Der Beitrag erschien zuerst auf Publikum.net und wurde nachträglich ins Blog umgezogen.

Nochmal zu der Doktorarbeit-Sache. Der Angriff auf Drostens Doktorarbeit ist Teil eines größeren Bildes. Einer „Strategie“ von der ich ausgehe, dass sie keine ausgeklügelte Strategie in dem Sinne ist, sondern einfach das natürliche Verhalten von Menschen, die gewinnen wollen.

Siehe: Von der merkwürdigen Fixierung auf Christian Drostens Doktorarbeit

Und zwar auch dann, wenn sie definitiv nicht recht haben und das gewinnen Nachteile für uns alle mit sich bringen würde. (Ja, Menschen sind nicht logisch und ich tu mir echt immer wieder schwer, derartiges Vorgehen zu verstehen.)

Es geht um „Flooding the Zone with Shit„.

Wie gesagt, ich halte diese Strategie oft nicht für planvoll eingesetzt, sondern eher instinktgesteuert.
Man versucht einfach alles, irgendwas, gegen eine Person, eine Idee, ein Vorhaben vorzubringen, ganz egal wie abwegig.

Ich denke oft kommt diese Strategie alleine schon dadurch zum Tragen, dass Menschen eine gewisse Vorstellung davon haben, wie die Welt IST – teils medial geprägt – und alles was davon abweicht muss, bei entsprechend vorhandenem Verschwörungsdenken, Absicht, Betrug etc. sein.

Bzw., dass die Leute, die diese Strategie gezielt und bewusst einsetzen, genau damit arbeiten. Dass Menschen eine medial-unrealistische Vorstellung davon haben, wie die Welt außerhalb ihres eigenen kleinen Bereichs funktioniert und auch nicht hinterfragen wollen.

Vor allem, wenn eben etwas als unangenehm und ‚will ich nicht‘ empfunden wird. Wie Veränderung. Wie eine Pandemie.

Wenn man das wegargumentieren kann, in dem man nachweist, dass alle, die dazu forschen, darüber Berichte, Dreck am Stecken haben, findet das nicht statt.

Also wird die ‚Zone‘ mit Bullshit geflutet: „Es wird ja nur zu viel getestet, deswegen sind die Zahlen so hoch. Und der Test taugt ja sowieso nichts. Er ist nicht validiert und dann war noch die Studie dazu zusammengeschustert. Und der der verantwortlich für die Studie war hat nicht mal den Doktortitel verdient. Und auch die Krankenhäuser sind gar nicht voll, denn die sind ja total leer. Siehe hier, ein Video. Und hinter allem steckt Bill Gates weil der hat ja schon vor Jahren gesagt, dass er mit Impfungen die Bevölkerung reduzieren will. Auch Masken bringen nichts gegen Viren, aber man erkrankt dann schrecklich an den Pilzen die in der Maske hängen bleiben und die man dann wieder einatmet. Die Impfung wirkt nicht. Aber sie bringt einen um. Die Krankheit ist sowieso nicht wild, es überleben ja fast alle. Aber Hydroxychloroquin ist die Rettung …
Die Lockdows richten den eigentlichen Schaden an. Wäre es wirklich eine Pandemie würden die keine Krankenhäuser schließen … „

Der Erfolg ist, dass alle Ressourcen gebunden sind, bei jedem Scheiss neu zu erklären, warum das nicht so ist. Warum das eine verkürzte Sicht auf die Realität ist. Warum da jemand nicht mal bis zur nächsten Ecke gedacht hat. Warum etwas eine Lüge mit einem Kern Wahrheit ist.

Das Üble an der Sache ist, dass dieser Bullshit für Leute, die sich mit den Hintergründen nicht auskennen, durchaus plausibel klingt. Vor allem in der Masse.

Dass die eben nicht genau wegen der Masse der Anschuldigungen nachfragen, ob da jemand krampfhaft versucht einen Hebel zu finden. (Was ja die Realität ist.)
Sondern das dann eben eher die Reaktion einsetzt: „ja, wenn da so viel vorgefallen ist, muss wohl was dran sein.“

Deswegen ist diese Strategie so erfolgreich und deswegen befinden wir uns seit dem Frühjahr quasi mehr in einem Tauenziehen mit den Destruenten dieser Pandemie, als dass wir Zeit hatten, sinnvolle Strategien zu entwickeln.

