Nicht nur wenn man auf Reisen geht, kann man was erleben. In Zeiten von Pandemie und Social Distancing reicht auch das Gespräch mit einem Querdenker, damit sich das Hirn durchgeschüttelt fühlt, wie nach 20 Stunden Fahrt mit einer Dampflokomotive auf einer schlecht gewarteten Eisenbahnstrecke.

Bei diesem Beitrag handelt es sich um das Blog-Archiv eines Threads auf Twitter.
Er wurde mit allen darin enthaltenenen (Tipp- und Rechtschreibe-) Fehlern übernommen.
Inhalte können inzwischen veraltet oder überholt sein.
Der Beitrag sollte immer im Kontext der Ereignisse gelesen werden, in dem der ursprüngliche Thread auf Twitter entstand.

Ein bisschen Absurdität am Mittag gefällig? Facebook. Eine Dame postet eine gruselige Beschreibung, wie an Covid-19 erkrankte Menschen beatmet und dabei gelagert werden. Welche Folgen durch die Beatmung angeblich entstehen. Etc.etc.

Der Inhalt ist im Groben richtig, in vielen Details falsch, mit Bildern einer Rückemarks-OP und einer kurzzeitigen OP-Intubation garniert und außerdem reisserisch.

Fazit: „Da stirbt man an der Beatmung und dann schreiben sie noch Covid-19 auf den Totenschein!!!“

Relativ früh wurde eine Anti-Fake-News-Gruppe auf das Posting aufmerksam. Daher laufen viele der Kommentare entlang der Linie: Ja, ist alles bekannt. Beatmung ist kein Spaziergang, aber man überlebt immerhin. Auch die einzelnen Fehler des Beitrags wurden thematisiert.

Auftritt: Ein Yogi.

Paraphrasiert: Wie schrecklich, ich will auf keinen Fall beatmet werden und ihr alle hier seid meine Zeugen!!!

Moi: .oO(?!?!)

Moi: „Wenn du keine Patientenverfügung hast, interessiert sich kein Schwein dafür, was du hier schreibst. Glaubst du, überarbeitete Notfallmediziner schauen nach, was der Typ auf Facebook so schreibt?“

Er: „Ist das wirklich so? Ein entwürdigender Umgang mit dem Leben und dem Tod ist das Standard-Vorgehen und wenn ich nicht entwürdigt werden möchte, muss ich von mir aus aktiv werden? Warum steht dann im Grundgesetz, dass die Würde des Menschen unantastbar ist?.“

Er: „Ist das Grundgesetz nicht mehr gültig?“

Moi: 😕😟😞🙄😏🥸🤪🥴

Moi: „Schon mal was von unterlassener Hilfeleistung gehört? Mediziner müssen helfen.“

Er: „Warum werden

1. Mediziner dazu verpflichtet?

2. Ich dazu verpflichtet, wenn ich es nicht will?

3. Möchte das wirklich die Mehrheit der Bevölkerung so?“

Moi: 🥴😭🤯😖😣😫😩

Long story short: Es mindert seine Freiheit, wenn er hingehen muss und ein Formular für die Patientenverfügung auszufüllen, weil bitteschön der Default hat zu sein, dass man erst mal sterben gelassen wird und dann gefragt, ob man wiederbelebt werden möchte.

Außerdem hatte er wohl niedliche Vorstellungen davon, dass Beatmung unnatürlich und schlimm ist, aber langsam Ersticken ja gar nicht so schlimm und qualvoll, weil der Körper hat dann ja eh schon den Dienst eingestellt, oder so.

Außerdem fordert er, das alle Menschen lernen, wie schlimm das aussieht, in der Intensivmedizin, wie grausam und unnatürlich das ist. Das „das ist Allgemeinwissen“ fand er polemisch. Komisch.

(Okay, vielleicht fand er auch meine relativ unfreundliche Beschreibung des Erstickens mit dem Verlust der Kontrolle über Blase und Darm polemisch, denn das ist ja entgegen dem schlimm unnatürlichen Beatmen total fluffig und würdevolles Hinübergleiten in den Tod.)

Achja. Noch ein Nachgedanke:

Mein Eindruck war: der Typ wird die Patientenverfügung nicht ausfüllen. Was der eigentlich wollte, war, sein Ideal vom ’natürlichen‘ Tod leben, aber auch, sich auf gar keinen Fall aktiv dafür entscheiden zu müssen.

Mein Eindruck war: der Typ wird die Patientenverfügung nicht ausfüllen.
Was der eigentlich wollte, war, sein Ideal vom ’natürlichen‘ Tod leben, aber auch, sich auf gar keinen Fall aktiv dafür entscheiden zu müssen.

Felicea @ Twitter

Eigentlich wollte er Verantwortung abgeben. An die Gesellschaft. Ans Universum. Ist einfach so. Menschen sterben und wir als Gesellschaft lassen sie bereitwillig sterben, weil gut so.

Übelste ‚Natürlichkeits‘-Ideologie mit Menschen- & Krankenfeindlichkeit im Nachgeschmack.

Aber sich aktiv hinsetzen und sagen: so, ich möchte, wenn es hart auf hart kommt, mir, dem Personal und meiner Familie zumuten müssen, mir beim Ersticken zuzusehen … so weit will der das mit seiner Freiheit dann doch nicht gehen lassen.

Freiheit. Aber vor allem die Freiheit von Verantwortung.


P.S.: Es sollte mich erschrecken, wie viele Menschen inzwischen den gesellschaftlichen Grundkonsens in Frage stellen. Wie: jedes Leben ist wichtig und wert, gerettet zu werden.

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