bereits von ihrem Bloggen leben können. Ist aber nur so ein Gerücht.
Die Krise der Zeitungen und Zeitschriften ist wie die Krise der Musikindustrie hausgemacht. Google und ähnliche große Suchmaschinen tragen daran nur eine geringe Mitschuld. Aber wenn alle Medien-Unternehmer die Kompetenz eines Herrn Burda aufweisen und lieber weiter Suchmaschinen, Blogger und Bürgerjournalisten als Feinde sehen. Wenn sie Top-Rankings lieber durch Druck statt durch Qualität erreichen wollen. Dann werden wir den Todeszuckungen der etablierten Verlage zuschauen dürfen, statt ihrer Renaissance.
P.S.:
Und natürlich liegt es Herr Burda nur daran das Verlage an den Gewinnen der Suchmaschinen beteiligt werden sollen. Hunderttausende nicht-professioneller Contentproduzenten selbstverständlich nicht.
Ein Weltbild eingeschlossen in der Zeit, in der die technischen Beschränkungen verhinderten dass es zu viele freie Produzenten von Inhalten gibt. Und bitte alles so belassen. Nur keine Veränderung.
P.P.S.:
Media Digital hat einen sehr, sehr schönen Kommentar zu Hubert Burdas Beitrag geschrieben. Die Autorin Ulrike Langer zieht ebenfalls einen Kiosk-Vergleich, aber sie drückt direkt aus was bei mir nicht-in-Worte-fassbar im Hinterkopf rumwaberte.
via Cynx
Gestern war Hubert Burda an der Reihe, der in der FAZ einen besonders .. nun.. ähm.. fazinierenden Artikel abgeliefert hat wie er sich das mit dem Online-Journalismus und den Suchmaschinen vorstellt.
Teilweise - muß ich zu meiner Schande gestehen - stecke ich wohl so tief im Netz drin, dass mir vollkommen fremd ist was er denn meinen könnte. Aber vielleicht ist es nur die sinnlose Aneinanderreihung von Buzzwörtern nach der es klingt.
Der Rest: Das alte "Qualitätsjournalismus vs. böse Laien"-Geseiere, eine ganze Menge Nixkappiert und viele Versuche dem Internet die Geschäftsmodelle aufzuzwängen die nicht mehr klappen.
Zusammengefasst kann man wohl mit Fug und Recht sagen, dass Herr Burda das Internet grundlegend nicht verstanden hat alleine deswegen grundlegend schief liegt. Statt seine Industrie an veränderte Gegenbenheiten anzupassen, fuchtelt er wortreich mit der Totengräberschippe in der Hand herum ohne es zu merken.
Darf ein Pressemensch und Unternehmer so blind sein? Sollte er nicht wenigstens ein paar Berater haben die etwas von der Sache verstehen?
Aber beleuchten wir das Ganze mal näher:
Die Einnahmen decken bei den meisten Angeboten nicht annähernd die hohen Kosten, die für die Erstellung qualitätvoller journalistischer Inhalte aufgebracht werden müssen.
Das sollte wohl 'müssten' lauten. Wie man beispielsweise bei Stefan Niggemeier immer wieder bewundern darf, entstehen viele der 'qualitativ hochwertigen' Online-Angebote oftmals aus automatisierten Agenturmeldungen einbegriffen aller sachlichen oder orthographischen Fehler, ohne jegliche Qualitätskontrolle. Sowas dann als besonders schützenswert hinzustellen ist schon reichlich frech.
Wir debattieren daher in zunehmendem Maße darüber, ob wir es weiter akzeptieren können, wenn andere kommerzielle Anbieter aus unseren Angeboten und damit von unserem originären journalistischen Handwerk einen größeren wirtschaftlichen Nutzen ziehen, als wir selbst es tun.
"Wir sind zu blöd unsere Nutzer zu binden und die sind so frech nicht auf die Zichtrilliarden auffällig blinkender Werbebanner auf unseren Angeboten zu klicken. Statt dessen klicken sie lieber dezente Textlinks bei Google an. Sowas geht ja nun gar nicht!"
Mal aufs reale Leben umgelegt: Sollten Zeitungskioske nicht gezwungen werden ihre Gewinnspanne nochmal mit den Verlagen zu teilen? Ohne das journalistische Handwerk hätten sie schließlich gar keine Geschäftsgrundlage!
Suchmaschinen, aber auch Provider und andere Anbieter profitieren überproportional von unseren teuer erstellten Inhalten.
Zwingt die Verlage jemand mit vorgehaltener Waffe die Inhalte für Suchmaschinen zugänglich zu machen? Nein.
Realitätscheck: Niemand geht ins Internet weil die Burda Gruppe im Internet ist. Es gab Internetnutzer lange bevor die ersten Printmedien Online-Angebote erstellt haben und es gab Suchmaschinen lange bevor es die ersten Online-Angebote von Printmedien zu indizieren gab. Die Masse an Content kam damals schon von Wissenschaftlern und Privatleuten. Die alten Medien waren mit die letzte Gruppe die erkannt hat dass sie auch besser im Netz präsent sein sollten, bevor ihre Bedeutung gegen Null sinkt.
Zögen sie sich aus dem Netz zurück, wäre die Lücke schnell gefüllt.
Doch wer die Leistung anderer kommerziell nutzt, muss dafür bezahlen.
Auch ein Zeitungskiosk hat sein Geschäftsmodell darauf aufgebaut anderen Zeitungen zugänglich zu machen. Aber es wäre mir neu das ein Kioskbesitzer für das Recht Zeitungen zu verkaufen eine Abgabe an Verlage zahlt. Korrigiert mich wenn ich mich irre.
