Info Dieser Beitrag entstand zuerst als Antwort auf der Frage-und-Antwort-Plattform Quora. Er wurde mit allen Fehlern und Tippfehlern ins Blog übernommen.

Welche Familie hat an Stellenwert verloren?

Die Großfamilie? Die bereits am Beginn des vergangenen Jahrhunderts ihre Bedeutung verloren hat?

Die hat ihren Stellenwert verloren, weil Großfamilien zu einer kollektivistischen Gesellschaft gehören und nicht zu der individualistischen Gesellschaft, zu der wir uns entwickelt haben. Weil Großfamilien keine demokratischen Systeme waren, in denen jeder was zu sagen hatte und sich jeder nach seinen Wünschen ausleben und entwickeln durfte, sondern weil die Familie Lebenswege und Möglichkeiten vorgab, bzw. einforderte.

Oder die “nukleare” Familie? Die Idealvorstellung der 50er Jahre? Vater, Mutter, eine Tochter, einen Sohn?

Die gut funktionierte, wenn jeder seinen Platz kannte und die ihm zugedachten Aufgaben übernahm. Für Mütter ohne die Kraft einer Großfamilie dahinter, hieß das — noch ohne durchtechnisierten Haushalt — von morgens bis abends kochen, putzen, waschen. Und wenn sie überfordert oder unzufrieden mit ihrer Rolle war, na, dafür gabs ja “Mommy’s little Helper” aka Prozac.

Durch die große Nähe und rechtliche, finanzielle und emotionale Abhängigkeit in Familien war die Familie auch immer schon ein Ort großer Gewalt. Kindesmisshandlungen finden zumeist in den Familien der Kinder statt, ebenso der KIndesmissbrauch. Die meisten Vergewaltigungen finden innerhalb der Familie und durch Familienmitglieder statt. Nicht umsonst gibt es den Rechtsbegriff “häusliche Gewalt”. Auch emotionale Gewalt spielt in schlechten Partnerschaften und bei schlechten Eltern immer wieder eine Rolle.

Wie die Großfamilie an Bedeutung verlor, weil Menschen sowohl Entscheidungsfreiheit als auch die Freiheit von Gewalt suchten, sowie die Freiheit das Leben selbstbestimmt zu gestalten, entscheiden sich heute immer mehr Menschen dafür alleinerziehend zu sein, anstatt in einer destruktiven Ehe zu bleiben.

Aber, auch eine Mutter oder ein Vater und ein Kind ist eine Familie. Just my two pence.

Partnerschaften ohne Kinder, egal ob mit oder ohne Trauschein = Familie

Alleinerziehende und Kind(er) = Familie

Patchwork-Familien = Familie

Regenbogenfamilien = Familie

WGs = manchmal Familien

Enge Freundeskreise = manchmal Familien

Generationenwohnen = manchmal Familien

Entsprechend hat die Familie nur dann an Bedeutung verloren, wenn man lediglich die enge 50er Jahre-Definition von Familie anlegt und damit auch immer eine Beziehung mehrere Menschen meint, in der ein Teil Bestimmungsrechte über einen anderen Teil hat, sowie finanzielle Hoheit.

Nimmt man diese Bedingungen weg und auch Abhängigkeitsverhältnisse und weitet den Blick darauf, was alles eine Familie sein _kann_ dann würde ich nicht sagen, dass die Familie an Bedeutung verloren hat. Dann würde ich sagen, dass die Familie stark ist, wie nie zuvor. Und gesünder als je zuvor, weil nicht mehr nur Menschen, die zu jung rechtlich aneinandergekettet wurden und den Rest ihres Lebens zusammen zu funktionieren haben, als Familie gelten.

Familie verliert nicht an Bedeutung. Familie verliert an Macht- und Missbrauchspotenzial. Und das ist gut so.

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