Ich bin mir sicher, dass die behäbigen Ministerpräsidenten und die noch behäbigeren Kultusministerien und Schulbehörden überhaupt keinen Bock hatten, sich wirklich auf die Situation einzulassen

Aber wären die Destruenten nicht bereits zu Beginn so zahlreich und so laut gewesen, sondern hätten wir eine laute Mehrheit für konsequentes Vorgehen gehabt, hätten sie zumindest mehr Antrieb für Handeln und längerfristiges Planen bekommen.

Statt aber einen Plan für den Rest der Pandemie zu machen, fangen sie an gebetsmühlenartig zu versichern, dass es keinen zweiten Lockdown geben wird. Und rechnen damit, dass es in ein paar Wochen wieder vorbei sein wird. „Flooding the Zone with Bullshit“ war in Deutschland und in der aktuellen Situation ein durchschlagender Erfolg.

Es wurde vom Wesentlichen abgelenkt. Es wurde verzögert. Es wurden falsche Hoffnungen geweckt. Es wurde Misstrauen geschürt.

„Flooding the Zone with Bullshit“ bringt die Leute, die tatsächlich konstruktiv arbeiten wollen und die, die Informationen über die Situation bereitstellen wollen, in die immerwährende Verteidigungsposition.

Während die Destruenten mit wenig Aufwand einfach eine Behauptung nach der anderen rausblasen. Egal wie absurd, egal wie falsch, egal wie weit hergeholt. Alle die konstruktiv arbeiten, müssen dann erst mal wieder aufklären, warum das so nicht stimmt.

Und sehen sich immer wieder dem Vorwurf gegenüber, ja an ‚Vertuschung‘ mitzuarbeiten, oder sich nicht richtig auszukennen. Weil oft natürlich absurde Seitenschauplätze aufgemacht werden, über die man nicht alle Bescheid wissen KANN.

Oder wo es einfach keine Daten oder Nachweise gibt, weil es für das eigentliche Problem komplett irrelevant ist.

Und sofort, wenn die Antworten nicht direkt lieferbar sind, weil sie nicht existieren, fließt der nächste Schwall Bullshit.

Denn wenn es die Information nicht gibt, dann ja nur, weil es etwas zu vertuschen gibt. Und nicht etwa, weil sie so irrelevant ist, dass es unnötige Kapazitäten binden würde, sie zur Verfügung zu stellen. Wie z.B. die Zahl der durchgeführten Tests.

Ganz ehrlich, die war völlig irrelevant. Die einzige Information, die notwendig war, um über die Lage der Pandemie informiert zu sein und sich in der Folge angemessen zu verhalten, war, wie stark verbreitet das Virus ist, wo und wie schnell es sich ausbreitet.

Auf einmal wollte aber jeder wissen, wie viele Tests gemacht worden sind. Nur eben nicht um die Pandemie zu verstehen, sondern um an ihr zu zweifeln.
Wir haben 10 Monate erlebt, wie kreativ Menschen sein können, die vor allem durchsetzen wollen, dass die Pandemie nicht wahr ist. Die teilweise auch als aktive Destruenten, sich durch das Leugnen der Pandemie bereichern. Teils finanziell, teils in der Währung Aufmerksamkeit.

Der Rest, wir alle, werden quasi von der täglich zunehmenden Welle Bullshits hergetrieben.

Ich würde da gerne einen Bremsklotz reinwerfen, habe aber keine Ahnung wie. Ideen?


Ich wollte auf diesen Thread hinweisen, der sehr exemplarisch für das Problem steht. Ein Destruent haut eine absurde Behauptung (aka Lüge) raus. Die Energie der Person, die der Sache hinterherrecherchiert ist für Stunden gebunden.

Und auch die Energie der Leute, die sich das durchlesen und dann das Wissen wieder in ihre Bubbles tragen, um den Leuten, die Destruenten zuhören, etwas entgegenzusetzen zu haben.

Ich bedaure sicher nicht, den exzellenten Thread gelesen zu haben und ich habe dabei, abgesehen davon, wie dreist Menschen doch lügen können, einiges gelernt. Weil mich auch interessiert, wie unsere Gesellschaft funktioniert.

Dennoch hoffe ich, dass es nicht die einzige Antwort auf „Flooding the Bullshit“ ist, dass sich immer jemand findet, der der Sache auf den Grund geht.

Scheiße wegschippen ist auf Dauer enorm frustrierend. Es wäre besser, die Scheiße verhindern zu können.  

Im Moment würde ich am liebsten den ganzen Mist von Alpheios und Peneios wegspülen lassen.

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