Was geht im Kopf eines Quacksalbers vor?

Wer mein anderes Blog liest, wird bereits mitbekommen haben, dass ich mich in der vergangenen Zeit relativ häufig mit Quacksalbern beschäftigt habe. Also Menschen, die wie in den guten alten, vorindustriellen Zeiten durch die Lande ziehen, Einhorntinktur und Drachenrotze verkaufen, mit denen sie alle Krankheiten heilen. Vom eingewachsenen Zehnagel über den eiternden Zahn bis hin zu Malaria und Krebs.

Egal wie weit unsere moderne Bildung gediehen ist, es scheint immer wieder Menschen zu geben, die glauben wollen, was jeder Logik widerspricht: dass es ein Heilmittel für alles gibt und nur die böse Pharmaindustrie dieses unterdrückt.

Ein paar Hundert davon geben am kommenden Wochenende 100 Euro und mehr aus, um sich dieses Märchen von einem weißgewandeten Männchen vortanzen zu lassen. Aber darum geht es mir gerade gar nicht.

Je länger ich mich mit den Heilsbringern beschäftige um so ungläubiger bin ich, was das Ausmaß ihrer Heilsversprechen angeht. Das man behauptet, irgendein Wässerchen könnte Grippe oder Husten heilen, also Krankheiten die früher oder später auch von alleine ausheilen würden, kann ich ja noch nachvollziehen.

Aber wie kann man regelmässig behaupten, dass Heilmittel X gegen Krankheiten wirken würde, die nicht nur über längere Zeit sondern auch recht kurzfristig zum Tode führen können? Ich rede beispielsweise von Diabetes.

Diabetes ist eine Erkrankung, die ab es ab einem gewissen Stadium nötig macht, dass der Patient Insulin spritzt. Die richtige Ernährung ist sicherlich der Lebensdauer und dem Wohlbefinden zuträglich, in dem sie hilft Überzuckerung zu vermeiden (wobei, soweit ich weiss, ja der Unterzucker das größere Problem darstellt — aber korrigiert mich wenn ich falsch liege) aber ohne Insulin geht ein Diabetiker doch früher oder später Ex. Wie jüngst tragisch bewiesen.

Wie kann ich also als dahergelaufener Quacksalber behaupten, mein Kram wirke gegen Diabetes, obwohl ich ja wissen muss, dass dem nicht so ist. Wie skrupellos muss man als Betrüger sein um seine Betrügereien so weit zu treiben? Und habe ich dann keine Angst, durch Tote die meinen Weg pflastern, recht schnell überführt zu werden und meine Einkommensquelle gegen eine Knastzelle zu tauschen?

Ich kann mir das eigentlich nur so erklären, dass die Quacksalber dabei auf mehrere Effekte setzen:

Zum einen darauf, dass die Betroffenen schon rechtzeitig die Notbremse ziehen und es nicht so weit kommen lassen, dann doch zu sterben.

Das sie sich dann auch entsprechend schämen, auf solch eine durchsichtige Behauptung hereingefallen zu sein und ihren Mißerfolg mit dem Mittel daher nicht an die große Glocke hängen.

Das absurde und vollkommen übertriebene Behauptungen, die Behauptungen eben glaubwürdiger machen. Im Sinne von „Ja, der würde sich doch nicht darauf einlassen so was zu sagen, wenn es nicht tatsächlich wirken würde … Schließlich könnten die Leute ja dran sterben.“

Ausserdem, dass es den Quacksalbern schlicht egal ist. Immer wenn jemand mit negativen Berichten in ihren Kreisen auftaucht, reden sie sich ohnehin darauf hinaus, dass dann eben die Dosierung falsch war, sich die Person sowieso falsch ernährt hat oder die Ausgangsdiagnose einfach nicht stimmen würde. Egal was, bei Esos und Quacksalbern ist man immer selbst schuld, wenn es dann schiefgegangen ist.

Kann das sein? Ist es möglich, dass Menschen so niederträchtig sind und den Tod anderer in Kauf nehmen, damit ihr Scam glaubwürdiger klingt?

5 Comments Was geht im Kopf eines Quacksalbers vor?

  1. Sam

    leider ja teilweise schrecken die wirklich vor gar nichts zurück, da läuft es mir immer kalt den rücken runter wenn ich an so etwas denke. Niederträchtig und gemein trifft es da nicht ganz , ein böseres wort das ich noch einigermaßen in den mund nehmen könnte fällt mir gerade dazu nicht ein.

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  4. Doro Steeb

    Ich denke, die Quacksalber lassen sich in zwei Lager einteilen: a) Die größenwahnsinnigen Gläubigen, die sich in ihre Alternativ-Idee so sehr verrannt haben, dass sie selbst meinen, Krebs durch Handauflegen oder Multiple Sklerose durch Zuckerkügelchen heilen zu können. Und b) Diejenigen, die genau wissen, dass ihre Methoden wirkungslos sind und tatsächlich skrupellos genug sind, trotzdem kranken Menschen Geld dafür aabzunehmen. Die haben meistens einen winzig-kleinen Passus irgendwo im Winzig-Kleingedruckten, wo steht, dass ihre Ratschläge keinen Arztbesuch ersetzen, dass es sich bei ihren Produkten nicht um Medikamente, sondern um Nahrungsergänzungsmittel handelt usw. Viele behandeln ja auch „begleitend“, also der Krebspatient bekommt die Chemotherapie vom Arzt und begleitend eine Chakrenreinigung. Wenn es gut ausgeht, hat die Chakrenreinigung den Krebs besiegt und die schlimmen Nebenwirkungen der Chemo abgemildert. Wenn es schlecht ausgeht, hat die Schulmedizin versagt und die Chakrenreinigung wurde leider zu spät begonnen, so dass sie nicht mehr ihre volle Wirkung entfalten konnte. Totale Heuchelei.

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