2 Minuten zur Geschichte des Teddybärs

Welch wundervolles Beispiel von schwach ausgeprägtem Alltagswissen, in Kombination mit einer äußerst schmutzigen Phantasie, schwemmt mir das Internet heute in die Aufmerksamkeit. Eine Mutter, 45 Jahre alt, lässt die Torte für die Taufe ihrer Tochter zurückgehen und verlangt das Geld zurück. Warum?

Die Fondant-Bärchen der Tortendeko hätten, so die Käuferin, eine ‚Vagina‘.  Abgesehen von der spannenden Vorstellung der bärischen Anatomie{{1}} scheint die Dame in ihrem Leben noch keinen echten Teddybären zu Gesicht bekommen zu haben, geschweige denn sich je gefragt zu haben, wie Dinge ihre Form bekommen.

Das Teddybären mit einer Naht auf dem Bauch oder über den gesamten Bärenkörper dargestellt werden, ist wie Ocassion Cakes richtig bemerkt, gängig. Eben oft auch wenn der Bär gar nicht aus Stoff besteht.

The Bolton firm, which has branches in Chorley Old Road and Wigan town centre, said the crease represents the seam where the bear has been „sewn together“.The Bolton News

Denn jeder, der sich schon einmal daran versucht hat, etwas Rundes oder Halbrundes (wie zum Beispiel ein Stofftier oder Jonglierbälle)  zu nähen, weiß, dass dazu mehrere Teile zusammengesetzt werden müssen oder zumindest Abnäher nötig sind. Je weniger flexibel der Stoff und der Körper den er umgibt ist, um so nötiger wird es, mit einzelnen Stoffteilen und paßgenauen Nähten zu arbeiten, denn sonst ist das Endergebnis eher unförmig.

Ich bin noch in einer Zeit aufgewachsen, wo ich den alten, abgeliebten Steiff Teddy von einem älteren Familienmitglied erbte. Deren Vordernaht war auffällig und reichte nur über den halben Bauch, wie man auf diesem Foto gut sehen kann{{2}}, der eigentliche Körper war fest, statt weich und knautschig wie heute üblich. Nächsten Monat werde ich 44, bin also gerade mal ein Jahr jünger als die ‚Heldin‘ dieser Geschichte. Schwer zu glauben, dass sie keine klassische Teddybärendarstellung kennt.

Steiff Teddy

Steiff Teddy

Da ein Teddybär eben nicht die exakte Repräsentation eines Bären ist, sondern ein eigenständiges Kulturerbe, haben viele Zeichner und Grafiker die Nähte, eben als spezifische Anatomie, in ihre Darstellung von Teddybären übernommen, wie die Übersicht der Google Bildersuche bestätigt. Nicht wenige Zeichner lassen die Nähte aber auch weg, da ein knuffiger Kopf, der plumpe Körper und große Ohren als Wiedererkennungsmerkmale heute ausreichen.

Moderne, flauschige Stoffe machen die markanten Nähte jüngerer Bären oft unsichtbar und flexible Füllungen, die mit Druck in die Hüllen eingeblasen werden, tun ihr Übriges.

Ein klassischer Teddy hat aber eine Naht. Auf dem Bauch. Ocassion Cakes, deren Arbeit wirklich toll aussieht, kann man daher für die Zukunft nur Kunden mit einer weniger schmutzigen Phantasie wünschen, die ihren Kopf nicht nur als Haltevorrichtung für Haare benutzen.

P.S.

Wie ich auf Facebook erfuhr, stellten die Geschlechtsteile von Bären bereits im Mittelalter ein ernstes Problem dar. Hier die fehlenden.

[[1]]Bären tragen ihre Vagina auf dem Unterbauch?[[1]]
[[2]]Ich fürchte hier baldigen Linkrot, aber ich habe kein besseres Foto gefunden, wo man diese Naht, die bis auf halbe Bauchhöhe reicht, gut erkennen kann.[[2]]

 

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