Info Dieser Beitrag entstand zuerst als Antwort auf der Frage-und-Antwort-Plattform Quora. Er wurde mit allen Fehlern und Tippfehlern ins Blog übernommen.

Nein. Da macht man es sich zu einfach.

Frauenhass ist in der Gesellschaft tief verwurzelt und strukturell. So tief verwurzelt, dass er auch von Frauen mit getragen wird.

Das bedeutet, bestimmte Formen von Frauenhass sind gesellschaftlich akzeptiert, andere werden sogar gesellschaftlich und sozial honoriert.

Die konkreten Gründe warum eine Person (meist männlich) zum Frauenhasser oder Antifeministen wird, sind aber so individuell, wie die Personen.

Ein paar Muster, die immer wieder vorkommen, gibt es allerdings schon. Zum Beispiel ein schwieriges Verhältnis zur Mutter, vor allem wenn diese kalt war oder grausam und unfähig, die emotionalen Bedürfnisse eines Sohnes zu befriedigen. Aber auch Bindungsstörungen jeder anderen Art.

Auch sexuelle Übergriffe durch Frauen in der Kindheit, oder aber von der Mutter nicht vor solchen Übergriffen durch Dritte geschützt worden zu sein, kann entsprechend Hass auslösen.

Dann wurden Frauen lange Zeit dahingehend erzogen, Männern zu gefallen und sie nicht in Frage zu stellen. Das hat sich inzwischen deutlich verändert und es ist ein Maß an Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit, bei dem viele Männer nicht mitkommen.

Da scheinen auf einmal die Spielregeln durcheinandergebracht worden zu sein, dass Männer wählen können (auch, weil es mehr Frauen gibt, als Männer) und Frauen die Anpassungsleistung bringen müssen, sich auf den Mann einzustellen. Auf einmal ist diese Anpassungsleistung eine zweiseitige Sache und mit so viel Gleichberechtigung kommen Männer oft nicht klar. Das scheinbar gebrochene Versprechen, eigene Bedürfnisse nach Nähe leicht erfüllt zu bekommen, macht wütend.
Sie finden, Beziehungen sollten nicht so kompliziert sein – für sie.

Und während man früher Frauen in Krisenzeiten (aka Kriegen) in “Männerberufen” brauchte und wollte, gab es fast immer nach Kriegen einen kulturellen und gesellschaftlichen Backlash, der Frauen wieder aus der Gesellschaft herausdrängte.

Meist in dem Frauen in der Care-Rolle idealisiert wurden und in einer arbeitenden Rolle dämonisiert.

So verhinderte man, dass arbeitende Frauen in Konkurrenz zu Männern standen und damit auch die kollektive Wut der, oft aus dem Krieg heimgekehrten, Männer.

Das hat sich in der modernen Gesellschaft vollkommen aufgelöst. Gab es früher genug Positionen für mittelmässige Männer, die sich auf der halben Arschbacke durch den Job mogeln, stehen sie heute in direkter Konkurrenz zu gut ausgebildeten und motivierten Frauen. Oder anders formuliert: es reicht nicht mehr nur Mann zu sein, um einen angemessen bequemen und gut bezahlten Job zu finden. Inzwischen muss man durchaus mit etwas wie Kompetenz und Motivation aufwarten können.

Frauenhass kann also durchaus seine Ursache in Traumata haben — was ihn dennoch nicht entschuldigt.

Viel öfter dürfte da aber das Gefühl sein, zu kurz zu kommen und nicht das zu bekommen, was einem versprochen wurde. Nämlich einen überdurchschnittlichen Einfluß, eine überdurchschnittliche Machtstellung, überdurchschnittlichen Respekt vom Umfeld in Richtung des Mannes.

Zudem haben viele Männer nicht gelernt, ihren Wert in sich selbst zu suchen, bzw. nicht abhängig von Ansichten anderer zu sein. Sie benötigen ständige externe Validierung. Daher definieren sich viele Männer über ihren Besitz und auch eine schöne Frau vorzeigen zu können, gehört zu diesen Vorstellungen von Besitz hinzu. Viele Männer definieren sich außerdem über ihre Wirkung auf Frauen. Sei das nun tatsächliche Attraktion, die Anziehungkraft der Macht oder des Geldes.

Auch hier spielen Frauen oft nicht mehr die ihnen zugedachten Rollen. Statt nur den Mann zu validieren, wollen sie häufig selbst Respekt für ihre Arbeit — auch wenn das die klassische Rolle als Hausfrau und Mutter sein sollte. Frauen oszillieren nicht mehr alleine um den Mann. Auch das Dasein als Trophy Wife ist nur für eine kleinerwerdende Gruppe Frauen attraktiv.

Frauen scheinen also ihre scheinbar unverrückbare gesellschaftliche Aufgabe, Männern einen sicheren Hafen zu bieten, in dem sie sich kritikfreie Zustimmung und Anbetung abholen können, zunehmend nicht mehr zu übernehmen.

Männer müssten sich daher mit einer Frau mit Persönlichkeit arrangieren, statt sie als Trophäe, Objekt oder Lieferantin guter Gefühle zu begreifen.

Viel Frauenhass dürfte also aus einer grundlegenden Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation entspringen und sich um das betrogen zu fühlen, das man glaubt, das einem zusteht.

Und Frauen werden Feministinnen, weil es diesen tief verwurzelten Frauenhass gibt. Weil dieser ihnen sowohl Möglichkeiten im Leben verstellt, sie immer wieder zum Opfer sexueller Gewalt macht und sie durch Gesetze, die aus Frauenhass entstehen, in destruktiven Partnerschaften festgehalten wurden.

Gerade junge und hübsche Frauen werden oft auf diese Attribute festgelegt, anstatt ernst genommen zu werden. Frauen sind Feministinnen, weil sie mehr sind, als Busen, Beine und ein hübsches Lächeln.

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