Im Allgemeinen sind Verlage doch froh wenn ihre Produkte angeboten werden? Sollte ich das falsch verstanden haben?
Sonst sehen wir der schleichenden Enteignung der Inhalte-Produzenten tatenlos zu.
Wie nehme ich jemanden mit dem Hinweis an andere "Da findest du die und die Information" die Information weg? Kann mir das jemand erläutern?
Für Verlage hingegen nicht. Sie brauchen die Sicherheit, dass ihnen das ausschließliche Recht auf Vervielfältigung, Verbreitung, öffentliche Wiedergabe und öffentliche Zugänglichmachung für Presseerzeugnisse zusteht, und das muss auch für digitale Medien gelten.
Adieu Tageszeitungen in Bibliotheken?
Und nocheinmal.. Niemand zwingt die Verlage in Suchmaschinen auffindbar zu sein. Wie man das verhindert erklärt Ihnen der freundliche Admin aus dem Rechenzentrum im zweiten Untergeschoß.
Durch die Gatekeeper-Funktion der starken Suchmaschinen erwachsen uns perspektivisch ganz andere, größere Probleme.
Das kann durchaus ein Problem sein. Niemand würde das bestreiten.
Aber ...
wer seine E-Commerce-Modelle davor schützen möchte, dass Suchmaschinen durch Plazierung entsprechender Suchergebnisse unserer Angebote umgehen,
Ah. Daher weht der Wind. Werden zufällig böse Blogs eher gefunden als guter 'Qualitätsjournalismus'?
Man könnte jetzt natürlich anfangen die eigenen Präsentationen suchmaschinenfreundlicher zu gestalten und dem teuren CMS mal vernünftiges URLs beibringen. Aber das ist schon eine schwierige Wissenschaft und schuld sind natürlich ganz alleine die Suchmaschinen. Die Blogger und sonstige Amateur-Content-Produzenten schmieren Google sicherlich mit Milliardensummen, damit ihre Seiten vor Burda-Angeboten auftauchen.
Im richtigen und guten Internet dürfen mal wieder nur die Alten publizieren und wenn man den Pöbel schon hinnehmen muß, dann sollten wenigstens 'echte' journalistische Angebote höher gewichtet werden.
Schon klar, Herr Burda.
Dazu zählen: das Recht, im Netz von den Suchmaschinen nach objektiven, nachvollziehbaren Kriterien gefunden zu werden.
Es gibt einen Berufstand der ihnen die Kriterien sicher gerne erklärt. Nennt sich SEO.
Dafür fordern wir auch die Unterstützung des Gesetzgebers.
Frau Dr. Merkel auf die Palliativstation bitte. Frau Dr. Merkel auf die Palliativstation bitte.
Nun kann man sagen, dass jede Branche in dieser Zeit großer wirtschaftlicher Veränderungen zu kämpfen hat und sich anpassen muss. Diese Anpassung besteht insbesondere auch in der Einführung eines weiten Leistungsschutzrechtes,
"Wir passen uns an in dem wir Veränderung gesetzlich zu verhindern suchen."
Ich teile die Ansicht von Miriam Meckel, die kürzlich an dieser Stelle die fundamentale Bedeutung des Qualitätsjournalismus für unsere Demokratie hervorgehoben hat.
"Wir sind staatstragend in dem wir staatsgefällig berichten."
Bitte entschuldigt, aber daran dass die etablierten Medien ihre Aufgabe als vierte Macht effektiv und im Sinne der Bürger übernehmen, glauben nur noch die etablierten Medien selbst.
Denn Demokratie, Meinungsfreiheit – diese Begriffe einer kritischen Öffentlichkeit – gehören wie Brot und Wasser zur Grundversorgung und sind in unserem Grundgesetz verankert. Ohne sie ist unsere Gesellschaft nicht vorstellbar.
Es benötigt keine Verlage um diese Aufgabe wahrzunehmen.
Freier, verantwortungsvoller Journalismus muss refinanzierbar bleiben.
Gerüchteweise soll es Blogger geben die bereits von ihrem Bloggen leben können. Ist aber nur so ein Gerücht.
Die Krise der Zeitungen und Zeitschriften ist wie die Krise der Musikindustrie hausgemacht. Google und ähnliche große Suchmaschinen tragen daran nur eine geringe Mitschuld. Aber wenn alle Medien-Unternehmer die Kompetenz eines Herrn Burda aufweisen und lieber weiter Suchmaschinen, Blogger und Bürgerjournalisten als Feinde sehen. Wenn sie Top-Rankings lieber durch Druck statt durch Qualität erreichen wollen. Dann werden wir den Todeszuckungen der etablierten Verlage zuschauen dürfen, statt ihrer Renaissance.
P.S.:
Und natürlich liegt es Herr Burda nur daran das Verlage an den Gewinnen der Suchmaschinen beteiligt werden sollen. Hunderttausende nicht-professioneller Contentproduzenten selbstverständlich nicht.
Ein Weltbild eingeschlossen in der Zeit, in der die technischen Beschränkungen verhinderten dass es zu viele freie Produzenten von Inhalten gibt. Und bitte alles so belassen. Nur keine Veränderung.
P.P.S.:
Media Digital hat einen sehr, sehr schönen Kommentar zu Hubert Burdas Beitrag geschrieben. Die Autorin Ulrike Langer zieht ebenfalls einen Kiosk-Vergleich, aber sie drückt direkt aus was bei mir nicht-in-Worte-fassbar im Hinterkopf rumwaberte.
via Cynx
Verwandte Links:
Unentschlossen
Ich meine.. klar.. es ist die (Computer-)Bild. Aber klassische Medien arbeiten ja soviel zuverlässiger als Blogs. Nicht wahr?




