Bei diesem Beitrag handelt es sich um das Blog-Archiv eines Threads auf Twitter.
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Interessant ist ja, dass so viele Impfgegner mit ihrer Entscheidung sich nicht impfen zu lassen ‘in Ruhe gelassen werden’ möchten.

Ich bin nun wirklich mein ganzes Leben lang in vielen Punkte angeeckt und habe damit klar kommen müssen, zwischen allen Stühlen zu sitzen und oft auch nicht sonderlich gemocht zu werden. Ich kenne also das Gefühl, außen zu stehen, als ‘nicht richtig’ empfunden zu werden und für das bloße Dasein ebenso wie für Entscheidungen kritisiert zu werden, gut.
Und ich würde lügen, würde ich behaupten, es wäre angenehm.

Aber ich habe natürlich auch mit der Zeit eine gewisse Schwiele entwickelt. Ich stand ja nicht mal in erster Linie aus eigener Entscheidung draußen, sondern weil ich Anforderungen der Gesellschaft an mich unmöglich erfüllen konnte.

Oder, selbst wenn ich es gekonnt hätte, es hätte mich über kurz oder lang umgebracht. Und das ist keine Übertreibung.

Ich erinnere mich noch gerne an die Zeit, als ich dachte, jetzt bin ich erwachsen und jetzt mache ich Dinge, wie alle sie machen. Zum Beispiel dass ich nun eine Person mit einem regen Sozialleben werde und meine Wochenenden mit Freunden und Bekannten verbringe.

Das war noch vor der Diagnose und sagen wir: Es lief nicht gut. Quasi ein Lehrstück darin, wie man sich mit einem Lächeln auf den Lippen und einem Glas Wein in der Hand den direkten Weg in eine Depression asphaltiert.

Also ich hatte diese Momente 'normal' sein zu wollen durchaus und auch deswegen, weil immer anders zu sein, immer anzuecken, nicht komfortabel ist. Und dennoch habe ich oft und vor allem seit der Diagnose mein Ding durchgezogen. Sicher nicht immer zur allgemeinen Freude.

Und sicher habe ich Leute, die meinten, mir ihre Meinung von Richtig und Falsch überstülpen zu müssen, auch gemieden. Weil Menschen, die mich nicht akeptieren, wie ich bin, kein gesunder Umgang für mich sind.

Sicher habe ich auch dem einen oder anderen gesagt, dass seine Meinung für mich nicht relevant ist und er sich um seinen eigenen Scheiß kümmern sollte.

Oder war wütend über unfaire Vorwürfe.

Aber …


… diese Forderung, in Ruhe gelassen zu werden, kommt oft und laut. Und zwar quasi immer dann, wenn man irgendwo in den Sozialen Medien schreibt, was man von Impfgegnern hält und auch den Finger in die diversen Wunden steckt.

Und ich behaupte mal, das mit der Frage ob ich mich impfen lasse oder nicht impfen lasse, hängen nicht ganz so existenzielle Fragen zusammen, wie mit meinem Nicht-Angepasst-Sein und dem Wunsch der Gesellschaft nach Konformität.

Abgesehen davon, dass bei einigen Leuten inzwischen zumindest soziale Kontakte daran hängen und Impfgegnerschaft auch durchaus sektenartige Züge hat.

Aber dieser Wunsch trotz unsozialem Verhalten keine Ablehnung erfahren, keine Kritik spüren zu müssen, der scheint mir schon recht stark.
Was ja auch mit den Analysen übereinstimmt, dass da nun eine entsolidarisierte Mitte den Aufstand probt.

Also genau die Menschen, die noch nie in ihrem Leben vorher etwas gemacht haben, das mutig war, oder verwegen oder unangepasst.
Immer wenn sie die Spielregeln übertreten haben, war es gesellschaftlich doch irgendwie akzeptiert.

Die Mitte leistet sich ja auch Rassismus, Sexismus, Behindertenfeindlichkeit und gar nicht zu selten sogar Antisemitismus und wenn sie dafür kritisiert wird, schreit sie "Cancel Culture".

Der Drang danach, mitsamt der shitty Entscheidung akzeptiert zu werden, ist jedenfalls groß.

Weiß noch nicht genau, was ich draus mache. Außer auf jedes "lass uns in Ruhe" mit "nö" zu antworten. 😉

Originally tweeted by Mela Eckenfels (@Felicea) on 17. April 2022.

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